Literatur-Nobelpreis Sie kann nicht vergessenSeite 4/4
In Wirklichkeit war der Dichterin nur das schöne weiche Worte gefolgt, das sich seine angestammte Bedeutung gesucht hat, um schließlich jene märchenhafte Idee zu bestätigen, dass selbst die Obstbäume aus der ländlichen Enge und Kontrolle eines furchtbaren Landes geflohen sind.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrer Emigration aus Rumänien will und kann Herta Müller ihre Erfahrungen von Angst und tyrannischem Sozialismus nicht vergessen. Sie könnte sie vielleicht überwinden, wollten ihre die rumänischen Behörden endlich alle die Akten ihrer Überwachung und Bedrängung vorlegen, ohne sie vorher manipuliert und um ungezählte raschelnde Seiten der Bespitzelung und des Verrats "bereinigt" zu haben.
Seltsam und liebenswürdig ist diese Autorin, die im literarischen Leben Berlins bisweilen mit verschmitztem Lachen anzutreffen ist, doch in ihren Büchern verschlägt es dem Leser das Lachen. Hier schreibt jemand, der an die Gerechtigkeit glaubt und der jeden Satz zum Zeugen dafür aufrufen möchte, wie es wirklich war in dem Land, in dem an jeder Straßenecke die täglichen Lügen aus den Staatslautsprechern bellten. In ihrer Wahrheit holen die Texte Herta Müllers die Gemeinheiten, die Menschen einander zugefügt haben und weiterhin zufügen, in die Gegenwart zurück. Das Geheimnis ihrer Arbeit liegt in dem Rätsel beschlossen, dass ihre Bücher schön sind, wenngleich ihr Ernst noch schwerer wiegt als die Schönheit ihrer Wörter.
In ihrem jüngsten Roman unter dem Titel Atemschaukel verfolgt Herta Müller die fünfjährige Gefangenschaft des Poeten Oskar Pastior. Er gehörte zu den 17- bis 45-jährigen Rumäniendeutschen, die im Januar 1945 in sowjetische Arbeitslager verschleppt wurden, weil sich das faschistisch regierte Rumänien Hitlers Feldzügen angeschlossen hatte. Es ist die sachgebannte Genauigkeit, mit der Herta Müllers poetische zugleich aber buchhalterisch präzise Aufzählung der kleinsten Habseligkeiten von Pastiors Lagerleben die beklemmende Lektüre auf paradoxe Weise erträglich und überzeugend macht. Das liegt an der bildersatten Sprache. Sie ist inspiriert von Pastiors Poetik, aber auch von der seltsamen Fertigkeit Herta Müllers, das Lager-Elend in schönster, zuweilen absonderlicher Prosa widerzuspiegeln. Wer ihr diese Kunst vorwirft, wird dem Mikroskop jede Berechtigung absprechen müssen, die giftige Wahrheiten einer Infektion zu offenbaren. Herta Müllers Sprache ist das Mikroskop, das die Wahrheiten politischer Diktaturen sichtbar macht für jeden, der lesen kann. Heinrich Heine hätte sie erkannt als Geist von seinem Geiste.
Michael Naumann war von 1985 bis 1998 Herta Müllers Verleger im Rowohlt Verlag beziehungsweise im Verlag Metropolitan Books in New York. Er ist Herausgeber der ZEIT. Dieser Text entspricht leicht gekürzt seinem Vortrag anlässlich der Verleihung des Heinrich-Heine-Preises an Herta Müller vom 27. September 2009 in Düsseldorf.
- Datum 09.10.2009 - 08:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ja und die traurige Wirklichkeit:
Securitate hat sich im EU-Land Rumänien häuslich eingerichtet.
Und bei uns wählen 12% die LINKE!
dass wenigstens eine Herta aus Berlin mal wieder was gewinnt. Sorry, der musste raus.
Der Glückwunsch ist aber ernst gemeint.
Die Schwedische Akademie hat heute Herta Müller als "deutsche Schriftstellerin" ausgezeichnet, http://www4.svenskaakadem.... Da ist die Außensicht schon weiter als die Innensicht, denn das deutsche Feuilleton redet ja gerne von türkischstämmig, rumäniendeutsch, afrikanisch (!), auch wenn die so mit ethnischen Labeln beklebten Autoren und Autorinnen wichtiger Teil der deutschsprachigen Literaturwelt sind. Und das meine ich jetzt nicht deutschtümelnd. Ich freue mich sehr, dass Herta Müller ausgezeichnet wurde. Ihre Texte sind so dicht, so poetisch, so beklemmend, eine reiche, starke, kraftvolle Sprache. Herzlichen Glückwunsch!
daß vor einigen Wochen hier jemand meinte, nur jemand mit mindestens guten Deutschkenntnissen solle hier überhaupt mitmachen dürfen.
Gott sei Dank sind die Anpsrüche bei der Vergabe des Literaturnobelpreises an eine Deutsche Schrifstellerin nicht ganz so hoch gesteckt.
mal wieder eine dieser Pseudo-Baustellen, mit denen das Geld der Steuerzahler in den Wind geschossen wird.
10km Stau.
Davor elektronische Tafeln mit der Aufschrift "Stau wegen Überlastung".
Wer hat was für diese Auswahl bezahlt?
"In den Städten wurden, wenn Ceausescu kam, im Spätsommer die ersten gelben Blätter der Linden mit grüner Farbe gespritzt."
Wer sich an die Hauswandbemalungen der Protokollstrecke zwischen dem Berliner Staatsratsgebäude und Wandlitz erinnert, wird hinter dem Anekdotischen von Herta Müllers Beobachtung sofort das Wesen des Totalitarismus erkennen: Die umfassende, terroristische Aneignung der Welt und von allem, was in ihr lebt und der Kontrolle unterworfen werfen kann.
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Bei uns heißt das - korrekt mittelalterlich - Bannmeile um das Regierungsviertel. Dem deutschen Volke!
Heute haben sie die letzten Deutschen evakuiert. Nach dem atomaren Holocaust sind 70 Prozent der Fläche der ehemaligen BRD nicht mehr bewohnbar. Alles Geld der Welt, Alle Euros, Alle DM die es noch gab konnten daran nichts ändern. Ein extremistisches, kapitalistisches System zwischen 2009 und 2029 hat aus egoistischen Gründen sämtliche Ratschläge und Warnungen der Atomkraftgegner ignoriert und immer mehr Atommüll produziert. ........
So ungefähr könnten die ersten Sätze lauten, mit denen der Schriftsteller Holger Schmidt sein Buch begonnen hatte, wofür er den Nobelpreis 2089 erhielt. Er konnte sich nicht wirklich darüber freuen.....
Nichtwissenschaftler lesen wieder aus ihren Märchenbüchern a là "Ideologische Kampflektüre" schöne Nachtgeschichten. Wunderbar.
Nichtwissenschaftler lesen wieder aus ihren Märchenbüchern a là "Ideologische Kampflektüre" schöne Nachtgeschichten. Wunderbar.
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