Über den LUCHS: Das ganz besondere Kinder- und Jugendbuch
Ein LUCHS-Buch ist "zärtlich, subversiv, phantastisch, anarchisch und wunderbar giftig“ (Ute Blaich, Journalistin, Begründerin des LUCHS)
Auszug aus "Je bucher das Buch..", Ute Blaich, DIE ZEIT, 3. Oktober 1986:
Postman sagte uns die galoppierende Verblödung, den Verfall der Lesekultur und das Verschwinden der Kindheit voraus. Opfer: die Kinder. Täter: die elektronischen Medien. Zerrüttung durch einen gigantischen Amüsierbetrieb; Wettlauf zwischen "Bildung" und Katastrophe. Die Medien – so Postmans Theorie – exorzieren gründlich Phantasie, Wissensdurst, soziale Tugenden, verwandeln Kultur in ein allgegenwärtiges Las Vegas.
Buchverleger, Kritiker, Autoren haben auf diese graue Vision, auf die Prophezeiung des totalen Analphabetismus unterschiedlich reagiert: verstört, larmoyant, resigniert oder gelassen. Verleger Haffmans kontert selbstbewußt: "Je bucher das Buch, desto weniger kann es in eine andere Form umgegossen und dadurch überflüssig werden."
Statt verkrampfter Medienkonkurrenz also Allianzen? Wir sind ein solches Bündnis eingegangen: DIE ZEIT und Radio Bremen stellen ab Oktober 1986 alle vier Wochen ein Buch vor, das aus dem Gros der Neuerscheinungen herausfällt. Geschrieben gegen schicke Trends, Booms, Klischees, gegen Bestsellerspekulationen und die Konformität des nur unverbindlich "Netten". Keine Allzweckliteratur, kein Gefühlsschrott, keine bequeme Konsumiervorlage zum Weiterdösen. Dass Kinder und Jugendliteratur nicht mit Katzentischlektüre verwechselt werden darf, hat sich herumgesprochen.
Wer Gullivers Reisen, Alice im Wunderland, Higgelti Piggelti Pop nicht nur gelesen, sondern auch verstanden hat, wer die Geschichten von Nöstlinger oder Dahl kennt, weiß, wie zärtlich, subversiv, phantastisch, anarchisch und wunderbar giftig Kinderliteratur sein kann. (...)
Wir suchen Anstiftungen zum Denken.
Unter den unterschiedlichen Gattungen (Sachbuch, Bilderbuch, erzählendes Kinderbuch, Rara, Reprints) beginnen wir mit einem sogenannten Jugendbuch. Daß diese Bezeichnung geläufig, gleichwohl mißverständlich ist, wissen wir. Leser ab dreizehn sind keine Kinder mehr. Und Literatur unterscheidet sich dann nur noch nach Qualität, nicht nach irgendwelchen (pädagogisch formulierten) "Zielgruppen". (...)





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