Früher geschah Fotografieren mit Vorsatz. Man musste zumindest eine Kamera dabei haben, und sei es nur eine Pocketkamera wie die damals revolutionär kleine Agfamatic. Heute bedarf es keiner besonderen Gerätschaften mehr, keiner teurer Anschaffungen oder technischer Voraussetzungen. Ein Mobiltelefon reicht aus.

Das Wort Dunkelkammer klingt heute wie eine Strafe aus dem Mittelalter, bestenfalls nach der Obsession irgendwelcher Sonderlinge. Die Dunkelkammer ist heute diskret in der Kamera enthalten, einschließlich der Möglichkeit zur nachträglichen Bildbearbeitung.

Durch diese Öffnung des ehemaligen Ausrüstungshobbys Fotografie haben Menschen ein Genre entdeckt, zu dem sie sonst keinen Zugang hätten. Fotografie ist als künstlerisches Medium, das Besucher in Museen lockt, etabliert, aber auch als Kommunikationsmittel.

Nie war es so einfach, jederzeit zu fotografieren und das Bild gleich zu veröffentlichen. Als Anlass genügt meist die Botschaft: "Ich war hier. Die anderen waren auch da. Wo warst du?" Der andere ist vielleicht gerade damit beschäftigt, die eigenen Bilder bei Flickr hochzuladen – und damit schon einen Schritt weiter.

Qualität entsteht auf Flickr ohne Lenkung von oben

Vermutlich hat keine Hochschule, Zeitschrift, Projektgruppe oder Blockbuster-Ausstellung zum Verständnis der Fotografie mehr beigetragen als diese Plattform engagierter Amateurfotografen. Dabei ist Flickr wie die meisten Web-2.0-Formate nicht von oben gelenkt oder didaktisch. Die Nutzer kommunizieren untereinander, zeigen sich ihre Werke, tauschen sich aus über technische Fragen, aber auch über Ausdruck und Qualität.

Sie sind Fotografen, Bildredakteure, Mentoren, Verbraucher und Kritiker zugleich, mit dem Unterschied, dass sie keinen anderen Auftrag haben als ihrer eigenen Passion nachzugehen. Sie schulen sich gegenseitig. Ohne Lehrplan, aber mit Erfolg: Die Qualität der diskutierten Bilder ist erstaunlich hoch. Auf die vielen mittelmäßigen Beiträge, so einfach ist das Selektionsprinzip, reagiert meist niemand.