Literaturnobelpreis für Herta Müller "Unendliche Einfühlung und unsentimentaler Blick"
Sie habe politischem Terror kompromisslos widerstanden, so die Jury – Herta Müller hat den Literaturnobelpreis überreicht bekommen "für den künstlerischen Gehalt dieses Widerstands".
Die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller hat aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf den begehrtesten Literaturpreis der Welt in Empfang genommen. Damit wird zum dritten Mal in den vergangenen zehn Jahren ein deutschsprachiges Werk ausgezeichnet. 1999 erhielt ihn der bei Lübeck lebende Günter Grass, 2004 die Wienerin Elfriede Jelinek.
Bei der Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus hob der Sprecher der Jury, Anders Olsson, die Konsequenz heraus, mit der sich die seit 1987 in Berlin lebende Autorin gegen die Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur ihres Geburtslandes Rumänien gewehrt hat: "Sie haben großen Mut gehabt und provinzieller Unterdrückung und politischem Terror kompromisslos Widerstand geleistet."
Müller bekomme den Nobelpreis "für den künstlerischen Gehalt dieses Widerstands", sagte der Vertreter der Schwedischen Akademie weiter. "In ihrer Prosa findet sich eine sprachliche Energie, die uns von Beginn an mit einbezieht. Es steht etwas auf dem Spiel, bei dem es um Leben und Tod geht." In seiner Laudatio auf Müller sagte Olsson weiter: "Ihr Werk ist ein Kampf, der weitergeht und weitergehen muss, eine Form des unwiderruflichen Gegen-Exils." Er fuhr fort: "Sie haben uns Wörter gegeben, die uns unmittelbar und tief ergreifen.
Olsson ging insbesondere auf das jüngste Werk der Schriftstellerin, auf dem Roman Atemschaukel ein. Diese Arbeit sei geprägt von "unendlicher Einfühlung und dem unsentimentalem Blick" der Preisträgerin, sagte der Juror in seiner Rede. In Atemschaukel verarbeitet Müller die Erfahrungen ihres 2006 gestorbenen Landsmannes und Schriftstellerkollegen Oskar Pastior als hungernder Deportierter im Gulag der Stalin-Ära.
Die Autorin selbst ergriff entsprechend den Traditionen der Nobelpreis-Verleihungen nicht das Wort. Dafür hatte sie in ihrer Nobelvorlesung Anfang der Woche ausführlich berichtet, wie sie Anwerbungsversuchen des rumänischen Geheimdienstes Securitate widerstanden hatte und danach erbarmungslos isoliert wurde.
Zusammen mit Müller bekamen weitere elf Nobelpreisträger für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft ihre Auszeichnungen. Ungewöhnlich fiel die Zusammensetzung der zwölf gemeinsam im Halbrund platzierten Preisträger aus: Mit fünf Preisträgerinnen war der Frauenanteil so hoch wie nie zuvor seit der ersten Verleihung 1901. Herta Müller erhielt den Literaturnobelpreis als zwölfte Frau.
Wenige Stunden zuvor hatte US-Präsident Barack Obama in Oslo den Friedensnobelpreis in Empfang genommen. Dabei räumte er in seiner Rede selbst ein, dass die Vergabe der Auszeichnung an ihn eine beträchtliche Kontroverse ausgelöst habe. Erstens gebe es andere Persönlichkeiten, die mehr als er geleistet hätten. Zweitens sei er der Oberkommandierende einer Nation, die in zwei Kriege verwickelt sei. Zugleich setzte sich Obama in seiner Rede für Frieden, Menschenrechte und Abrüstung ein.
Für das anschließende Festbankett mit der schwedischen Königsfamilie im Stockholmer Rathaus hatte sich auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle mit seinem Lebensgefährten Michael Mronz angekündigt. Die Veranstaltung mit Frackzwang für männliche Teilnehmer, Damen in großer Abendrobe und Tanz im Ballsaal gilt als festlicher Höhepunkt der Nobelveranstaltungen in Stockholm.
- Datum 10.12.2009 - 20:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 8
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Müller erhielt also den Preis.
Hmm wieso?
Weil sie die Unterdrückung meiner Familie in Rumänien nur erfand?
Ich weiß es nicht.
Seltsam, daß jemand so wenig weiß, sich hier aber irgendwie
äußert. Herta Müller hat die Unterdrückungen ihrer rumänien=
deutschen Familie und der vielen anderen Volksangehörigen
nicht erfunden, die fanden natürlich tatsächlich statt!
