Hildebrand Gurlitt, der Vater des Kunsthändlers Cornelius Gurlitt, soll 200 der etwa 1.400 in München sichergestellten Kunstwerke von Joseph Goebbels Ministerium gekauft haben. Das geht aus einem Bericht der Bild am Sonntag (BamS) hervor, der sich auf Unterlagen beruft, die den Kauf belegen sollen. Demnach erwarb Hildebrand Gurlitt im Mai 1940 per Kaufvertrag 200 Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken für insgesamt 4.000 Schweizer Franken (etwa 3.250 Euro) vom Ministerium für Propaganda.

Die Kaufsumme entspricht 20 Franken pro Werk. Unter den Kunstwerken befinden sich Arbeiten, von denen heute viele Hunderttausende bis Millionen Euro wert sein dürften, unter anderem Chagalls Spaziergang, Picassos Bauernfamilie und Noldes Hamburger Hafen

Im März 2012 waren etwa 1.400 Arbeiten in Cornelius Gurlitts Wohnung in München-Schwabing beschlagnahmt worden. Die Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken stammen offenbar aus dem Nachlass seines Vaters, dem Dresdner Kunsthändler Hildebrand Gurlitt. Es wird davon ausgegangen, dass es sich in mehreren Fällen um NS-Raubkunst handelt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt gegen Gurlitt wegen Unterschlagung und wegen Steuerdelikten.

Beutekunst - Die Werke des Münchner Kunstfundes Bei dem Kunstfund sind auch bisher völlig unbekannte Meisterwerke entdeckt worden. Mehrere Bilder von Dix und Chagall waren bisher nicht in Werkverzeichnissen erfasst. Die Fotos der Werke haben wir zusammengestellt.

Wie die BamS schreibt, existieren laut einem internen Bericht, der dem Bundesfinanzministerium vorliegt, Kauf- und Tauschverträge für die an Gurlitt verkauften Werke. Bei diesen Werken gingen die Ermittler davon aus, dass sie sich zum Zeitpunkt der Beschlagnahme durch NS-Organisationen im Besitz des jeweiligen städtischen oder staatlichen Museums befanden, "sodass Rückgabe-/Restitutionsansprüche nicht durchsetzbar sein dürften".

Einem Bericht des Zolls zufolge, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt, vermittelte Hildebrand Gurlitt nur einen Teil der vom Goebbels-Ministerium erworbenen Werke ins Ausland, wie die BamS schreibt. Demnach verkaufte er Bilder auch vorschriftswidrig an deutsche Sammler in Hamburg, Dresden und Berlin. Gurlitts Witwe hatte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs behauptet, die Sammlung ihres Mannes sei zerstört worden.

Dem Zoll zufolge wurde in der Wohnung Gurlitts auch eine Mappe mit 181 nicht gerahmten Kunstwerken gefunden, die mit "großer Wahrscheinlichkeit" zur Sammlung eines jüdischen Bürgers aus Dresden gehörten. Dieser war von den Nazis zum Verkauf seiner Sammlung und später zur Flucht ins Ausland gezwungen worden. Laut BamS haben die Erben dieses Sammlers nach Einschätzung des Zolls Anspruch auf Rückgabe der Werke.