Bibel Du lieber Himmel, ein Comic!Seite 2/2

Ein weiteres Verdienst des Comics ist die Ausleuchtung der Bruchstellen im Text. Die Redaktoren der Genesis haben nun einmal zwei widersprüchliche Schöpfungsberichte aneinander gereiht. Im ersten ist die Erde im Urzustand nass, im zweiten trocken. Crumb zeichnet lakonisch zuerst ein ursuppiges Meer als Hintergrund, zwei Seiten weiter rauchende Vulkankrater.

Dank solcher Illustrationen tritt die Theologie zwar nicht in eine neue Phase der Exegese ein, aber das Genre der Bibelcomics in eine neue Zeitrechnung. Endlich müssen alttestamentarische Propheten nicht mehr aussehen wie Prinz Eisenherz, wie Batman oder wie großäugige Mangageschöpfe. Geschichten, die der Bibelleser bildlich, das heißt indirekt, metaphorisch, verstehen soll, werden von Crumb zu wirklichen, sinnlich wahrnehmbaren Bildern gegossen. Das Schönste: Gott präsentiert sein erstes Menschenpaar, der Erzähler spricht: "Und schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn." Die perfekte Symmetrie des Satzes spiegelt sich in der Zeichnung. Gott steht in der Mitte, Adam zur Rechten, Eva zur Linken, sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Beide Menschen haben hier etwas Göttliches, aber Gott auch etwas Menschliches.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Un ddie erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser


 

 
Leser-Kommentare
  1. "Auf dem Cover der deutschen Ausgabe beschwört eine Mischung aus Charlton Heston und Gandalf – Gott! – das schwarze, fußballgroße Nichts zwischen seinen Händen."

    Wir sollen uns kein Bild von Gott machen! Sinngemäß ist das in der Bibel (bei Mose) zu finden. Jemand der sich damit beschäftigt hat und die Genesis zu einem Comic verarbeitet hat sollte das irgendwo mitbekommen haben.
    Wer soviel Zeit in dieses Thema steckt und am ende auf so fundamentalen Aussagen keinen Wert legt (Christ oder nicht), den geht es anscheint nur darum, Gott und alle Christen mit Ihren Glauben ins absurde zu ziehen.

    Schade, wäre das Comic ansich doch eine gute Idee!

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    • Puka
    • 10.12.2009 um 12:54 Uhr

    Sie sind wahrscheinlich Protestant? Jedenfalls gibt es im Katholischen Bereich tausende Gottesbilder. Wenn sich also selbst der Papst nicht dran stört, dürfen sie das von diesem Künstler nicht erwarten.

    Wenn wir uns tatsächlich kein Bild von Gott machen dürften, müssten wir 2000 Jahre europäische Kunstgeschichte ignorieren, die sich zu 80% mit der Darstellung der Bibel beschäftigt hat.
    Gibt es nicht schon mehr Bibel-Comics? Mich wundert es eher, dass dies eine so große Nachricht ist ...

    • Puka
    • 10.12.2009 um 12:54 Uhr

    Sie sind wahrscheinlich Protestant? Jedenfalls gibt es im Katholischen Bereich tausende Gottesbilder. Wenn sich also selbst der Papst nicht dran stört, dürfen sie das von diesem Künstler nicht erwarten.

    Wenn wir uns tatsächlich kein Bild von Gott machen dürften, müssten wir 2000 Jahre europäische Kunstgeschichte ignorieren, die sich zu 80% mit der Darstellung der Bibel beschäftigt hat.
    Gibt es nicht schon mehr Bibel-Comics? Mich wundert es eher, dass dies eine so große Nachricht ist ...

  2. "Eva gerät ziemlich drall, fruchtbar könnte man es auch nennen."
    Jedem, der mit Crumbs Werk einigermaßen vertraut ist, wird bei dieser Zeile ein Lächeln übers Gesicht gehuscht sein. Vertane Gelegenheit für den Verfasser des Artikels, ein paar Worte über R. Crumbs obsessives Fetisch-Dingens in den Text zu flechten - Schade.
    Nutze ich halt die Gelegenheit, jedermann die wirklich sensationelle Doku "Crumb" von 1995 wärmstens ans Herz zu legen. Auf DVD leider nur in Englisch...
    Kein Interesse?
    Ist aber ab 18 und drüber steht "David Lynch Presents"!
    Ahh, jetzt....

    • Puka
    • 10.12.2009 um 12:54 Uhr
    3.

    Sie sind wahrscheinlich Protestant? Jedenfalls gibt es im Katholischen Bereich tausende Gottesbilder. Wenn sich also selbst der Papst nicht dran stört, dürfen sie das von diesem Künstler nicht erwarten.

    Antwort auf "GEFAHR!"
  3. Hier der Link zu einem Minifilm, der mir zugesandt wurde.
    Das Comic hat das neue Testament zur Grundlage

  4. Hier natürlich auch noch der Link:

    www.littleshots3d.com

  5. 6.

    Wenn wir uns tatsächlich kein Bild von Gott machen dürften, müssten wir 2000 Jahre europäische Kunstgeschichte ignorieren, die sich zu 80% mit der Darstellung der Bibel beschäftigt hat.
    Gibt es nicht schon mehr Bibel-Comics? Mich wundert es eher, dass dies eine so große Nachricht ist ...

    Antwort auf "GEFAHR!"
    • zema
    • 13.01.2010 um 17:19 Uhr

    Wer sich ein Bild malt, legt aus. Jede Paraphrase ist immer eine Interpretation. Die künstlerische Mimesis ist immer Exegese und das ist die wirkliche "Gefahr" der Kraft der Bilder.
    Die legitime Auslegung hier birgt wohl nichts Neues. Ein düsterer Mann mit Bart, wir kennen das. Wieder einmal aufregend entkleidet Crumb bis zur Blöße, mehr sich selbst offenbarend als die sprachlich durchaus positive Vorlage. Allerdings wird der aufmerksame Leser in Genesis selbst keine Schwarzweißmalerei erkennen, besonders nicht moralisch. Es ist ja das Verrückte, dass ein so altes Dokument lauter solch differenzierte Antihelden hervorbringt (cf. Gen 20).

    • JGC
    • 31.01.2011 um 15:55 Uhr

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie hier das konkrete Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/lv

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