Der britische Kunstkritiker, Autor und Maler John Berger ist tot. Er starb in seinem Haus im Pariser Vorort Antony im Alter von 90 Jahren, wie der Schauspieler Simon McBurney, ein enger Freund Bergers, der Nachrichtenagentur AP mitteilte. Berger sei seit einem Jahr krank gewesen, sagte McBurney. 

Berger wurde 1926 in London geboren. Er gilt als Pionier unter den politischen Kunstkritikern. Er schrieb kunsthistorische Bücher, Romane und Gedichte, die in keine etablierte Form passten. Immer wieder forderte der marxistische Intellektuelle damit die traditionellen Sichtweisen auf Kunst und Gesellschaft sowie ihre Verbindungen heraus. Im Jahr 1972 gewann er den begehrten Booker Prize für seinen Roman G.

Sein 1981 erschienener Band über Das Leben der Bilder oder die Kunst des Sehens gilt als Bestseller. Weil Berger sich eine Zeit lang dem Kommunismus nahe fühlte, verließ er das bourgeoise London und zog in die raue Savoyer Landschaft. Dort schrieb er das Buch Sau Erde, das von dem bäuerlichen Leben auf dem Lande handelt. Berger verfasste darüber hinaus Liebesgeschichten, Theater- und Hörstücke und führte Interviews.

Über das Geheimnis, das sich in der Kunst offenbart, sagte Berger 2007 der ZEIT: "Wenn Sie sich anschauen, was uns auf natürliche Weise umgibt – nicht nur das Menschengemachte –, sind Sie im Reich des Unendlichen. Deshalb zeichne ich. Und habe immer gezeichnet. Bäume. Landschaften, Körper, Fische. Zeichnend beginnt man, die unendliche Komplexität zu sehen, sodass der Prozess des Zeichnens – ohne dass etwas ausgesprochen würde – eine Art des Gebetes ist."