Ennio Flaiano Der Tod hat ein FrauengesichtSeite 2/2

Aus diesem Handlungsgerüst hat Flaiano eine Geschichte geformt, die neben den vordergründigen Ereignissen bestimmt ist durch Züge der Bedrückung, des menschlichen Dahingeworfenseins und des prozesshaften Handelns: Circulus vitiosus unter äthiopischer Sonne – ein literarischer Schritt heraus aus der Gewohnheit des Bekannten, hinein in eine dunkle, geheimnisvoll lockende Welt der Abenteuer und der Verlorenheit.

Dem namenlosen Anti-Helden glückt schließlich die Rückkehr in die alte Welt – in die Heimat Italien. Alptraum und Irrungen scheinen gebannt, und doch: was dem Soldaten bleibt – und damit endet dieser großartige Roman – ist "jener giftige Hauch, jene unerklärliche, unheimliche und geheimnisvolle Geruch nach lange verwelkten Blumen", auf dessen Spur die Gestalt dieses namenlosen Odysseus eine Ewigkeit lang unter äthiopischer Sonne zu reisen hatte.

Ennio Flaiano ist trotz diverser Versuche, ihn hierzulande zu etablieren, noch immer wenig bekannt und weiterhin zu entdecken: ein Autor für Autoren – von einem Peter Bichsel ebenso innig verehrt wie von einer Elke Heidenreich. In seiner Heimat Italien dagegen gilt der einst traurige Spötter längst als feststehende Größe: erfolgreich, geliebt und viel gelesen. Erfolg, jene Chimäre, der Flaiano kritisch gegenüberstand wie kaum ein Zweiter. Denn wie lautete doch bereits 1947 seine illusionslos Formel: "Jeder Erfolg ist im Grunde ein Missverständnis."
 

 
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