Finn-Ole Heinrich Machst du bitte mit, Henning?

Ein Junge in einem Heim für schwer erziehbare Kinder hat ein düsteres Geheimnis. ZEIT ONLINE präsentiert exklusiv eine Erzählung aus dem neuen Buch von Finn-Ole Heinrich

Finn-Ole Heinrich wurde 1982 in Henstedt-Ulzburg geboren, Zuletzt erschien von ihm der Kurzgeschichtenband "Gestern war auch schon ein Tag" im Mairisch-Verlag

Finn-Ole Heinrich wurde 1982 in Henstedt-Ulzburg geboren, Zuletzt erschien von ihm der Kurzgeschichtenband "Gestern war auch schon ein Tag" im Mairisch-Verlag

Wie ich den gesehen hab, so ganz allein, hab ich gleich gemerkt, wie es anders geworden ist, also ich, und das war gar nicht mal schlecht, finde ich. Man ist so lange, wie man eben ist, bis man anders wird. Und dann bin ich also hin und hab gesagt: "Ej". Mehr nicht, im Anfang.

Ich will keinen Ärger, steht auf einem Zettel, der hängt über meinem Bett. Das ist mein Stoppsatz, das war Aufgabe in der Tagesgruppe, vor ein paar Wochen, wir mussten den Stoppsatz auf einen Zettel schreiben und in unserem Zimmer aufhängen. Und nicht hinter dem Schrank, sondern am Fenster oder über dem Schreibtisch oder über das Bett, hat Frau Heinsohn gesagt, jeder seinen eigenen Stoppsatz. Ein Stoppsatz funktioniert so: Man sagt den Stoppsatz auf, ganz leise, nur für sich und im Kopf, wenn es eine Gefährdungssituation gibt - das ist eine Situation, in der es passieren könnte - und dann stellt man sich in eine andere Ecke des Zimmers oder wo die Situation ist, also auch nur im Kopf, und stellt sich die Situation vor, wie wenn man sie von außen sehen würde und sagt sich seinen Satz, ich will keinen Ärger, also das ist jetzt ja mein Satz, jeder kann sich einen anderen aussuchen, und dann überlegt man, was man als nächstes macht. So geht der Stoppsatz, das hat Frau Heinsohn mit uns geübt.

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Ich bin hier in Haus Hirte Heim für gestörte Kinder, Zentrum für Familienhilfe. Morgen ist Weihnachtsfeier, da plane ich was, aber das ist noch geheim. Ich habe ein richtig blaues Auge seit gestern Abend, ich sehe aus wie ein Verbrecher, sagt Frau Heinsohn. Als ich heute Morgen reingekommen bin, durch die Tür, sagt Frau Heinsohn: "Also, Henning, was hast du denn angestellt" und hat sich die Hände auf den Mund gelegt und sie wieder runter genommen und auf ihren Schoß gelegt, wo die immer liegen wie zwei dicke tote Fische, und dann hat sie gesagt "also, du siehst ja aus wie ein Verbrecher". Da hab ich genickt und von den anderen hat keiner was gesagt und ich hab mich einfach hingesetzt an den Tisch und dann hat Sören mir schon alles erklärt, der arbeitet in Haus Hirte Heim für gestörte Kinder, er ist der Zivi, so heißt das. Er hat erklärt, was wir heute machen sollen in der Tagesgruppe. Lebkuchen zusammenkleben, Häuser zum Beispiel oder was wir wollen. Logischerweise, das ist ein Trick, man soll bauen, was man will und sie denken, man verrät aus Versehen was, was man gar nicht sagen wollte, also man ist so am Bauen, was man Lust hat und sagt damit aus Versehen was, so machen die das, Frau Heinsohn und Herr Kornberger, da muss man aufpassen.

Ich hab den kleinen Jungen auf dem Schulweg zurück getroffen, der kleine Junge lief da alleine rum und ich hab einfach gesagt "ej", und er hat geguckt und ich auch und dann hab ich gesagt "komm mal mit" und er ist mitgekommen und wir sind gelaufen. Dann wollte er nicht weiter, am Ende der Straße, aber ich hab gesagt "dann hau ich dir so lange ins Gesicht, bis du aus beiden Augen raus blutest". Dann ist der kleine Junge mitgekommen. Wir waren eigentlich ganz freundlich miteinander.

