China auf der Buchmesse Der große Knall bleibt ausSeite 2/2
"Diese Ereignisse", sagt Ma Jian, "sind aus dem kollektiven Gedächtnis meines Landes gestrichen worden. Die Erinnerung wird ausgelöscht. Mein Buch soll beweisen, dass die chinesische Regierung lügt." Und Spengler berichtete von einer Begegnung mit einem chinesischen Studenten in Peking vor wenigen Wochen. Dieser erzählte, er habe erst kürzlich von den Ereignissen von 1989 erfahren. Die Bereitschaft zum Verdrängen sei offenbar groß, sagt Spengler.
Noch einmal: Was darf, was kann, was soll man erwarten von einem Auftritt wie dem der Chinesen? War der Druck von Beginn an zu groß? Ist vielleicht sogar etwas Wahres an den Klagen der chinesischen Delegation, der Westen berichte einseitig? Oder kann man gar nicht einseitig genug werden, wenn man hört, einem deutschen Journalistenkollegen wurde auf die Frage nach einem verhafteten chinesischen Schriftsteller beschieden, da möge er sich doch bitte vor Ort bei der zuständigen Polizei erkundigen? Bei der chinesischen Nacht der Gegenwartsliteratur im Frankfurter Literaturhaus, das während der gesamten Messe vom Ehrengast bespielt wurde, gab es dichte atmosphärische musikalische Klänge und Lesungen auf Chinesisch, wie sonst? Ein sonderlich großes Interesse deutscher Besucher war nicht unbedingt erkennbar.
China und der Westen, China und die Buchmesse – möglicherweise war das von Beginn an, bereits in der Planung, ein Missverständnis. Dass China als Markt wichtig und hochinteressant ist; dass der Westen auf den ökonomisch erwachenden Riesen zugehen muss, versteht sich. Dass die Buchmesse und ihr Direktor Jürgen Boos immer wieder Zugeständnisse machen mussten, dass alle Beteiligten dabei wiederholt nicht gut aussahen, ist aber vielleicht auch gar nicht das Schlechteste. Reibung erzeugt schließlich Erkenntnisse, auch wenn diese nicht immer angenehm sind.
- Datum 17.10.2009 - 15:29 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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