Fragen an F.C. GundlachWie gut ist mein Foto?

Wie unscharf darf ein Bild sein? Sind Brennweiten überflüssig geworden? Erfüllt mein Foto künstlerische Kriterien? Der Fotograf F.C.Gundlach beantwortet Fragen der Leser.

Alexandra Jess: "Alma Lou"

Alexandra Jess: "Alma Lou"  |  © Alexandra Jess

Was ist ein gutes Foto? Nach welchen Maßstäben werden Fotos beurteilt und ausgewählt? Welche Rolle spielen Technik, Innovation und die 170 Jahre lange Geschichte der Fotografie? Und was kann man als Amateur von guten Fotos lernen?  All das erklärt F.C. Gundlach, einer der führenden Fotoexperten, im aktuellen Sonderheft ZEITFotografie. Auch die Leser von ZEIT und ZEIT ONLINE konnten Gundlach Fragen stellen. Eine Auswahl lesen Sie hier, weitere finden Sie in ZEIT Fotografie.

Alexandra Jess: Wann wird aus einem privaten Porträt eines, das im Interesse "anderer Augen" liegen könnte: Weil es in diesen etwas auslöst, diese darin etwas sie Berührendes, Bewegendes oder Zeitloses entdecken? 

Alexandra Jess: "Seconds to fall"

Alexandra Jess: "Seconds to fall"  |  © Alexandra Jess

F.C. Gundlach: In dem Moment, in dem Sie das private Bild jemandem zeigen, wird es öffentlich. Unabhängig davon, ob der Betrachter mit Ihnen befreundet oder fremd ist – wenn es ihn bewegt, hat es das Potenzial, auch andere zu bewegen. Immer wieder.

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Rüdiger Thiede: Wie trocknet man Baryt-Papierabzüge möglichst plan und ohne wellige Ränder? An der Antwort liegt mir wirklich viel. Ich bemühe mich um die Lösung des Problems mehr oder weniger erfolgreich seit ca. 30 Jahren.

F.C. Gundlach: Zunächst einmal müssen die Bilder bei der Entwicklung ausreichend und sorgfältig gewässert werden. Für glänzende Print-Oberflächen gibt es Hochglanzpressen. Es gibt außerdem ein Verfahren, mit dem man alle Baryt-Abzüge plan trocknet, indem man den nassen Abzug mit dem Motiv nach unten auf eine Glasplatte legt, mit einer Gummiwalze alles überflüssige Wasser und Luftbläschen herausstreicht und es dann rundum mit Klebeband am Glas festklebt. Dies ist zwar eine etwas archaische Methode, doch eine ehemalige Mitarbeiterin von mir, die auch für Robert Frank Abzüge gemacht hat, hat es immer so gehalten. Wenn die Abzüge trocken sind, werden sie mit dem Messer rundum losgeschnitten.

Lutz Roeßler: Sind die unterschiedlichen Brennweiten, die für die unterschiedlichen
 analogen Filmformate nötig oder möglich sind, in der digitalen Fotografie unwichtig geworden?

F.C. Gundlach: Sie haben die gleiche, entscheidende Bedeutung! Nur das Speichermedium hat sich verändert.

Lea Plattner: Was macht einen guten Schnappschuss aus? Und unterscheiden sich Ihrer Meinung nach die Handy-Schnappschüsse von jenen, die mit einer guten  Kamera gemacht werden?

F.C. Gundlach: Die Kamera ist sekundär – der fotografische Blick macht den guten Schnappschuss möglich.

Felix Evers, Ratzeburg: Wie kann ich Schlüsselmomente der eigenen Biografie am besten konservieren, ohne die Qualität von Papierfotos und Negativen preiszugeben? 

F.C. Gundlach: Sie wollen eine Art Familienchronik anlegen? Ich würde alle Bilder in Passepartouts aus säurefreiem Papier setzen und dann in ebenso säurefreien Archivkartons aufbewahren. So kann man sie immer wieder herausnehmen und anschauen.    

Leserkommentare
  1. ... ernst gemeint?

  2. Mit vielen Aussagen von F.C. Gundlach stimme ich überein, jedoch möchte ich bei einigen Fragen eine andere Betrachtungsweise als Antwort ins Spiel bringen.