"Man ist so lange wütend, bis man sich beruhigt hat", sage ich. Das sagt mein Vater immer. Also nicht genau das, aber das ist so, wie mein Vater es immer sagt. Er hat mir versprochen, dass er mir das erklärt, wenn ich groß bin, „wie man immer die richtige Antwort gibt“, aber ich bin ja nicht blöd wie drei Reihen Feldsalat, Salat kann nämlich nicht denken, weil Salat kein Gehirn hat, und ich weiß auch selbst, wie das geht. Es ist überhaupt nicht kompliziert, auch wenn Papa so guckt und dicke Augen macht. „Das Prinzip, das erkläre ich dir, wenn du groß bist“, sagt Papa immer und ich schnaufe, damit er schnallt, dass ichs geschnallt hab, sein oberkluges Prinzip.
Frau Heinsohn guckt genervt. "Lass das, Henning, fang nicht wieder damit an", sagt sie, "du sollst mir vernünftige Antworten geben, du willst doch keinen Ärger haben, oder?"
"Nein, Frau Heinsohn, keinen Ärger haben", sage ich.
"Und auch keinen Ärger machen?"
"Und auch keinen Ärger machen", sage ich.
"Warum?"
"Weil alles auf einen zurückkommt", sage ich, wenn man sich zu blöd anstellt, denke ich noch, aber das denke ich nur, das sage ich nicht, man muss immer etwas mitdenken, das man nicht verrät, niemandem, sonst wissen sie ja alles und das geht nicht.
Frau Heinsohn nickt und guckt auf ihren Block. So funktioniert das, Frau Heinsohn und Herr Kornberger wollen in die Gedanken gucken und in Haus Hirte Heim für gestörte Kinder muss man seine Gedanken verstecken, so geht das hier.

"Es hat keine Anzeichen gegeben", das haben alle gesagt, meine Eltern, wie sie mich hergebracht haben, "wir sind eine gute Familie, es hat keine Anzeichen gegeben". Und auch meine Lehrerin, sagt meine Mama, und Oma kann’s nicht fassen. Keine Anzeichen. "Irgendwann ist immer das erste Mal", sagt Sören, der Zivi, so heißt das, und zuckt die Schultern dazu. Das macht Sören immer gleich. Jeder hat so seine Sätze und auch Bewegungen, wem ist das schon aufgefallen, außer mir eigentlich? Alle benutzen immer die gleichen Sätze, manchmal, und Bewegungen auch, hej.

Das wusste ich gar nicht, wie ich hier angekommen bin, dass der Manuel heißt. Wir haben ja fast nicht geredet, also jedenfalls nicht mit Namen. Aber sie haben mir gesagt, wie der kleine Junge heißt, Manuel, hier in Haus Hirte Heim für gestörte Kinder. Frau Heinsohn und Herr Kornberger haben mir das gesagt und mir Fotos gezeigt von dem kleinen Jungen, Manuel, wie wir so zusammen im Sprechzimmer geredet haben. Und Herr Kornberger, der zwinkert immer und zieht zum Lachen immer meistens nur eine Seite vom Mund hoch und guckt einem ganz kurz ins Gesicht, vielleicht weil er jünger ist als Frau Heinsohn und kleiner auch. Er sagt "stell dir mal vor, wie Manuel sich fühlt, stell dir vor, was er fühlt, nach dem, was du gemacht hast", und ich warte, aber er lächelt nicht, nicht mal mit seinem halben Mund. "Was ist das für ein Gefühl", sagt Frau Heinsohn, die ist aber auch wirklich groß für eine Frau, sie ist so groß wie mein Vater oder größer noch.
Wie der kleine Junge zwitschert mit seiner kleinen Stimme, erinner ich mich, wie wenn er ein Vogel ist und er hat feuchte Lippen, weil er ein bisschen sabbert, wie ein Hund, so klein ist der noch. Man kann ihn gut schubsen, der kleine Junge kann schon ganz gut laufen.
"Glaub, der kleine Junge denkt, sein Vater ist ein Vogel", sage ich.
"Machst du bitte mit, Henning", sagt Frau Heinsohn und ich nicke.
"Was war Hausaufgabe?", fragt Frau Heinsohn.
"Was ich angerichtet habe", sage ich und Frau Heinsohn sagt "Richtig, also" - und Herr Kornberger lacht kurz mit der linken Seite vom Mund und guckt weg und sagt gegen das Fenster, aber eigentlich zu Frau Heinsohn, der Riesin, "Naja, also, so richtig richtig ..."
"Mann, drüber nachdenken war Hausaufgabe", sage ich, "was ich angerichtet habe".

