Bestseller Dan Brown und das Geheimnis der 43.000 PKW

Freimaurer sind da, wo Säulen stehen: Das Phänomen Dan Brown und sein neuer Roman "The Lost Symbol". Von Andrea Hünniger

Ganz oben tickt die Uhr, die Zeit läuft rückwärts. Noch fünf Tage und zehn Stunden müssen die deutschen Leser und Hörbuchhörer warten. Dann werden die Nachrichtenagenturen berichten, dass "auch die deutschen Leser" die Ladentüren einrennen. Die Marketingabteilung wird eine Pressemitteilung verfassen, dass der "Kunde" das "Produkt annimmt". Die Zeitungen werden vom "Ansturm" schreiben, und der Lübbe-Verlag wird die Erstauflage von 1,2 Millionen sicher in den Taschen des Publikums finden.

In fünf Tagen erscheint die deutsche Übersetzung des neuen Romans von Dan Brown The Lost Symbol, das sich bereits im englischen Original seit drei Wochen in der Bestsellerliste des Spiegel festkrallt. In den USA, Kanada und Großbritannien wurde das Buch innerhalb von 24 Stunden mehr als eine Million Mal verkauft. Jedes Buch dieses Autors ist ein Nummer-eins-Hit. Allein das Vorgängerwerk Sakrileg gelangte wenige Tage nach Erscheinen 2003 auf den ersten Platz der Bestsellerlister der New York Times und blieb zwei Jahre ohne Unterbrechung dort. Es wurde in 44 Sprachen übersetzt und verkaufte sich rund 50 Millionen Mal.

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Schon deshalb wird der deutsche Verlag nun ein wenig nervös geworden sein.

Die englische Version schöpfe vermutlich schon potenzielle Käufer ab, befürchtet man. Darum hat sich der Lübbe-Verlag ein Blog ausgedacht, der neben der Zeitansage auch täglich die wartenden Dan-Brown-Fans mit Kommentaren und Videoblogs von Experten, Verlagsmitarbeitern, Marketingpersonal und sensationellen Rekordzahlen versorgt: Allein 787.000 Bücher und 68.000 Hörbücher seien bereits vorbestellt. Man staune: "Alle deutschsprachigen, bisher aufgelegten Titel aufeinander gestapelt sind 700.000 Meter hoch und damit 855 mal so hoch wie das höchste Gebäude der Welt, das Burj Dubai mit 818 Metern." Und wie steht’s um die Bodenhaftung? "Die weltweite Gesamtauflage von 81 Millionen Exemplaren von Sakrileg entspricht zusammen dem Gewicht von 43.000 durchschnittlichen PKW." Harry Potter wäre wohl gleichauf, Rosamunde Pilcher nicht einmal bei der Hälfte.

Täglich berichtet Vertriebspersonal, man "liege in der Zeit". Produktionsleiter loben die "außergewöhnliche" Schnelligkeit und "Produktionsmenge". Ein "Hingucker": Allein die Farbe der gepressten CD suche im "Hörbuchsektor" seinesgleichen. Und natürlich berichtet die Marketingabteilung regelmäßig über "spannende" Abläufe im Verlag selbst: "Wir erhielten hochinteressante Einblicke in die unterschiedlichsten Verlagsabteilungen, vom Verleger bis zur deutschen Stimme, haben uns mit Vertriebsleuten, dem Marketing, den Übersetzern und auch echten Freimaurern getroffen (danke Marc!)", schreibt eine Dana Geissler, offenbar "Producerin der Webisodes".

Das neue Buch erzählt im Wesentlichen das Geheimnis der Freimaurerloge in Washington. Auf der Internetseite widmet sich der Historiker Henrik Eberle (Letzte Veröffentlichung: Briefe an Hitler) wissenschaftlichen Fakten des Romans. Er erläutert nicht nur alle möglichen Symbole und Hintergründe zum Buch – er klärt vor allem auf: "Der Tempel in der 16th Street, das Jefferson Monument, das Capitol und zahllose andere Bauten in Washington haben eines gemeinsam: Säulen." Daran führt er mit einem Zitat von Asterix Beweis: Freimaurer sind vor allem dort, wo Säulen stehen. Das Tamtam läge die Idee nahe, Dan Brown sei selbst nur eine Erfindung einer Marketingabteilung. Dan Brown – das klingt fast schon nach Pseudonym. Oder ist da wirklich noch ein Mensch hinter zu groß geratenem Namen? Dan Brown – das klingt auch wie Hugo Boss oder Mercedes-Benz.

Leser-Kommentare
    • D.G.
    • 08.10.2009 um 18:40 Uhr

    Hallo Andrea Hünniger!

    Bin gerade auf Ihren Artikel über "Das verlorene Symbol" gestoßen, und ein wenig über Ihr flapsiges " eine Dana Geissler...offenbar Producerin" gestolpert, zumal Sie mich eine Zeile zuvor mit Doppelpunkt als Berichterstatterin des Marketings zitieren, was so nicht richtig ist.
    Um ein wenig Licht in das Dunkel um meine Person zu bringen:
    ich bin freie Schauspielerin, produziere seit Jahren TV - und Videoformate, und spreche mit Begeisterung Hörbücher für diverse Hörbuchverlage. Für Lübbe Audio ganz besonders viele. (zumeist Historisches... befürchte, nicht ganz Ihr Fall))
    Mir hat es grossen Spass gemacht, in die verschiedensten Abteilungen reinzuschauen, diesen echt sympathischen Verlag (ein Familienunternehmen!) vorzustellen, und mitzuerleben, wie die deutsche Buchfassung entsteht...
    auch mal jenseits von Marketing.
    Hoffentlich gefällt es dem einen oder anderen Dan Brown- Fan auch.

    Liebe Grüße
    Dana Geissler

  1. Ich habe das Buch bereits gelesen und es ist mies. Die Geschichte war langweilig, die Charaktere schlecht gezeichnet, die Gespräche peinlich zu lesen.

    Da war das Sakrileg interessanter.

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    Antwort auf "Brown Hype"
  3. Wer sich von der obengenannte Kritik an dem neuen Dan Brown Roman überzeugen möchte, der kann eine (gratis!) Lesung auf Video von dem letzten Kapitel "The Lost symbol" anhören:auf dem Dan Brown Blog von buecher.de . Dort kann man dann auch gleich abstimmen, ob man das Ende wissen möchte: die Mehrheit entscheide und man kann man sich damit eventuell den Kauf des neuen Romans ersparen"....

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