    >> Alexandra Jess: Wann wird aus einem privaten Porträt eines, das im Interesse "anderer Augen" liegen könnte: Weil es in diesen etwas auslöst, diese darin etwas sie Berührendes, Bewegendes oder Zeitloses entdecken?

    Ein klassisches Portrait funktioniert immer dann am besten, wenn es beim Betrachter ein Gefühl evoziert – egal, ob abstoßend oder anziehend. Der von F.C. Gundlach angesprochene „Spiegel“ ist die Möglichkeit des Betrachters die Erlebnisse und Erfahrungen seiner eigenen Vergangenheit auf das Portrait bzw. Modell zu projizieren.

    Es gilt hier also Portraits zu erstellen an denen der Betrachter hängenbleibt, welche bestenfalls eine Geschichte im Kopf des Betrachters auslösen.

  3. >>Anton Ferdinand von Oertzen: Anbei einige meiner Schüsse mit der Bitte einer Kurzbenotung. (3 Motive: Unscharfer Fahrrad-Fahrer von oben, Bobby schaut ins Off, Gentleman beim Schuhputzer auf der Strasse).

    Es wäre spannend die Kriterien für die Beurteilungen zu erfahren, auch wenn der Fragesteller dies nicht verlangt hat. Ich empfinde des unscharfe Fahrrad-Motiv als kompositorisch mangelhaft und Farbe und Fläche zudem wenig überzeugend. Das Portrait des Bobbys ist deshalb ein schwaches, weil wir nicht wissen, WARUM der Bobby ins Off schaut. Der angeschnittene Kopf links ist möglicherweise Teil seines Blickes bzw. Ausdrucks, vielleicht aber auch nicht. Es gibt keine Handlung, welche das Bild erschließt und der Protagonist beschäftigt sich nicht mit uns, was dem Bild möglicherweise zuträglich gewesen wäre.

    Praxis-Tipp: Es hilft an dieser Stelle und Situation ein lautes Geräusch zu machen, damit abgelenkte Personen aufmerksam werden und direkt in die Linse schauen (ob man dies bei Bobbys im Dienst anwenden sollte muss jeder selbst entscheiden. :).

    Die Schuhputzer-Szene dagegen ist eine Aufnahme, welche man aus Sicht der Street-Photography durchaus als gelungen bezeichnen darf. Komposition und Moment verraten einiges über die Protagonisten und spiegeln offensichtlich Zeit und soziales Gefüge in exemplarischer Form. Der Schuhputzer wird durch das „Herausfallen“ aus dem Bild in seiner sozialen BlueCollar-Worker-Rolle noch verstärkt – bravo!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mudd1
    • 08. November 2013 14:07 Uhr

    Sehe ich genauso, mit der Ausnahme dass das Schuhputzerbild schräg ist. Wenn im Original genug Ränder vorhanden wären, um das zu korrigieren, wäre das ein großer Gewinn. So finde ich das extrem störend.

  4. >>Jolini: 2. Wie kann man es vermeiden, dass der Ausdruck eines Porträts aussieht, wie "Ich werde fotografiert"?

    Es gibt verschiedene Methoden dies zu erreichen. Sie können die Modelle zum Beispiel, wie Richard Avedon es in seiner Serie „Family“ gemacht hat, Ihre Modelle stundenlang schweigend umkreisen, um einen natürlichen Ausdruck zu evozieren. Sie können mit einer langen Brennweite Menschen im Gespräch oder anderen gebundenen Situationen unbemerkt portraitieren. Bei der eigenen Familie ist es nützlich, wenn Sie mit der Kamera derart verschmelzen, dass das häufige Auslösen so selbstverständlich ist, dass niemand mehr Zeit und Muße hat in Pose zu fallen, wenn Sie die Kamera auf das Modell richten.

    Ich verwende eine andere Methode, um Studio-Portraits zu erstellen, welche einen möglichst bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich bitte meine Modelle sich gedanklich in bestimmte Situationen ihrer Vergangenheit zu versetzen und mache sehr viele Aufnahmen, wobei die erste halbe Stunde meist unbrauchbar ist und die Aufnahmen gegen Ende einer mehrstündigen Session deutlich besser werden.

