In der Debatte um die legendäre Kunstsammlung der Farah Diba, die demnächst in Berlin gezeigt werden soll, wird das zuständige Auswärtige Amt von iranischen Künstlern scharf kritisiert. "Deutschland versucht hier nicht, eine kulturelle Öffnung zu bewirken, sondern hinter den Kulissen einen Deal mit der Islamischen Republik einzufädeln, der über unsere Köpfe hinweggeht", sagte die Künstlerin Forouhar der ZEIT.

Jene Kräfte im Iran, die tatsächlich einen Wandel bewirken könnten, die Intellektuellen und Künstler, seien von Anfang an nicht offiziell einbezogen worden. "Diese Kunst- und Kulturszene muss man hinzuziehen", fordert Forouhar, deren Eltern von Schergen des Systems ermordet wurden. "Stattdessen machen die Deutschen klammheimlich genau dasselbe, was die Islamische Republik macht."

Die Ausstellung in der Berliner Gemäldegalerie hatte bereits im Sommer für Diskussionen gesorgt, weil der Teheraner Direktor des leihgebenden Museums mehrere Holocaust-Karikaturen prämiert hatte. Für  Kulturstaatsministerin Monika Grütters war damit die rote Linie des Antisemitismus überschritten. Sie schrieb an Hermann Parzinger, den Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, einen warnenden Brief. "Hier droht ein falscher Eindruck über die Stiftung zu entstehen, wodurch sie Schaden nehmen könnte", heißt es in dem Schreiben, das der ZEIT vorliegt. "Das muss unbedingt vermieden werden."

Grütters überwies die bereits erhaltenen Sondermittel für die Ausstellung zurück an das Auswärtige Amt – "als Zeichen meiner Distanznahme", wie sie sagt. Es handelt sich um eine Summe von 2,8 Millionen Euro, wie nun erstmals bekannt wird. Weiterhin ungewiss ist derzeit, wann und wo die Kunstschau, die vom Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vorangetrieben wurde, eröffnen kann. Ursprünglich sollte sie am 4. Dezember beginnen.

Früherer Chefkurator ist skeptisch

In der Kunstwelt gibt es Spekulationen darüber, dass die Ausstellung am Ende gar nicht stattfindet. Eine Absage der Ausstellung im letzten Moment würde ihn "nicht wundern", sagte etwa David Galloway dem ZEITmagazin. Schließlich sei die Ausstellung vor allem politisch als Zeichen der Annäherung zwischen beiden Ländern gewünscht.

"Dabei ist es fraglich, ob der Iran so viel offener geworden ist", so Galloway. Künstler litten im Iran unter Repressionen. Und die Verhandlungen beider Länder seien am Streit um die prämierten Karikaturen beinahe gescheitert. "Nach diesem Skandal war der Museumsdirektor als Partner für die Ausstellung natürlich nicht mehr vermittelbar, und es hat sich wochenlang hingezogen, bis die Iraner einen neuen, für die Deutschen akzeptablen Partner anboten", so Galloway: "Ob das alles für eine Annäherung spricht?"

Pollock, Bacon, Rothko

Der 79-Jährige kennt die Sammlung der Witwe des iranischen Schahs sehr gut: Farah Diba holte ihn 1977 als Chefkurator an das Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst. Eine seiner Aufgaben bestand darin, die Kunstsammlung zu vervollständigen. Galloway kaufte nach eigenen Angaben "viel Pop-Art, Werke von Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein und Donald Judd". Ein festes Budget habe es dabei gar nicht gegeben. "Es war Geld da, und wir haben nie nach Preisen geschaut".

Die lange unter Verschluss gehaltene Sammlung aus der Zeit von Schah Mohammed Reza Pahlevi gilt als eine der weltweit wertvollsten Sammlungen westlicher Kunst. Zur Ausstellung gehören insgesamt 1.500 Kunstwerke, darunter solche von  Jackson Pollock, Mark Rothko und Francis Bacon, die einst von Farah Diba Pahlevi für die Kunstsammlung der Familie zusammengetragen worden waren. Ihr Wert wird auf drei Milliarden Dollar geschätzt. 20 Jahre lang war Farah Diba persische Kaiserin – bis zum Sturz des Schah-Regimes 1979. Die Familie flüchtete ins Exil, wo der Schah Mohammed Reza Pahlevi 1980 starb.