"Ein trauriger Tag, Kounellis hat uns verlassen, ein großer Meister, Wahlitaliener, der mit seinem Werk die zeitgenössische Kunst geprägt hat", schrieb der italienische Kulturminister Dario Franceschini auf Twitter. Der griechische Künstler Jannis Kounellis ist in seiner Wahlheimat Italien im Alter von 80 Jahren gestorben. Er solle am Freitag auf dem Kapitolshügel in Rom aufgebahrt werden, bestätigte die italienische Polizei.

Kounellis war bereits in den fünfziger Jahren nach Italien gezogen und galt als einer der wichtigsten Vertreter der Arte povera. Die Kunstrichtung steht dafür, mit einfachem Material Banales zum Kunstwerk zu machen.

Der Maler und Objektkünstler, der mit Joseph Beuys befreundet war, ist für seine monumentalen Installationen bekannt. Er machte aus "armen Materialien" reiche Kunst, die nicht selten provozierte, stets überraschte und sich vom jeweiligen Ausstellungsort inspirieren ließ. Aufsehen erregte er etwa in den sechziger Jahren mit einer Aktion in Rom, für die er zwölf lebende Pferde in einer Galerie anband. Damit überschritt Kounellis den normalen Ausstellungsrahmen und wurde als revolutionär bezeichnet.

"Ich bin eine griechische Person, aber ein italienischer Künstler." So beschrieb sich Kounellis einmal selbst. Er wurde am 23. März 1936 in der griechischen Hafenstadt Piräus geboren und zog mit 20 Jahren mit seiner Frau nach Rom, um an der Accademia di Belle Arti zu studieren.   

Große Installationen, düstere Farben

Sein künstlerisches Debüt L'alfabeto di Kounellis (übersetzt: "Das Alphabet von Kounellis") gab er 1960 in der Galerie La Tartaruga in Rom: Dort präsentierte er in Schwarz-Weiß Leinwände mit Buchstaben, Zeichen und Zahlen. Spätere Kunstwerke waren eher Skulpturen als Bilder – wie zum Beispiel in Teer getauchte und auf große Leinwände gedrückte Mäntel. 1972 nahm Kounellis erstmals an der Biennale in Venedig teil und wurde weltbekannt. In Deutschland stellte er nicht nur aus, sondern lehrte auch mehrere Jahre an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Er entwarf große Rauminstallationen. Etwa den Kohlenhimmel, für den er 112 Kohlebrocken mit einem Durchmesser von je 20 Zentimetern an die Decke der Recklinghäuser Kunsthalle hängte. Große Beachtung fanden Kounellis Schlachthof-Installationen mit blutigen Rindfleischstücken oder auch ein Galgen neben dem Münster in Schwäbisch Gmünd, an dem ein mit Möbeln gefüllter Leinensack hing.

In gewisser Weise betrieb Kounellis eine moderne Form des Recyclings, indem er bereits benutzte Materialien für neue Kunstwerke wiederverwendete. Im Museum Kurhaus Kleve befestigte er 2011 beim Aufbau einer Werkgruppe kurzerhand seine schwarzen Schuhe auf einer der Teerleinwände und musste sich neue kaufen. "Er beschwört Vergangenheit und lässt dabei Gegenwart entstehen. Er arrangiert seine künstlerischen Mittel zu suggestiven, aber stets auch präzis formulierten Imaginationen – künstlerische Mittel, die sich seit den Anfängen der Arte povera wenig verändert haben", schrieb DIE ZEIT 1991 anlässlich einer Ausstellung in Hannover über Kounellis.

Sein existenzieller Kunstbegriff kann im Zusammenhang mit seiner Biografie gesehen werden. In Griechenland wuchs er in einer Gesellschaft des Hasses auf, die den blutigen Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Nationalisten (1947-1949) erlebte. Für Kounellis, der auch gefragter Bühnenbildner, Theaterautor und exzellenter Zeichner war, sah die Zukunft "düster" aus, wie er immer wieder sagte. Auch seine Kunst war dunkel, Schwarz seine Farbe. Gleichzeitig spielte in seinem Leben Freiheit eine wichtige Rolle, die sich nicht zuletzt im ständigen Regelbruch seiner Kunst manifestiert. In seinem Heimatland ist ein Satz von Kounellis besonders berühmt. Er sagte: "Ich habe nie einen Menschen getötet. Ich bin jedoch bereit einen zu töten, wenn es um die Freiheit geht."