Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an die deutsche Schriftstellerin Herta Müller. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Die 56 Jahre alte Autorin zeichne "mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit", erklärte die Akademie.

Herta Müller ist in Rumänien geboren und verarbeitet in ihren Werken ihre Erlebnisse von Fremdheit und politischer Verfolgung. Ihr Œuvre zeugt von schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Ceausescu-Regime und den Erfahrungen der deutschen Minderheit in dem Land. Erst 1987 beantragte Herta Müller zusammen mit ihrem damaligen Mann Richard Wagner die Ausreise aus Rumänien. Sie lebt heute in Berlin.

Zuletzt erschien ihr Roman Atemschaukel  im Hanser Verlag. Er erzählt von einem 17-jährigen Deutschen, der im Zweiten Weltkrieg von
Russen aus Rumänien zur Zwangsarbeit in die damalige Sowjetunion deportiert wird. Müller verarbeitet darin die Erfahrungen des Dichters Oskar Pastior.

Atemschaukel steht auch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis, der in der kommenden Woche auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird. Der Alltag in einem totalitären System ist Thema ihres Romans Der Fuchs war damals schon der Jäger (1992). Herztier (1994) beschreibt das Leben der Oppositionellen in Rumänien. 

Müller erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kleist-Preis, den Joseph-Breitbach-Preis, den Würth-Preis für Europäische Literatur und 2006 den Walter-Hasenclever-Literaturpreis. Seit 1995 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Sie ist die zwölfte Frau, die einen Literatur-Nobelpreis erhalten hat. Mit ihr wurde zum 13. Mal ein Vertreter der deutschsprachigen Literatur gewürdigt. Günter Grass bekam den Preis vor zehn Jahren, die Österreicherin Elfriede Jelinek im Jahr 2004. Genau vor 100 Jahren wurde Selma Lagerlöf als erste Frau überhaupt mit dem Preis ausgezeichnet. Zu den bisherigen Trägerinnen gehören unter anderem die Österreicherin Elfriede Jelinek, Toni Morrison, Nadine Gordimer und Pearl S. Buck. Im vergangenen Jahr hatte der Franzose Jean-Marie Gustave Le Clézio den Preis bekommen.

Der Nobelpreis wird am 10. Dezember in Stockholm vergeben, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Die Auszeichnung aus der Stiftung von Nobel ist mit umgerechnet rund einer Million Euro dotiert. Die Urkunde überreicht König Carl XVI. Gustaf in Schwedens Hauptstadt.

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