Sechs Höhlen der ältesten Eiszeitkunst in Baden-Württemberg sind in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Die Dichte der Funde, die Bedeutung des Ensembles für die Geschichte der Künste sowie der Beitrag der Stätte zur Erforschung des Jungpaläolithikums sei weltweit einzigartig, erläuterte das Komitee seine Entscheidung. Die Höhlen sind Fundorte der ältesten Kunstobjekte der Welt. In Deutschland sind sie die 42. Welterbestätte.

Als sich die ersten modernen Menschen vor mehr als 40.000 Jahren aus Afrika über den Nahen Osten entlang der Donau bis nach Europa ausbreiteten, hinterließen sie auf der Schwäbischen Alb, etwa 20 Kilometer westlich von Ulm, die derzeit ältesten Zeugnisse figürlicher Kunst. Ein Forschungsteam um den Tübinger Archäologen Nicholas Conard fand in den Höhlen Anfang der 2000er Jahre Gegenstände aus dem Leben der Eiszeitmenschen: aus Mammutelfenbein geschnitzte Kunstwerke wie etwa einen Pferdekopf, einen Wasservogel, eine menschenähnliche Gestalt mit Löwenkopf und vor allem auch eine fingergroße Frauenstatuette, die nach ihrem Fundort benannte Venus vom Hohlefels.

Die bräunliche Figur ist etwa 35.000 Jahre alt und zeigt eine detaillierte Abbildung einer Frau, mit Armen, Beinen und Brüsten, sogar schemenhafte Hinweise auf Kleidung sind zu erkennen. Die Venus gilt als die weltweit älteste Darstellung eines Menschen. Am Eingang zum Hohlen Fels ist in einer Vitrine eine exakte Kopie zu sehen; das Original steht im etwa fünf Kilometer entfernten Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren.

2008 entdeckte das Forscherteam darüber hinaus eine rund 20 Zentimeter lange Flöte aus Mammutelfenbein. Laut den Archäologen ist sie der Beleg, dass die eiszeitlichen Jäger und Sammler im schwäbischen Lone- und Achtal nicht nur bildende Künstler waren, sondern bereits Musik machten.

Das Welterbe-Komitee tagt noch bis Mittwoch in Krakau und entscheidet insgesamt über die Aufnahme von mehr als 30 neuen Stätten aus aller Welt. Neben den schwäbischen Eiszeithöhlen hat sich noch eine weitere deutsche Stätte für die Welterbeliste beworben: der Naumburger Dom gemeinsam mit der hochmittelalterlichen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut.

Der Antrag wurde zur Überarbeitung zurückgegeben. Das Unesco-Komitee gab Naumburg dafür drei Jahre Zeit. Damit scheiterte der deutsche Antrag aus Sachsen-Anhalt bereits zum zweiten Mal: Eine erste Bewerbung hatten die Welterbe-Experten 2015 für zu lang und zu wissenschaftlich befunden.

An der nachgebesserten Fassung bemängelte die Unesco, sie habe den außergewöhnlichen universellen Wert der Stätte für die Menschheit – Kriterium für die Aufnahme in die Liste – nicht ausreichend hervorgebracht. Unesco-Delegierte sprachen sich dafür aus, eine erneute Bewerbung allein auf den Naumburger Dom zu beschränken. Die hochmittelalterliche Kulturlandschaft an Saale und Unstrut hätte vor allem regionale Bedeutung, hieß es.

Zugestimmt wurde einem Erweiterungsantrag. Das bereits bestehende Welterbe Bauhaus wird um die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB in Bernau ergänzt. Bisher umfasste das Welterbe Bauhaus Ensembles und Denkmäler in Weimar und Dessau, die unter der Leitung des ersten Bauhaus-Direktors Walter Gropius gebaut wurden sowie den Gründungsort der Schule in Weimar. Die Architektur der neu aufgenommenen Stätten stammt von Hannes Meyer, der das Dessauer Bauhaus von 1928 bis 1930 leitete.

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet. Die Architektur- und Designschule inspiriert bis heute weltweit mit ihren wegweisenden künstlerischen und sozialen Ideen. Laut Unesco macht die Erweiterung den Beitrag der Architekturabteilung der Schule zur schlichten Gestaltung, zum Funktionalismus und zu den gesellschaftlichen Idealen der Bauhaus-Bewegung sichtbar und trägt dessen wesentlicher Rolle in der Entwicklung der Architektur des 20. Jahrhunderts Rechnung.


Das Welterbekomitee befasst sich seit einer Woche mit der Neuaufnahme von nominierten Stätten, dem Schutz gefährdeter Welterbestätten und der Weiterentwicklung des Welterbeprogramms. Unter anderen wurde die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale in der russischen Inselstadt Swijaschsk und die antike Stadt Aphrodisias im Südwesten der Türkei aufgenommen. Bereits in der vergangenen Woche entschied die Unesco, das historische Stadtzentrum von Wien und die Altstadt von Hebron in die Liste bedrohter Welterbe aufzunehmen.

Mit der Einschreibung in die Welterbeliste verpflichten sich die Vertragsstaaten, die Welterbestätten auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu schützen und somit für künftige Generationen zu bewahren.