Zehn Jahre nach dem Nobelpreis für Günter Grass geht die Auszeichnung wieder nach Deutschland. Die Schriftstellerin Herta Müller wurde von der Schwedischen Akademie in Stockholm mit der höchsten Auszeichnung der literarischen Welt gewürdigt.

"Ich bin überrascht und kann es noch immer nicht glauben, mehr kann ich im Moment nicht dazu sagen", sagte Müller. Sie habe auf den Anruf aus Stockholm zuerst nur mit einem "herrlichen Lachen" reagiert, sagte der Chef der Nobelpreis-Jury, Peter Englund. "Ihr fehlten ganz einfach die Worte. Aber sie versprach, dass sie bis zur Verleihung in Stockholm am 10. Dezember die Sprache wiedergefunden hat."

In Deutschland wurde die Entscheidung der Nobelpreisjury begeistert aufgenommen. "Sie ist eine der größten Stimmen, die wir haben. Kräftig und fein", sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte der 56-jährigen Schriftstellerin von "ganzem Herzen". Müller schreibe "hervorragende Literatur, gespeist aus einer Lebenserfahrung, die von Diktatur, Unterdrückung, von Ängsten, aber auch von unglaublichem Mut spricht", sagte Merkel. Gerade jetzt, 20 Jahre nach dem Mauerfall sei der Preis ein wunderbares Signal. "Wir freuen uns, dass Herta Müller in Deutschland eine Heimat gefunden hat."

Bundespräsident Horst Köhler würdigte Müller als eine Autorin, die immer wieder "gegen das Vergessen angeschrieben und so an den hohen Wert der Freiheit erinnert" habe. "Deswegen ist es für mich eine besonders glückliche Fügung, dass Sie die höchste Auszeichnung, die ein Schriftsteller bekommen kann, gerade in diesem Jahr erhalten hat, in dem wir an das Ende der Diktaturen in Osteuropa vor zwanzig Jahren erinnern", betonte Köhler.

 

Müllers Verleger im Hanser Verlag, Michael Krüger, sagte zur Auszeichnung: "Ihre hochliterarische Trauerarbeit ist ein eindrückliches Beispiel einer engagierten europäischen Literatur, die mit analytischer Schärfe und poetischer Genauigkeit unsere Geschichte zur Gegenwart macht."