    Es gilt Posing um jeden Preis zu vermeiden. Wie das aussehen kann, sieht der geneigte Leser in meinem Portfolio unter http://www.daedalus-v.de/portfolio.cfm

    Der vielleicht wichtigste Rat ist dieser: Sagen Sie den Modellen nicht, dass sie glücklich lachen sollen. Das ist ein völlig unnatürlicher Ausdruck. Sagen Sie den Modellen statt dessen: „Bitte nicht lachen!“

  5. Sehr geehrte Frau Carstens, sehr geehrter
    Herr Wellnitz, eine prima Idee, F.C. Gundlach
    zu portraitieren, diesen grossartigen Fotografen
    und genialen Sammler von Photographien.
    Das Titelfoto ist ein Hochgenuss (kürzlich
    habe ich meinem Neffen (20), der Kunst und
    Architektur studiert, meine ROLLEIFLEX
    samt eine meiner LEICA M6 geschenkt).
    Nun werde ich leider, bei manchem Text
    von Fotografen und Foto-“Experten“ im
    Heft, ein wenige „haarspalterisch“: Wenn
    schon ein DZMAG „Fotografie“, dann
    sollten die Texte fachkundiger redigiert
    werden. Beispiel „Schärfentiefe“ und
    „Tiefenschärfe“. Bedauerlicher finde ich,
    dass für dieses Heft FotografInnen aufgefordert
    wurden, ihre Bilder zu „interpretieren“, dies
    sollten die FotografInnen besser dem
    Betrachter überlassen. Beispiele:
    Olivia Bee: „Man muss immer wachsam
    sein, die Canon...die ich benutzt habe,
    hat eine magische Ästhetik“. Peter Langer:
    „Je nach Situation entscheide ich, welche
    Kamera am besten funktioniert.“ Monika
    Höfler: „Die Kamera habe ich bei den
    Expeditionen immer angeschaltet
    bereitgehalten, um schnell reagieren zu
    können.“ - Derlei banale „Weisheiten“
    kennt jeder Amateur, selbst wenn er „nur“
    mit seinem Smartphone fotografiert.

  6. Nun zum Beitrag „Für Einsteiger: Eine
    kleine Fotoschule in neun Schritten“
    mit Armin Smailovic. Zitate: „Schalten
    Sie die Kamera ein und stellen Sie auf
    Automatik.....Nehmen Sie das
    Motiv in die Mitte....“. Bei allem Respekt:
    Dies ist für meine Begriffe das Niveau
    eines mittelmässigen Volkshochschulkurses.

    Beim Titel „Wie gut ist mein Foto?“,
    fällt mir eine Anekdote ein, es war zu
    Beginn der Digifotografie: In einem
    Fotoladen, ein Kunde fragt den
    „Fachverkäufer“, er hätte gern einen
    „Foto“, der „gute Bilder macht.“ Der
    „Fachverkäufer“ präsentiert dem
    Kunden eine Digi (schätze mal jenes
    Fabrikat, welches den grössten Profit
    abwirft) und sagt dem ahnungslosen
    Kunden: Die empfehle ich Ihnen, DIESE
    KAMERA MACHT ECHT GUTE
    BILDER. „Gute Bilder“ macht der
    Fotograf und nicht die Kamera, das ging
    selbst vor 50 Jahren mit meiner
    „AGFA CLICK“.
    Fazit: Für welchen Leserkreis wurde das
    DZMAG Fotografie konzipiert ? Fotografen
    und „engagierte Hobbyfotografen“ werden
    sich, so befürchte ich, über manches Thema
    in diesem Heft schlapp lachen. Und für
    Anfänger werden die Tipps im Heft
    realtiv nutzlos sein. In diesem Sinne
    Gruß aus dem Jagsttal
    Burkhard Junghanß

    btw: Die Arbeiten von Juergen Teller halte
    ich persönlich nach wie vor für überbewertet.

    • mudd1
    • 08. November 2013 14:07 Uhr

    Sehe ich genauso, mit der Ausnahme dass das Schuhputzerbild schräg ist. Wenn im Original genug Ränder vorhanden wären, um das zu korrigieren, wäre das ein großer Gewinn. So finde ich das extrem störend.

    Antwort auf "Standpunkte II"

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