Kleine Symbole statt großer Wahrzeichen

"Leverkusen" | © Oliver Kern/Hatje Cantz
Der Fotograf Oliver Kern hat Deutschland zehn Jahre lang porträtiert, sein Bildband Die deutsche Aussicht (Hatje Cantz) zeigt dem Alltag abgetrotzte Aufnahmen. Oft wirken die Menschen so in sich gekehrt und spröde wie die Landschaft. Diese ist industriell geprägt, was man oft erst auf den zweiten Blick erfasst – so gewöhnt ist man an Asphalt, Beton, Strommasten und Kraftwerk. Zugleich liegt etwas Friedliches in Kerns Bildern, die Gegenwart wird so akzeptiert, wie sie ist. Die Stiftung Zollverein Essen zeigt Kerns Fotos bis zum 13. Januar 2013.
- Datum 06.11.2012 - 11:38 Uhr
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Das hat auch seine Romantik, wenn man nicht drauf besteht, dass alles Natur sein muss im 21igsten Jahrhundert. Und dennoch, wenn man wollte, könnte man ein Deutschland photographieren ohne ein einziges technisches Werk und ohne Menschen und Häuser.
bei google earth findet man auch jede Menge solcherlei kleine Symbole.und auch noch weltweit.
mit´n bisschen Glück
Tiefschlaf und eine Behäbigkeit die sich gerne mit altkaiserlicher Ruhe und Ordnung verbindet. Selbst die Moderne kommt rückwärtsgewandt daher. Wer einmal in Spanien, Portugal, Frankreich oder sogar in der Türkei war und sich dort jüngere Gebäude angesehen hat wird wohl über die deutsche Mutlosigkeit schmunzeln.
Zitat: "Diese ist industriell geprägt, was man oft erst auf den zweiten Blick erfasst – so gewöhnt ist man an Asphalt, Beton, Strommasten und Kraftwerk".
Das ist genau der Aspekt, den ich an großen Magacities nicht ganz mag (trotz viele andere gute und wertvolle Zentralitäts-Vorteile der Haupstädten). Man kann irgendwann beinahe das Gefühl bekommen, dass die Umwelt "fast nur aus dem Beton besteht". Nach tollen Grüninseln muss man dann gezielt suchen. Somit ist "zu viel Verstadtlichung und Zivilisation" gewöhnungsbedürftig...
Ich bevorzuge eher Ecken, die viel Grünes haben und wo man auch am Sonntag einige Strecken zu Fuss laufen kann, ohne von den Autos gestört zu werden und ein Teil der Natur live erleben zu können. :)
Auf der Suche nach der deutschen Identität reiste der 1965 in Saarbrücken geborene Fotograf Oliver Kern durch mehrere Bundesländer der Republik. Was er dabei an symbolträchtigen und stimmungsvollen Augenblicken in seinen Bildern festgehalten hat, entspricht nicht den üblichen Klischees von z.B. schwarz-rot-goldenen Fähnchen schwenkenden Fußballfans oder weiß-blauer Trachtenidylle aus dem Voralpenland. Oliver Kern geht mit seinen Aufnahmen viel weiter und zeigt Landschaft und urbanen Raum so ungeschönt, wie ihn die meisten Menschen vorfinden, fernab von touristischen Postkartenklischees. Auch wenn er Landschaften aus Asphalt, Beton und Strommasten präsentiert, liegen diesen Bildern stets Authentizität zu Grunde und die Aufnahmen, sowie die darin abgebildeten Menschen, strahlen dennoch Würde und Gelassenheit aus. Waren in der Vergangenheit Begriffe wie Deutschland, Nation und Heimat eher negativ besetzt, ist es unter anderem auch ein Verdienst engagierter Fotografen wie Oliver Kern mit althergebrachten Traditionen zu brechen und Deutschland nunmehr realistisch zu präsentieren. Der Bildband mit dem Titel "Die deutsche Aussicht" ist hierfür ein sehr gelungenes Beispiel. Die Bilder von Oliver Kern werden noch bis einschließlich 13. Januar 2013 in der gleichnamigen Ausstellung "Die deutsche Aussicht" im Zollverein in Essen gezeigt. Der vorliegende und 2012 erschienene Bildband wird komplettiert durch kompetenten und einfühlsamen Begleittexte verschiedener Autoren.
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