"Jetzt richten wir was an", sage ich immer, wenn ich Tischdienst habe, das wechselt jede Woche, man ist immer zu dritt, alle vier Wochen. Decken und abdecken und abwischen. Wenn wir decken, sage ich immer "was wir jetzt wieder anrichten!" Das ist ein Witz, weil man zu decken und abdecken auch anrichten sagt, oder wenn man gekocht hat, aber ich kann nicht kochen. Frau Heinsohn findet das witzig, "Das ist ja richtig witzig, Henning", hat sie gesagt, "du hast ja richtig Humor". "Scheißwitz, echt", sagt Adam und Torben nickt und sagt "Halt's Maul", nur weil sie keinen Humor haben. Und deshalb haben sie mir gestern eine verpasst, aber richtig, Adam und Torben, zu zweit, zusammen gegen einen, das ist feige, da hatte ich gar keine Chance. Ich bin kein Schwachpisser, mal im Ernst, hej, alles, aber bestimmt kein Schwachpisser, ich kann Schwachpisser echt nicht ausstehen, also auf jeden Fall hat Torben mich festgehalten und Adam hat gekloppt, nur weil sie keinen Humor haben. "Noch einmal", haben sie gesagt und meinen Kopf gegen den Bettpfosten geschlagen. Das Auge, davon ist es so blau, ich sehe aus wie ein Verbrecher, echt, "noch einmal deinen Scheißwitz und du bist richtig im Arsch". Nur weil sie keinen Humor haben. Aber die beide sind sowieso dumm im Kopf, die gehen auf die Sonderschule mit den Behinderten, echt, kein Wunder, dass die keinen Humor haben, hej.

Wie wir so gelaufen sind, hab ich immer gesagt "Jetzt links und jetzt rechts", ich habe hier die Befehle gegeben, ich hab dem kleinen Jungen gesagt "Steck den Finger in die Scheiße und leck da dran" und der kleine Junge hat geweint und ich hab seine Hand genommen und so gequetscht, so doll wie ich konnte und der kleine Junge hat geschrieen und ich habe gesagt "Wenn du nochmal schreist, dann schneid ich deine Zunge ab, die wächst nicht nach". Und der kleine Junge hat seinen Finger in die Hundescheiße gesteckt und geleckt und geweint.

Ich baue einen Panzer heute und kein Lebkuchenhaus, logischerweise. Man macht immer Sachen, damit die anderen nicht drauf kommen. Sie wollen den Kindern in den Kopf gucken in Haus Hirte Heim für gestörte Kinder. Darum geht es und deshalb muss man alles machen, was keinen Sinn macht, um die Betreuer zu verarschen. So ist das ganze Leben hier, man macht was, damit keiner wissen kann, was man wirklich machen würde, wenn einem keiner immer zugucken würde bei allem. Ich baue also einen Panzer aus den Lebkuchenplatten, ich klebe zwei aufeinander und stecke einen Buntstift rein und sage: "Fertig, Panzer!", damit sie denken, Henning denkt, ein Panzer ist ein Haus, Henning denkt, man kann in einem Panzer wohnen und Krieg spielen und alles kaputt machen, Henning spielt zu viel Computerspiele, der ist ein wirklich gestörtes Kind. Frau Heinsohn klatscht einmal mit den toten Fischen und sagt "Henning ist der erste" und Herr Kornberger nickt und guckt aus dem Fenster und gähnt und dann sagt er "Da hat sich aber einer richtig Mühe gegeben". Scheißwitz, finde ich, man sollte Herr Kornberger mal richtig eine verpassen.

