Künstlerin Yin Xiuzhen : Eine Gesellschaft, die sich immer wieder häutet
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 Yin ließ einen verschmutzten Fluss kollektiv "waschen"

Kunstaktion "Washing the river" © Yin Xiuzhen

Mit der Staatsmacht habe sie nie Probleme gehabt, sagt Yin. Ihre Arbeiten sind weniger drastisch als etwa die ihres Kollegen Ai Weiwei, eine deutliche Sprache sprechen aber auch sie. Mit ihrer Arbeit Transformation aus dem Jahr 1997 etwa reagierte Yin auf den rasanten Wandel ihrer Heimatstadt Peking zur Fortschrittsmetropole, sammelte Dachziegel zerstörter Häuser, die groß angelegten Stadtplanungsprojekten Platz machen mussten, und reihte sie zusammen mit Fotos dieser Häuser auf.

2005 ließ sie in der Stadt Chengdu für Washing the River Wasser aus dem extrem verschmutzten Fluss Funan entnehmen und in große Blöcke einfrieren, drückte Passanten Eimer mit sauberem Trinkwasser und Bürsten in die Hände und bat sie darum, das gefrorene Flusswasser zu reinigen.

Für Collective Subconscious ( 2007) schnitt sie einen ausrangierten Minibus, ein im boomenden Peking der 1990er Jahre viel genutztes Transportmittel, in zwei Hälften und nähte aus getragener Kleidung ein mehrere Meter langes begehbares Mittelteil. Im Inneren dieses raupenartigen Schlauchs richtete sie einen Ort zum Verweilen ein, mit Musik und Hockern, die Chinesen in den 1960er und 1970er Jahren oft selbst bauten und zu öffentlichen Versammlungen mitnahmen. Damit erinnerte sie an ein Kollektivitätsideal, das in der schnelllebigen Gesellschaft genauso ausgedient hat wie der Minibus.

Eine Gesellschaft, die sich immer wieder häutet, das ist Yins Thema. Sie visualisiert das Trauma des in den kollektiven Metamorphosen taumelnden Individuums. Die Ausstellung in Düsseldorf gewährt den Besuchern einen seltenen Einblick in diesen Seelenzustand.

Die Kunsthalle Düsseldorf zeigt in Zusammenarbeit mit dem Groninger Museum die erste große Einzelausstellung zu Yin Xiuzhens Werk in Europa, vom 15.12.2012 bis zum 10.3.2013

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ja die chinesische. . .

. . .Gesellschaft hat von Mitte des 20 .ten Jahrhunderts bis heute Brüche mitgemacht, verordnete ideologische kollektive Veränderung. Für das Individuum dort, auch wenn es sich möglicherweise und wahrscheinlich erschwerend, als solches gar nicht wahrnimmt, muß das schmerzend sein. Deutschland ist auch so eine extreme Gesellschaft, bedenken wir doch das strikte WIR in den fünfziger und sechziger Jahren mit Forderungen wie "Da könnte ja jeder kommen" und "Wenn das jeder machen würde", das jede Veränderung bekämpfte, über die 68er bis heute: Neoliberalismus, Flexibilität, Individualisierung in allen Lebensäußerungen, Vereeinzelung,aber auch eine Konformität zwecks Abblockung eines WIR Anspruches auf Institutionen, welch ein Widersinn eigentlich.

Ja genau...

... solche sinnlose Kunst ist das, was China braucht. Ich kapier einfach nicht, wie manche Leute für ein paar zusammengedrahtete T-Shirts Millionen hinblättern können.
Wenn ich mir die Mona-Lisa oder andere klassische Kunst anschaue, dann kann man die Arbeit, Leidenschaft und Detailverliebtheit des Künstlers in JEDEM Pinselstrich sehen.

So ein "Kunstwerk", wie dieses begehbare "Gehirn", kann ich mit 3 meiner Kumpels innerhalb von einem Tag zusammenbastln. Aber solange es solche Leute gibt, die mit sowas ihre Zeit verschwenden können, geht es der Welt einfach immernoch viel zu gut.