Die privaten Kulturstiftungen internationaler Finanzkonzerne ermöglichen unbekannten Künstlern manchmal Weltkarrieren. Andererseits besteht immer der Anfangsverdacht der unlauteren Image-Politur, wenn Finanzunternehmen ganze Nationen an den Rand der Pleite treiben und gleichzeitig idealistische Ausstellungshallen in europäischen Metropolen unterhalten.

Um ihre neue Berliner Kunsthalle am Regierungsboulevard Unter den Linden zu bewerben, hat die Kunstabteilung der Deutschen Bank nun einen bemerkenswerten Einfall gehabt: Sie rief Laienkünstler dazu auf, ihre Arbeiten einzureichen. Die Werke würden dann für 24 Stunden in der Nachfolge-Institution der im vergangenen Jahr geschlossenen Deutschen Guggenheim zu sehen sein.

Nach dem Aufruf "Macht Kunst" fielen die Diskussionen innerhalb der unabhängigen Berliner Kunstszene grundsätzlich aus: Kein Künstler, der auch nur über einen Hauch Selbstachtung verfüge, dürfe sich zum Erfüllungsgehilfen dieses durchschaubaren PR-Stunts degradieren, sagten die einen. Die anderen erkannten in der Aktion die vielleicht einzige Chance, die internationale Kunstwelt auf sich aufmerksam zu machen. Alle Teilnehmer haben laut Ausschreibung die Aussicht auf "3 x eine 2-wöchige Einzelausstellung im Studio der Neuen KunstHalle". Der Gewinner des Publikumspreises erhält zudem ein einjähriges Stipendium, das mit 500 Euro monatlich dotiert ist.

Als am Freitagmorgen die Kunsthalle für die Bewerber öffnete, warteten einige Künstler bereits seit sieben Stunden darauf, ihre Arbeiten einreichen zu dürfen. Während des ersten Tages wuchs die Schlange auf etwa drei Kilometer. So viele Menschen hat in Berlin seit der MoMa-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie vor fast zehn Jahren kein Kunstereignis mehr auf die Straße getrieben. Nach drei Tagen waren insgesamt 2.146 Werke zusammengekommen, die der Kurator René Block quasi über Nacht möglichst platzsparend arrangieren musste, denn bereits am Montagmittag eröffnete die 24-Stunden-Marathon-Ausstellung.

Da naturgemäß nicht alle Werke in den Räumen der neuen Kunsthalle gezeigt werden können, wird es Ende April noch eine weitere Ausstellung geben. Bei der Eröffnung bot sich das gleiche Bild wie zuvor in der Abgabe-Phase: Lange Schlangen, allein in den ersten vier Stunden zählte die Galerie über 2.000 Besucher.

Amateure waren aufgerufen, es kamen die Profis

Dabei war die Ausstellung selbst nicht der Rede wert. Die Wände waren schlicht im Fliesenleger-Stil bis zur Decke mit Malerei und Fotografie gepflastert, "Petersburger Hängung" heißt diese Form. Wenn man bei der Google Bildersuche "Zeitgenössische Malerei" eingibt, bekommt man einen recht präzisen Eindruck, wie es dort aussieht. Es gab abstrakten Im- und Expressionismus, figürliche Malerei genauso wie sozialistisch-realistische, es gab Fotografien, Zeichnungen, Ready-Mades, manches heillos kitschig, durchaus aber auch präzise, durchdachte Arbeiten. Allen Werken gemein war ihre relative Harmlosigkeit: Ein wenig Kapitalismuskritik bei Christopher Opiallas großformatiger Schweizer Flagge auf 20-Franken-Scheinen, ein wenig Alien-Porno-Trash, nichts wirklich Beunruhigendes. Kunst, die nicht stören möchte.

Die PR-Aktion richtete sich in erster Linie an Amateure, doch die Mehrzahl der Arbeiten stammte von Profis: Matthias Gálvez zeigte einen melancholischen Dichter mit Smartphone, Tor Seidel eine abgewandte Frau in einer traumartig unmöblierten Zimmerecke, Katharina Schnitzler ein blaues Pentimento mit einem flüchtig hingepinselten Barcode. All diese Künstler haben bereits international ausgestellt.