Das ist kein großes Geheimnis, man nimmt ein Wort, irgendeins, zum Beispiel liebt und dann nimmt man noch das genaue Gegenteil, hasst, und tut sie in einen Satz zusammen und man hat eine Antwort, die immer passt. Man liebt so lange, bis man hasst. Das geht mit echt vielen Worten und stimmt fast immer, wirklich, und das ist gar nicht schlecht, wenn man mal nicht weiß, was man sagen soll oder um einen verrückt zu machen. Man ist so lange weg, bis man wieder da ist. Oder man ist so lange jung bis man alt ist, das sagt mein Vater am alleröftesten. Es ist so lange hell, bis es dunkel wird. Das ist das ganze oberkluge Prinzip. Man kann Frau Heinsohn damit verrückt machen, wenn man es lange genug spielt. Ich habe das am Anfang nur gespielt, die ganzen ersten zwei Wochen, man hat so lange Hunger, bis man satt ist, ich schlaf so lange, bis ich wach bin. Wenn Frau Heinsohn mit mir reden wollte hat ihre Stimme dann manchmal schon gezittert, ich weiß warum, weil ich auf jede Frage nur so geantwortet hab nämlich. Und sie hat mich gefragt, warum ich nicht kooperiere, weil ich nur hier raus komme, wenn ich kooperiere, aus Haus Hirte Heim für gestörte Kinder. Ich habe gesagt "Man kooperiert so lange, bis man was anderes macht", da hat Frau Heinsohn geschrieen, das habe ich noch nie erlebt und Frau Heinsohn vielleicht auch nicht, sie hat ganz erschrocken geguckt, sie hat nur einmal hell und kurz geschrieen, wie ein kurzer lauter Furz. Das war ihr peinlich. Ich habe gesagt: "Frau Heinsohn, sie schreien, logischerweise, Sie haben die Situation nicht unter Kontrolle. Stoppsatz, Frau Heinsohn, aus der Situation aussteigen." Das war Humor, übrigens.

Ich hab dem kleinen Jungen gesagt, er soll in den Supermarkt gehen und ein Feuerzeug klauen und wenn er erwischt wird oder was sagt, dann töte ich ihn, ich warte hier draußen. Und der kleine Junge kam mit einem Feuerzeug wieder raus und wir sind in das Gebüsch hinter dem Parkplatz, da war keiner, und dann habe ich den kleinen Jungen versucht anzuzünden an verschiedenen Stellen, im Gesicht und an der Hose, seine Jacke hat gekokelt, die war aus Plastik, das stinkt und brennt in der Nase, der kleine Junge hat nicht richtig gebrannt, nur die Haare, da hat der kleine Junge nochmal geschrieen und so mit den Armen gerudert und ich habe seinen Kopf gegen den Baum geknallt, weil ich hatte ja gesagt, dass ich ihm die Zunge abmache, aber ich hatte gar kein Messer, und der kleine Junge hat geblutet, so richtig, an der Stirn.

Ich werde es morgen sagen auf der Weihnachtsfeier, das, was noch keiner weiß. Dann kooperiere ich, wenn keiner damit rechnet. Jeder muss ein Gedicht aufsagen morgen, dafür haben alle extra eins gelernt, wochenlang, Von drauß, vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr und dafür kriegt man ein Geschenk, wenn man es ganz aufsagt. Ich wette, das ist ein Scheißgeschenk, in Haus Hirte Heim für gestörte Kinder gibt es immer Scheißgeschenke. Da kann ich drauf verzichten, das Scheißgeschenk können sie behalten, mal ehrlich, da mache ich lieber einen guten Witz und erzähle, was noch keiner weiß und nicht das dumme Gedicht, wenn schon mal alle zuhören. Einmal haben wir den ganzen Tag draußen im Garten den Rasen gemäht und alles in Säcke gestopft und die Beete umgegraben, weil wir dann ein Geschenk gekriegt haben, einen gelben Hüpfball, vielen Dank. Was macht man mit einem Hüpfball, ich war der einzige, der was damit gemacht hat, Bastelschere reingesteckt, und nicht mal das hat richtig Spaß gemacht, hat nicht geknallt, ist nur die Luft so rausgeschnauft und ich musste ins Wutzimmer, das ist ein eckiger Raum, ganz leer, mit Matten auf dem Boden, da kommt man rein, wenn man nicht aussteigen kann aus der Wutsituation.

