Provinz als Metapher für Heimat
Sie hätten sich auch in Wien treffen können anstatt in Hallstatt und nicht hinterm Sportplatz, sondern im Schlosspark spazieren gehen, denn um ihren Stallgeruch geht es längst nicht mehr. Die Auseinandersetzung mit Kirchgehzwang und Stammtischengstirnigkeit ist vorüber – ganz selbstverständlich hat Kaiser-Mühlecker die Provinz zum gleichberechtigten Handlungsort erhoben.
Und trotzdem bleibt sie eine Metapher für die Heimat, geliebt, gehasst, ein Leben lang prägend. Joseph geht auf den heimatlichen Magdalenaberg, um dort über seine Kindheit nachzusinnen; in Stephan Thomes Roman Grenzgang fährt Thomas zurück nach Bergenstadt, nachdem er als Wissenschaftler in Berlin gescheitert ist. In einer Zeit, in der Flexibilität und Mobilität allesbestimmend und Beziehungen flüchtig sind, kann nur noch die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln Halt geben.
Thomas findet in Bergenstadt am Ende sogar sein Glück. Es ist ein kleines Glück – das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Festgemeinde und die Liebe einer Geschiedenen. "Kein Grandhotel. Kein Traumstrand." Aber es ist real.
- Datum 27.11.2009 - 14:59 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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