Der größte Fälscherskandal der Nachkriegsgeschichte war offenbar weit 
internationaler als bislang gedacht. Nicht nur in Deutschland und Frankreich wurden die gefälschten Werke von Wolfgang Beltracchi verkauft. "Die meisten Bilder gingen nach Japan, Frankreich, in die Vereinigten Staaten und England", sagt die Ehefrau des Fälschers, Helene Beltracchi, in einem großen Interview mit der ZEIT. Die beiden waren 2011 vom Kölner Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

"Jetzt habe ich damit begonnen, wieder zu malen", sagt Wolfgang Beltracchi. "Heute könnte ich, nachdem ich auch alle naturwissenschaftlichen Gutachten kenne, Bilder malen, die niemand entlarven würde. Niemand." Allerdings will er künftig keine Fälschungen mehr produzieren.

Die Händler und Kunsthistoriker zu täuschen, sei meistens sehr leicht gewesen, berichten die beiden. So hätten sie dem Experten Werner Spies ein gefälschtes Bild vorgelegt, das von Max Ernst stammen sollte. Spies habe erklärt, es handele sich um ein Originalwerk von Max Ernst, obwohl ihm ein naturwissenschaftliches Gutachten vorgelegen habe, dem sich das Gegenteil entnehmen ließe. 

"Den problematischen naturwissenschaftlichen Befund ignorierte Spies mit der Erklärung, es sei durchaus möglich, dass Max Ernst die Farben bereits im frühen Versuchsstadium benutzt habe. Außerdem glaube er nicht an die Endgültigkeit solcher naturwissenschaftlichen Erkenntnisse", schreiben Wolfgang und Helene Beltrachi in ihrer am Freitag im Rowohlt-Verlag erscheinenden Biographie Selbstportrait. Die ZEIT veröffentlicht daraus in ihrer kommenden Ausgabe einen Vorabdruck.

Das vollständige Interview lesen Sie ab Mittwochabend in der ZEIT-App für iPad, iPhone und Android-Tablet sowie im PDF der ZEIT.

Wie sich künftig Fälschungen vermeiden ließen? "Die Naturwissenschaftler und Experten müssten sich vernetzen. Es gibt bis heute keine Datenbanken, die sie gemeinsam nutzen, um beispielsweise zusammenzutragen, welcher Maler wann welche Farben benutzt hat", sagt Helene Beltracchi. "Einzelinfos hat jeder. Aber es wird als Herrschaftswissen behandelt, dass keiner rausrücken will. So schaden sich alle."

Wolfgang Beltracchi verbüßt derzeit seine Strafe als Freigänger, seine Frau Helene wurde aus der Haft entlassen. Seit den 1990er Jahren hatten sie gefälschte Gemälde der klassischen Moderne in den Handel eingeschleust. Der geschätzte Schadenswert liegt bei 34 Millionen Euro.

Das vollständige Interview mit dem Ehepaar Beltracchi sowie den Vorabdruck aus ihrem Buch "Selbstportrait" lesen Sie ab Mittwochabend in der ZEIT-App für iPad, iPhone und Android-Tablet, sowie im PDF der ZEIT und in der gedruckten Ausgabe.