Finn-Ole Heinrich Machst du bitte mit, Henning?Seite 3/3
Und das habe ich erzählt, das wusste keiner, noch nicht, das hat der kleine Junge niemandem erzählt, weil er Angst hatte, dass ich seine Mutter wirklich töte, dass ich seinen Pimmel in den Mund genommen habe. Und alle haben geguckt wie leere Schubladen hier in Haus Hirte Heim für gestörte Kinder. Das war unsere Weihnachtsfeier. Frau Heinsohn hat gesagt, wer nochmal aufsagt, der kriegt das Geschenk zweimal und Adam durfte nochmal, ...nun sprecht, wie ich's hier innen find, sinds gute Kind, sinds böse Kind, dann Geschenke, für alle eins, für Adam zwei und für mich keins, aber drauf geschissen, es gab Schokoladenweihnachtsmann und Schokoladenkugeln, manche mit Ekelfüllung, die hab ich von allen geschenkt bekommen, sogar von Adam und Torben, weil ich so ne coole Geschichte erzählt hab. "Barmherzig", hat Frau Heinsohn gesagt, sie meinte die anderen, dass sie mir was abgeben von der Schokolade, dabei hab ich nur die mit Eierpunsch und Mint gekriegt, die wären eh im Müll gelandet. Es sollte ein Witz sein, glaube ich, Frau Heinsohn hat so geguckt, wie wenn sie einen Witz macht, aber Herr Kornberger hat nicht gelacht, der hat nur mit den Augen geklimpert und was in seiner Jackentasche gesucht und nichts gefunden, nur ein altes Taschentuch, ich glaube, Herr Kornberger hat keinen Humor mit Frau Heinsohn, ich glaube, der hat nur Scheißwitze auf Lager, so wird das nichts. Also habe ich gelacht und gesagt: "Pimmellutschen", so, jetzt ist es raus, man hat so lange ein Geheimnis, bis man es verrät.
Der Erzählband "Gestern war auch schon ein Tag" von Finn-Ole Heinrich erscheint am 1. Oktober im Mairisch Verlag und kostet 16,90 Euro.
- Datum 24.09.2009 - 14:16 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Reißt mich allerdings auch nicht vom Hocker, vor allem, weil ich aufgrund der Schachtelsätze mehrmals und sehr sorgfältig lesen mußte, was mich mir angesichts des Inhalts lieber erspart hätte.
Vom Stil her "der kleine Nick" von sempé, übertragen auf heutige & deutsche Verhältnisse. Aber warum nicht. Die ideale Perspektive,auf Widersprüchlichkeiten und Lächerlichkeiten aufmerksamzu machen. Nett geschrieben- und doch ein bißchen traurig, weil es zeigt, wie begrenzt die Einflußnahme der Sozpäds in ihrem Bereich oft ist. "Du, ich finde, die Gefühle solltest du jetzt echt zulassen-" hilft eben doch nicht immer weiter.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren