Schriftsteller Buchmesse als opportunistisch kritisiert

Der Streit um die Einladungspolitik der Frankfurter Buchmesse eskaliert. Auf chinesischen Druck waren zwei Schriftsteller von einer Veranstaltung ausgeladen worden.

Auf Wunsch Pekings hatte die Frankfurter Buchmesse zwei chinesische Schriftsteller von einem Symposium ausgeladen. Die als Umweltaktivistin geltende Schriftstellerin Dai Qing sowie der in den USA lebende Autor und Verleger Bei Ling sollen nicht an dem am Wochenende in Frankfurt stattfindenden Symposium teilnehmen. Die Veranstaltung trägt den Titel "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit".

Die Frankfurter Buchmesse hat den Ausschluss verteidigt. Beide Schriftsteller waren laut Buchmesse nicht als Redner vorgesehen, sondern als Gäste. Jetzt sollen sie stattdessen zur Buchmesse im Oktober kommen.

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Der FDP-Kulturpolitikers im Bundestag, Hans-Joachim Otto, sagte, die Ausladung müsse sofort zurückgenommen werden. "Dieser Opportunismus gegenüber den Machthabern in der Volksrepublik China ist ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen der Messe. Die Kritiker müssen zu Wort kommen", betonte er am Donnerstag in einer Presseerklärung. "Die Frankfurter Buchmesse, auf der unter anderem der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels vergeben wird, verträgt sich nicht mit Zensur", betonte er.

Der Direktor der Messe, Juergen Boos, wies Vorwürfe, die Buchmesse unterwerfe sich beim Symposium der chinesischen Zensur, am Donnerstag vor Journalisten zurück. Die Meinungsfreiheit stehe für die Buchmesse an erster Stelle. Auf der Messe im Oktober könnten alle Autoren zu Wort kommen. "Die Frankfurter Buchmesse ist inhaltlich nicht kontrollierbar", sagte er.

Bei dem Symposium handele es sich aber um eine gemeinsam mit dem chinesischen Partner vorbereitete Tagung, sagte Boos. "Deshalb müssen wir manchen Kompromiss eingehen." China ist Ehrengast der weltgrößten Bücherschau vom 14. bis 18. Oktober. Bei dem hochrangig besetzten Symposium am Wochenende geht es um die Rolle Chinas in der Welt. Man müsse auf so einer Tagung mit den Chinesen reden und "nicht über sie."

Projektleiter Peter Ripken sagte in Frankfurt, das Symposium sei nicht als Tagung mit "Dissidenten und Sinologen" gedacht, sondern es gehe um den "Dialog" mit China mit Wissenschaftlern und auch Diplomaten. Er habe ursprünglich mal über eine Teilnahme von Bei Ling nachgedacht, ihm dann aber vor mehreren Wochen bereits mitgeteilt, dass dies nicht gehe.

Der in den USA lebende Bei Ling reagierte überrascht auf seine Ausladung. Er sei erst vor einer Woche gebeten worden, seinen Beitrag über Zensur und Selbstzensur vorzubereiten.

Der Projektleiter habe ihn bei einem Anruf am Vortag ausführlich über die "sehr schwierige Lage" informiert. Die Offiziellen aus China und selbst der bekannte chinesische Schriftsteller Mo Yan wollten nicht in einem Raum mit ihm sein, zitierte er Ripken.

Der exilchinesische Schriftsteller habe sich aber trotz der Ausladung entschieden, nach Frankfurt zu reisen. Das teilte er am Donnerstag mit. "Es ist die richtige Entscheidung."

Auch die Schriftstellerin Dai Qing will nun doch zum Symposium kommen. Die Journalistin reist auf eine spontane Einladung der deutschen Schriftstellervereinigung PEN an diesem Freitag nach Frankfurt. Die 68-Jährige hat von der deutschen Botschaft in Peking bereits ein Visum erhalten.

In welcher Form die Autorin an dem Symposium teilnehmen wird, blieb offen. "Wenn die Organisatoren glauben, ich eigne mich nicht als Vortragende, nehme ich aktiv in den Diskussionen teil und stelle meine Fragen." Mit ihrer "kleinen Aktion" wolle sie ihrer Regierung beibringen, nicht willkürlich zuhandeln, sagte Dai Qing.

Das Auswärtige Amt in Berlin begrüßte die Vergabe des Visums durch die Botschaft in Peking. "Wir freuen uns, dass Dai Qing an dem Treffen teilnehmen kann", sagte eine Sprecherin.

Ripken sprach von einer "neuen Entwicklung", zu der er zunächst nichts sagen könne. Dai Qing hatte am Vortag nach seinen Angaben auf eine Teilnahme am Symposium verzichtet, um die Tagung insgesamt nicht zu gefährden. "Wenn sie kommt, dann kommt sie", sagte Ripken. Man kenne aber noch nicht die Reaktion des chinesischen Partners.

Der Generalsekretärs der Schriftstellervereinigung PEN, Herbert Wiesner, sagte, er hoffe, dass am Wochenende mit der offiziellen chinesischen Seite und Dai Qing ein Gespräch möglich sei. "Falls es bei dem Symposium zu einem Exodus der Offiziellen kommt, ist dies ein schlechtes Vorzeichen für die Buchmesse."

Die Einladung Chinas als Gastland war nach Ansicht Wiesners "vielleicht etwas voreilig". "Möglicherweise ist China als Ehrengast der Buchmesse noch nicht reif für die Weltöffentlichkeit", sagte er. Wichtig sei es, sich von dem Land nicht "erpressen" zu lassen.   

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    "Man müsse auf so einer Tagung mit den Chinesen reden und "nicht über sie."
    Herr Bei Ling ist nach Ansicht von Herrn Projektleiter Peter Ripken anscheinend schon Amerikaner. Das ich nicht lache.
    Die degoutante Hybris, mit der die roten Barone aus dem Reich der Mitte inzwischen meinen, hier Kulturpolitik bestimmen zu können und der nicht minder ekelhafte Kniefall vor diesen bezeugt eine opportunistische Haltung die Peter Ripken als Prohjektleiter disqualifizieren. Er kann den Buchpreis ja gleich an das Zentralkommitee in Bei Jing verleihen ... wenn würde das noch wundern? fragt ... Kuni

  2. über dessen Bedeutung in der Welt man wohl nicht erst ein Symposium abhalten muss, es reicht ja schon , sich das Ein- und Ausladungs-Chaos im Vorfeld dieser Messe anzuschauen.

    Nur: Warum überhaupt China ? Das es dort zu massiver Einflussnahme seitens des "Gastes" kommen würde und so manche personelle Grat-Wanderung zu bestehen wäre, war doch für jeden abzusehen !?

    Oder andersrum: Was fürchtet man an einem vergrätzten China ? Keine billigen Handys oder Flachbild-Fernseher mehr ??? Extra viele Schadstoffe in den Farben von Kindersielzeugen ? Gar Krieg ???

    Meiner Meinung nach sollte man keine Gelegenheit ungenutzt lassen, die Furcht des "Tigers" vor offen geführten Diskussionen publik zu machen, offen darzulegen, wie angreifbar er eigentlich ist, so aber macht die Buchmesse eher den Anschein einer Wirtschaftstagung, bei der über diverse fragliche Aspekte wie Meinungs-Freiheit, Menschenrechte etc. hinweggegangen wird um einen potentiellen Geschäfts-Abschluss nicht zu gefährden !

    Das ist einfach nur armselig aber reiht sich nahtlos ein in eine Folge von Entscheidungen China betreffend, die genauso opportunistisch waren!

    Respekt werden wir dafür von den Chinesen jedenfalls nicht erwarten dürfen!

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    Was fürchtet man an einem vergrätzten China ? Keine billigen Handys oder Flachbild-Fernseher mehr ??? Extra viele Schadstoffe in den Farben von Kindersielzeugen ? Gar Krieg ???

    Ja, wa fürchtet man? Aber diese Frage ist gar nicht gegenwärtig. Gegenwärtig ist die Frage, wie Menschen, die sich hier um die Menchenrechte sorgen, strukturellen Mördern die Füße küssen ... welch eine eniedrigende, widerwärtige aber auch bezeichnende Vorstellung. Was für ein unendliches intellektuelles Elend vernebelt unser Land? fragt ....
    Kuni

    Was fürchtet man an einem vergrätzten China ? Keine billigen Handys oder Flachbild-Fernseher mehr ??? Extra viele Schadstoffe in den Farben von Kindersielzeugen ? Gar Krieg ???

    Ja, wa fürchtet man? Aber diese Frage ist gar nicht gegenwärtig. Gegenwärtig ist die Frage, wie Menschen, die sich hier um die Menchenrechte sorgen, strukturellen Mördern die Füße küssen ... welch eine eniedrigende, widerwärtige aber auch bezeichnende Vorstellung. Was für ein unendliches intellektuelles Elend vernebelt unser Land? fragt ....
    Kuni

  3. Was fürchtet man an einem vergrätzten China ? Keine billigen Handys oder Flachbild-Fernseher mehr ??? Extra viele Schadstoffe in den Farben von Kindersielzeugen ? Gar Krieg ???

    Ja, wa fürchtet man? Aber diese Frage ist gar nicht gegenwärtig. Gegenwärtig ist die Frage, wie Menschen, die sich hier um die Menchenrechte sorgen, strukturellen Mördern die Füße küssen ... welch eine eniedrigende, widerwärtige aber auch bezeichnende Vorstellung. Was für ein unendliches intellektuelles Elend vernebelt unser Land? fragt ....
    Kuni

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