RijksmuseumRemix den Rembrandt

Das Amsterdamer Rijksmuseum stellt 125.000 seiner Werke online und fordert seine Besucher auf, sie kreativ zu nutzen. Der Weg zum Mitmach-Museum ist aber noch weit. von 

Ein Patriziersohn als Sofakissen: Bartholomeus van der Helsts "Gerard Andriesz Bicker"

Ein Patriziersohn als Sofakissen: Bartholomeus van der Helsts "Gerard Andriesz Bicker"   |  © Bartholomeus van der Helst

Taco Dibbits meinte es ernst, als er im Frühjahr in einem Interview sagte , dass es bei Technik und Wissen vor allem um das Teilen geht. Wie ernst, das zeigte der Direktor des Amsterdamer Rijksmuseums vergangene Woche bei der Vorstellung des neuen Online-Auftritts seines Hauses. Denn während das Museum seit nunmehr neun Jahren im Rahmen eines millionenschweren Umbaus im Minimalbetrieb läuft, können die Besucher ab sofort rund 125.000 Exponate online ansehen.

Rijksstudio heißt die neue virtuelle Sammlung, die mehr zeigen möchte als alte Meister in digitalen Gewändern. Denn die Idee einer Online-Ausstellung ist alles andere als neu. Längst bieten renommierte Häuser wie das Deutsche Historische Museum oder die Münchner Pinakotheken einen Großteil ihrer Sammlung im Netz an. Zusätzlich versuchen internationale Initiativen wie das Google Art Project oder das interdisziplinäre Projekt Europeana Kunstwerke aus dem Museum auf den Bildschirm zu bringen.

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Smartphone, ummantelt von Abraham Storcks "Walvisvangst", 1654

Smartphone, ummantelt von Abraham Storcks "Walvisvangst", 1654  |  © Abraham Storck/Rijksmuseum

Mehr als ein Rembrandt auf der Kaffeetasse

Um sich von ähnlichen Projekten abzugrenzen, geht das Rijksmuseum noch einen Schritt weiter: Die Besucher sollen nicht bloß die Sammlung auf einer schicken, Tablet-optimierten Website ansehen, sondern selbst kreativ werden. Wer sich mit einer E-Mail-Adresse registriert, kann seine persönlichen Favoriten in eigenen Sammlungen speichern, wahlweise einzelne Bildausschnitte oder die kompletten Werke. Diese lassen sich anschließend hochauflösend herunterladen, soweit sie der public domain gehören, also gemeinfrei sein. Das Museum behält nach eigenen Angaben zwar die Rechte an den Fotografien, unterstützt aber ausdrücklich die Weiterverwendung für private oder schulische Zwecke – und bietet Möglichkeiten zum Ausdrucken gleich selbst auf der Website an.

Nun mag Kunstliebhabern die Vorstellung von Rembrandts Nachtwache auf der Kaffeetasse oder eines Vermeers auf dem Mousepad wie ein Frevel oder schlechter Marketing-Gag vorkommen. Beim Rijksmuseum ist man von der kreativen Nutzung der bereitgestellten Sammlung überzeugt. In einer ersten öffentlichen Vorstellung nutzten Designer bereits bestehende Werke als Basis für 3D-Drucke oder Datenvisualisierungen. Bis zur voraussichtlichen Neueröffnung im nächsten April sollen zudem regelmäßig Werke von Künstlern gezeigt werden, die aus dem Rijksstudio heraus erstanden sind. Seit vergangenem November können Drittanbieter bereits über die API-Schnittstelle auf die Sammlung und Daten des Museums zurückzugreifen, um daraus etwa Quiz- oder Augmented-Reality-Applikationen zu programmieren.

Vom Museumsbesucher zum Museumsbenutzer

Das Rijksmuseum folgt damit dem Ruf des Museums 2.0. Die Befürworter dieser Entwicklung glauben, dass die Besucher nicht bloß Kunst konsumieren, sondern sich auch darüber austauschen und sogar persönlich daran teilhaben möchten. Deshalb braucht es neue Anknüpfungspunkte zwischen den Institutionen und ihrem Publikum. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter zählen inzwischen zum Museumsalltag. Und auch der lange Zeit verpönte Begriff des "kuratierenden Besuchers" hat sich dank neuer Kommunikationswege Gehör verschafft.

"Wir erleben in den vergangenen Jahren einen Paradigmenwechsel in der Museumsszene", sagt Dr. Angela Jannelli, Kuratorin am Historischen Museum in Frankfurt und Mitherausgeberin des Sammelbandes Das partizipative Museum . "Das partizipative Museum versteht sich nicht mehr nur als Hüter von Objekten, sondern vielmehr als Verwalter im Dienste der Öffentlichkeit." Der Online-Auftritt funktioniert dabei immer häufiger als natürliche Erweiterung des Ausstellungsraumes, worin der Museumsbesucher durch aktive Teilnahme zum Museumsbenutzer wird. Oder, nach der Vorstellung des Rijksmuseums, selbst zum Künstler.

Leserkommentare
    • Grumpf
    • 09. November 2012 12:40 Uhr

    "Das Rijksmuseum in Amsterdam - momentan vor allem über das Rijksmuseum zugänglich"

    Und der Kölner Hauptbahnhof ist momentan vor allem über den Kölner Hauptbahnhof zugänglich.

    Vielen Dank für ihren Hinweis, wir haben die Bildunterschrift verbessert. Die Redaktion/kvk

    • JimNetz
    • 10. November 2012 6:32 Uhr

    heißen nicht umsonst so. Habe mich mal angemeldet und einige alte Bekannte gesucht. - Vieles ist online, einiges nur avisiert, aber vor allem übersichtlich und schnell (!) dargestellt.

    Der wesentliche Schritt scheint mir zum einen, daß man diejenigen Werke studieren kann, die sich bisher in geschlossenen Depots befanden. Zum anderen gibt es nun, gerade bei kleinformatigen Stichen die Möglichkeit der intensiven Betrachtung.

    Spinnt man das weiter und zieht auch die Möglichkeit der Weiterverwendung in Betracht, könnte sich mittelfristig eine Renaissance dieser Bildkunst ergeben. - Da hat das Rijksmuseum den Finger ganz kess in eine Wunde der zeitgenössischen Kunst gelegt, ihre Unansehnlichkeit bzw. Nichtbetrachtbarkeit. - Ich bin gespannt, ob andere folgen.

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