Streit um Manuskript Kafka hätte es nicht gewolltSeite 2/2

Damit es keine Missverständnisse gibt: Zur Überprüfung von Buchausgaben, für kritische Editionen, ist es wichtig, dass vorhandene Autografen erhalten bleiben und öffentlich zugänglich sind. Solange das gesichert ist, ist es egal, in welchem Archiv sie aufbewahrt werden. Schön wäre es natürlich, wenn sie sich nicht verstreut, sondern an einem Ort befänden. Im Fall Kafka ist es dafür allerdings schon zu spät, da seine Handschriften schon in verschiedenen Archiven und Bibliotheken aufbewahrt werden. Allerdings lassen sich Autografen auch einscannen und so über das Internet für die Forschung weltweit zugänglich machen.

Die wichtigste kulturelle Leistung bleibt jedoch die Arbeit am Text. Ohne einen Leser existiert ein Buch im Grunde nicht, so, wie es ein Buch ohne ursprüngliches Manuskript nicht geben kann. Wer liest jenseits der Schullektüre heute noch Kafka? Die eigentliche Aufgabe ist es, hier Abhilfe zu schaffen, für seine Romane und Erzählungen zu begeistern, neue Ideen für Interpretationen eines Autors zu finden, der wie kein anderer die moderne zerrissene Identität in seinen Texten ausgedrückt hat. Wenn am Ende nur noch der Kult um die Handschriften bleibt und mit den Büchern niemand mehr etwas anfangen kann, dann sind wir wieder beim Reliquienkult des Mittelalters angekommen.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Die mit Kafka verlobte Dame hieß Felice Bauer.

  2. so ein echtes Proceß-Skript ist doch schon ein seltene Rarität, und dann noch vom Meister des Kreisverkehrs und des Hermetischen! http://kallewestrich.blog...

  3. 3.

    Ein kleiner Hinweis:
    Im Artikel steht, dass 1988 soundso viel DM für das Manuskript gezahlt wurden.
    Danach folgt "Heute, elf Jahre später...".
    Demnach wäre ich acht Jahre alt.
    Ich glaube, das soll nicht so sein.

  4. Einerseits werden Millionen für Nachlässe gezahlt, andererseits leben Autoren, auch wenn ihre Arbeiten zu den wenigen bedeutenden der Gegenwartsliteratur gezählt wurden, in finanziellen und psychischen Notsituationen.

    Ein Mitarbeiter des Literaturarchivs Marbach nannte Texte Geheimtipps. Trotzdem gab/gibt es keine Möglichkeit, dass respektiert eigenwillige Autoren den Nachlass zu Lebzeiten für ein Existenzminimum ans Literaturarchiv veräußern könnten.

    Jobs konnten das Existenzminimum absichern. Infolge der Jobarmut müssen eigenwillige Autoren in Hartz4 weitgehend ohne Bürgerrechte wie Recht auf Privatsphäre, Datenschutz und in tagtäglicher Angst vor Schikanen leben. Das wirkt wie Mobbing, macht krank.

    Millionen anderer Bürger müssen das auch. Im Autor herrscht Mitleid.

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