Lange Besucherschlangen, stundenlange Wartezeiten, begeisterte Reaktionen – als im Frühjahr das temporäre Museum The Haus am Zoo die Arbeiten von 100 Street-Art-Künstlern ausstellte, wollten das in zwei Monaten fast 80.000 Menschen sehen. Jetzt bekommen Straßenkünstler und die Freunde von Graffiti und anderen Ausprägungen von Urban Art in Berlin eine dauerhafte Anlaufstelle: Am Sonnabend eröffnet in Schöneberg das Museum Urban Nation.

"Street Art gehört auf die Straße, die Geschichte jedoch braucht ein Zuhause", sagt Yasha Young, künstlerische Direktorin von Urban Nation, bevor sie zum Presserundgang durch das neue Museum in der Bülowstraße führt. Die 45-Jährige hat lange in New York gelebt, als Galeristin mehr als 200 Ausstellungen kuratiert und kommt aus der Punk- und Skaterszene, wie sie erzählt.

Besucher schauen sich Street-Art-Arbeiten von verschiedenen Künstlern im neuen Museum Urban Nation an. © Lars von Törne


Sie weiß, dass ihr Haus unter doppelter Beobachtung steht: zum einen von Street-Art-Puristen, die es ablehnen, dass diese rebellische, oft auch illegale Form der Kunst in Institutionen gezähmt wird. Zum anderen von Menschen, für die Sprüher und ähnliche Aktivisten im öffentlichen Raum vor allem Vandalen sind. Allein die BVG hat 2016 eine Million Euro ausgegeben, um ihre Fahrzeuge von Graffiti zu befreien.

Graffiti gegen Vandalismus

Auch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, die gut die Hälfte der 4,5 Millionen Euro Baukosten für das Museum bezahlt hat, macht mit Graffiti nicht nur gute Erfahrungen. Deswegen versucht man seit einiger Zeit, durch künstlerische Gestaltung von Hauswänden Vandalismus vorzubeugen, sagt die Sprecherin Josiette Honnef. "Wir wollen Menschen zusammenbringen und Anonymität und Vorurteile überwinden", sagt Gewobag-Vorstand Markus Terboven beim Rundgang durch das Urban-Nation-Gebäude. Man fördere das Museum daher auch als soziales Projekt, wie Hans-Michael Brey von der Stiftung Berliner Leben sagt, die von der Gewobag gegründet wurde. Über Street Art erreiche man gerade jüngere Menschen: "Es geht um Hoffnung und Perspektiven." Die Stiftung hat 650.000 Euro zugeschossen, 1,4 Millionen die Lottostiftung.

Für Museumsdirektorin Yasha Young geht es bei Urban Nation darum, "ein öffentliches Gespräch zu führen". Deswegen zeige man nicht nur Werke von international bekannten Künstlern wie Banksy oder Shepard Fairey, der durch das Hope-Plakat für Obama weltberühmt wurde, sondern arbeite mit Schülern und Nachwuchskünstlern zusammen, wie auch mit einer Kirche in der Nachbarschaft und einem Seniorenheim.

Beim ersten Rundgang durch das fast fertige Museum beeindruckt neben der Kunst auch die Architektur: Das Büro Graft Architekten hat Zwischendecken in dem fünfstöckigen Haus herausbrechen lassen, um Platz für bis zu acht Meter hohe Kunstwerke zu schaffen. Und draußen auf der Fassade schaffen Künstler neue Werke. Wie auch auf weiteren Bauten in der Nachbarschaft.

So trägt der polnische Sprayer mit dem Künstlernamen Tank Petrol ein gigantisches Frauenporträt auf einer Hausfassade auf. Das Museum? "Tolle Sache", sagt er. "Endlich hat man mal einen Platz, an dem man in Ruhe die Kunst der Kollegen betrachten kann und jede Menge Inspiration bekommt."

Eröffnungsprogramm Urban Nation (Bülowstr. 7, Schöneberg): Samstag (16.9.) ab 19, Sonntag 10–18 Uhr Artmeile entlang der Bülowstraße. Museum danach geöffnet: dienstags bis sonntags 10–18 Uhr, Eintritt frei. Mehr online unter urban-nation.com/de.