Weil, ich hatte schon die ganze Zeit überlegt, was ich noch machen will, weil vielleicht geht das nicht nochmal, man muss es gleich machen, was man will, weil was man gemacht hat, das kann einem dann keiner mehr wegnehmen. Und ich wollte mal sehen, ob der kleine Junge auch einen Pimmel hat und er musste seine Hose ausziehen, dann hab ich den in den Mund genommen. Sonst nichts. Ich hab dem kleinen Jungen gesagt, dass er sich anziehen soll und seinen Mund halten soll und keinem was sagen, sonst bring ich seine Mutter um, weil ich weiß, wo er wohnt. Das stimmte gar nicht, ich hab ihn ja einfach so getroffen, ich hab ihn ja noch nie gesehen sonst, und er soll sich verpissen, ich will ihn nicht mehr sehen, "du hast verspielt bei mir, das Küken kräht nicht lauter als der Hahn, hau ab, du Wasserkopf, sonst töte ich dich", hab ich gesagt und der hatte Angst wie ein echter Schwachpisser, logischerweise, ich kann Schwachpisser ja nicht leiden, deshalb hab ich ihn noch in die Brust getreten, "Heulsuse", hab ich gesagt. Ich war viel stärker als der kleine Junge, Frau Heinsohn findet das feige, das hat sie gesagt, als wir im Sprechzimmer geredet haben, feige, wie ein Schwächling, also Schwachpisser, meint Frau Heinsohn. Man ist so lange stärker, bis man schwächer ist.

Und das habe ich erzählt, das wusste keiner, noch nicht, das hat der kleine Junge niemandem erzählt, weil er Angst hatte, dass ich seine Mutter wirklich töte, dass ich seinen Pimmel in den Mund genommen habe. Und alle haben geguckt wie leere Schubladen hier in Haus Hirte Heim für gestörte Kinder. Das war unsere Weihnachtsfeier. Frau Heinsohn hat gesagt, wer nochmal aufsagt, der kriegt das Geschenk zweimal und Adam durfte nochmal, ...nun sprecht, wie ich's hier innen find, sinds gute Kind, sinds böse Kind, dann Geschenke, für alle eins, für Adam zwei und für mich keins, aber drauf geschissen, es gab Schokoladenweihnachtsmann und Schokoladenkugeln, manche mit Ekelfüllung, die hab ich von allen geschenkt bekommen, sogar von Adam und Torben, weil ich so ne coole Geschichte erzählt hab. "Barmherzig", hat Frau Heinsohn gesagt, sie meinte die anderen, dass sie mir was abgeben von der Schokolade, dabei hab ich nur die mit Eierpunsch und Mint gekriegt, die wären eh im Müll gelandet. Es sollte ein Witz sein, glaube ich, Frau Heinsohn hat so geguckt, wie wenn sie einen Witz macht, aber Herr Kornberger hat nicht gelacht, der hat nur mit den Augen geklimpert und was in seiner Jackentasche gesucht und nichts gefunden, nur ein altes Taschentuch, ich glaube, Herr Kornberger hat keinen Humor mit Frau Heinsohn, ich glaube, der hat nur Scheißwitze auf Lager, so wird das nichts. Also habe ich gelacht und gesagt: "Pimmellutschen", so, jetzt ist es raus, man hat so lange ein Geheimnis, bis man es verrät.

Der Erzählband "Gestern war auch schon ein Tag" von Finn-Ole Heinrich erscheint am 1. Oktober im Mairisch Verlag und kostet 16,90 Euro.

 
Leser-Kommentare
  1. Reißt mich allerdings auch nicht vom Hocker, vor allem, weil ich aufgrund der Schachtelsätze mehrmals und sehr sorgfältig lesen mußte, was mich mir angesichts des Inhalts lieber erspart hätte.

  2. Vom Stil her "der kleine Nick" von sempé, übertragen auf heutige & deutsche Verhältnisse. Aber warum nicht. Die ideale Perspektive,auf Widersprüchlichkeiten und Lächerlichkeiten aufmerksamzu machen. Nett geschrieben- und doch ein bißchen traurig, weil es zeigt, wie begrenzt die Einflußnahme der Sozpäds in ihrem Bereich oft ist. "Du, ich finde, die Gefühle solltest du jetzt echt zulassen-" hilft eben doch nicht immer weiter.

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