Und wieder wird das Personalkarussell angeworfen. Max Hollein, Direktor von Städel Museum, Liebieghaus und Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main, geht am 1. Juni nach San Francisco, um dort die Fine Arts Museums zu leiten, die zu den bedeutendsten Kultureinrichtungen Kaliforniens gehören. Hollein wird Herr über 128.000 Kunstwerke und 520 Mitarbeiter sein. Eine Herausforderung, die sich der 46-Jährige nicht entgehen lässt. So fein formuliert wie die Statements von Oberbürgermeister, Kulturdezernent und dem Vorsitzenden der Städel-Administration zum Weggang ihres bekanntesten Kulturträgers waren, kann die Neuigkeit zumindest intern nicht überraschend gewesen sein.

In eine missliche Lage stürzt er die Verantwortlichen gleichwohl. Innerhalb von zwei Monaten müssen sie einen Nachfolger von möglichst gleichem Kaliber finden. Einfach wird das nicht, denn mit Hollein geht in Frankfurt eine Ära zu Ende, fünfzehn Jahre leitete er die Schirn, seit 2006 auch das Städel und die Liebieghaus-Skulpturensammlung. Mit ihm hat Frankfurt als Museumsmetropole wieder an Attraktivität gewonnen, nachdem die Stadt dank Kulturdezernent Hilmar Hoffmann in den Achtzigern eine beispiellose Gründungsära neuer Häuser erlebte, in den Neunzigern aber wieder an Profil zu verlieren begann.

Durch Max Hollein, den Sohn des Wiener Architekten Hans Hollein, von dem das städtische Museum der Moderne in Gestalt eines postmodernen Tortenstücks stammt, lernte die Stadt neue Seiten des Museumsmanagements, der Ausstellungsgestaltung, der Akquise von Drittmitteln kennen. Hier brachte jemand gleichermaßen kunsthistorische wie wirtschaftliche Kenntnisse mit. Geschult hat ihn die Zeit am New Yorker Guggenheim Museum, wo er unter dem legendären Promoter Tom Krens arbeitete.

Polyglotte Tätigkeiten

Neben seinen Erfolgen in Frankfurt, wo er den Ausbau des Städel Museums vorantrieb, die Sammlung um 2.800 Werke erweiterte und die Schirn zum angesagten Ausstellungshaus machte, dürfte der Stallgeruch eines US-amerikanischen Museums zu seiner jetzigen Berufung nach San Francisco geführt haben.

Im Museumsbetrieb geht es wie bei den Dirigenten zu. Wechsel gehören zum Handwerk, wobei Orchesterchefs manchmal sogar zwei Klangkörper an entfernten Orten leiten. Hollein war längst ein internationaler Player, bevor er nach Frankfurt kam, zu seinem Portfolio gehören außerdem Beratertätigkeiten für die Eremitage in Sankt Petersburg, das Palais de Tokyo in Paris, das Istanbul Modern Museum, die Neue Galerie in New York und die National Gallery in Prag. Darin unterscheidet er sich nicht groß von den anderen High-Profilern der Museumsbranche. Internationales Studium, polyglotte Tätigkeiten gehören heute unabdingbar dazu. Da muss es auch nicht verwundern, dass erfolgreiche Kräfte irgendwann wieder weiterwandern, zumal das Frühjahr eignet sich dafür.

Gerade ist Hartwig Fischer von den Staatlichen Museen in Dresden an das British Museum in London gewechselt, wo seit einigen Jahren sein Vorgänger im Amt, Martin Roth, am Victoria and Albert Museum wirkt. Auch Italien profitiert von den gut ausgebildeten deutschen Kräften. Eike Schmidt leitet seit 2015 die Uffizien in Florenz. Auch er hat sich zuvor seine Sporen in den Vereinigten Staaten verdient, arbeitete am Minneapolis Institute of Arts und war Kurator an der National Gallery in Washington sowie am Getty Museum in Los Angeles.

Bei diesen Wanderbewegungen passiert es auch umgekehrt, dass deutsche Institutionen zur Anlaufstelle werden. Soeben erst hat der Schotte Neil MacGregor nach langen Jahren am British Museum seine Arbeit als Gründungsintendant des Humboldt-Forums aufgenommen. Und im nächsten Jahr wird der Belgier Chris Dercon, noch Direktor der Tate Modern in London, als neuer Intendant der Volksbühne in Berlin erwartet. Zuvor leitete er das Haus der Kunst in München. Also keine Tränen, mancher kehrt auch zurück. Und nach fünfzehn Jahren sollte einer gehen dürfen.