Der jährlich verliehene Cervantes-Preis gilt als der Literatur-Nobelpreis des spanischsprachigen Raums. Er ist mit 125.000 Euro dotiert und wird nach einem ungeschriebenen Gesetz abwechselnd an einen spanischen und einen lateinamerikanischen Autor vergeben. Der mexikanische Dichter José Emilio Pacheco (70) sei ein "außergewöhnlicher Poet des Alltagslebens", betonte die Jury. "Er besitzt die Fähigkeit, sich eine eigene Welt zu erschaffen."

Pacheco, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Poeten Lateinamerikas, war in diesem Jahr zu den Favoriten gezählt worden, nachdem im Vorjahr der Spanier Joan Marsé die Auszeichnung erhalten hatte. Auf Deutsch erschienen von ihm die Gedichte-Sammlung Rückkehr zu Sisyphos, die Erzählungen Kämpfe in der Wüste und der Roman Der Tod in der Ferne.

Der Mexikaner hat für seine poetischen Werke zahlreiche Auszeichnungen erhalten und gilt als der bedeutendste lebende Dichter seines Landes. Als Pacheco kürzlich in Madrid den Königin-Sofía-Preis für iberoamerikanische Poesie erhielt, wies er allerdings die Einstufung als bester Dichter in Mexiko mit einer humorvollen Bemerkung zurück: "Ich bin nicht einmal der beste Dichter in meinem Stadtviertel, denn in meiner Nachbarschaft wohnt Juan Gelman." Gelman ist einer der wichtigsten argentinischen Poeten. Der in Mexiko-Stadt lebende Poet hatte den Cervantes-Preis vor zwei Jahren erhalten.