Ein bisschen Heimat für die Heimatlosen
Wer Menschen am Rande der Gesellschaft fotografiert, wird häufig mit dem Vorwurf des Voyeurismus konfrontiert. Nathalie Mohadjer hat dieses Problem in ihren Bildern aus einem Weimarer Obdachlosenheim ganz offensiv thematisiert. Einige ihrer Protagonisten verstecken sich – hinter einem Vorhang, hinter einer Wolke aus Zigarettenrauch. Andere posieren ganz selbstbewusst vor der Kamera, manchmal in ironischen Posen, mit riesigen Kuscheltieren. Keines der Porträts lässt einen los. Mohadjers Fotobuch Zwei Bier für Haiti ist im Kehrer Verlag erschienen.
- Datum 02.04.2013 - 06:48 Uhr
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Nathalie Mohadjer. Zwei Bier für Haiti.
Die Künstlerin Natalie Mohadjer hat über mehrere Monate hinweg Ort und Menschen in einem Weimarer Obdachlosenheim fotografiert. Herausgekommen sind eindringliche Beobachtungen, viel verbrachte Zeit mit Menschen die ansonsten eher am Rande der Gesellschaft leben und deren Lebenswelt sich der allgemeinen Bevölkerung meist verschließt bzw. abweisend gegenübersteht. Mit ihren Fotografien hat Nathalie Mohadjer die Nähe zu diesen Menschen gesucht und sie gibt mit ihren Bildern den Blick frei auf eine andere und mitunter prekäre Lebenssituation einer vergessenen Randgruppe. Hier sind Freude und Schmerz, kurze Momente des Glücks und tiefe Verzweiflung oft nahe bei einander. Es sind insbesondere die markanten Porträtaufnahmen, die diesem Bildband Authentizität verleihen.
Zwei Bier für Haiti ist das Erstlingswerk von Nathalie Mohadjer (Jahrgang 1979) und sie überzeugt durch eine klare Bildsprache und eine emotionalen Nähe zu ihren Aufnahmen.
Der erste Bildband der Künstlerin wird komplettiert durch kompetente behutsame Texte von Silke Opitz und Emanuele Quinz.
Nathali Mohadjer: Zwei Bier für Haiti. Erschienen im Kehrer Verlag, 2013, 80 Seiten, 44 Farbabbildungen, Text in deutscher und englischer Sprache.
Willi Wilhelm
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