In ihrem letzten Roman schrieb sie die Erlebnisse eines an=
deren Autors und Landsmannes auf, vor Vollendung seiner Ge=
schichte leider verstarb. Es waren schreckliche Ereignisse,
die alle Rumäniendeutschen traf, dabei ging es ihnen oft
"besser" als den anderen deutschen Volksgruppen im Osten oder
Südosten Europas. Haben Sie denn noch nie vom Elend der
Deutschen am Ende des verlorenen Krieges gehört?
Seltsam, daß jemand so wenig weiß, sich hier aber irgendwie
äußert. Herta Müller hat die Unterdrückungen ihrer rumänien=
deutschen Familie und der vielen anderen Volksangehörigen
nicht erfunden, die fanden natürlich tatsächlich statt!
In ihrem letzten Roman schrieb sie die Erlebnisse eines an=
deren Autors und Landsmannes auf, vor Vollendung seiner Ge=
schichte leider verstarb. Es waren schreckliche Ereignisse,
die alle Rumäniendeutschen traf, dabei ging es ihnen oft
"besser" als den anderen deutschen Volksgruppen im Osten oder
Südosten Europas. Haben Sie denn noch nie vom Elend der
Deutschen am Ende des verlorenen Krieges gehört?
Herta Müller! So "mannhaft" sie den Angeboten und Pressionen
der Securitate widerstanden hat, so einfühlsam sie ihre Bücher
über die rumäniendeutschen Schicksale sie schrieb, so wenig
informiert zeigte sie sich bei der Verleihung eines weiteren
Literaturpreises, nämlich den der "Stiftung gegen Vertrei=
bungen", den sie vor 3 Wochen in erhielt: sie sprach sich
(ungefragt?) gegen das von der Preisstifterin (Erika Steinbach)projektierte Museumsobjekt gegen Vertreibungen aus! Nicht nur traf sie damit die Initiatoren der Stiftung ins Herz, sondern alle anderen deutschen oder volksdeut=
schen Heimatvertriebenen ebenso, ein schlimmer Fehler für=
wahr!
@Otto12: "Volksdeutsche" ... oh je - haben Sie je schon mal etwas über "Gesinnungsschwaben" oder "Bekenntnisdänen" gehört? ... Eben ...
@Otto12: "Volksdeutsche" ... oh je - haben Sie je schon mal etwas über "Gesinnungsschwaben" oder "Bekenntnisdänen" gehört? ... Eben ...
Seltsam, daß jemand so wenig weiß, sich hier aber irgendwie
äußert. Herta Müller hat die Unterdrückungen ihrer rumänien=
deutschen Familie und der vielen anderen Volksangehörigen
nicht erfunden, die fanden natürlich tatsächlich statt!
In ihrem letzten Roman schrieb sie die Erlebnisse eines an=
deren Autors und Landsmannes auf, vor Vollendung seiner Ge=
schichte leider verstarb. Es waren schreckliche Ereignisse,
die alle Rumäniendeutschen traf, dabei ging es ihnen oft
"besser" als den anderen deutschen Volksgruppen im Osten oder
Südosten Europas. Haben Sie denn noch nie vom Elend der
Deutschen am Ende des verlorenen Krieges gehört?
"Haben Sie denn noch nie vom Elend der
Deutschen am Ende des verlorenen Krieges gehört?"
Und ob. Einige aus meiner Verwandtschaft wurden nach Russland verschleppt.
Dennoch ging es den Deutsch-Rumänen besser als dem Rest der Bevölkerung im Lande.
Sie waren hoch angesehen und geachtet.
Wer unter dem Regime mehr zu leiden hatte, war die rumänische Bevölkerung und die ungarische Minderheiten.
Müller wird von vielen Siebenbürger nicht mehr verstanden. Im Gegenteil. Die Leute, auf die ich traf, waren alles andere als froh über sie.
"Haben Sie denn noch nie vom Elend der
Deutschen am Ende des verlorenen Krieges gehört?"
Und ob. Einige aus meiner Verwandtschaft wurden nach Russland verschleppt.
Dennoch ging es den Deutsch-Rumänen besser als dem Rest der Bevölkerung im Lande.
Sie waren hoch angesehen und geachtet.
Wer unter dem Regime mehr zu leiden hatte, war die rumänische Bevölkerung und die ungarische Minderheiten.
Müller wird von vielen Siebenbürger nicht mehr verstanden. Im Gegenteil. Die Leute, auf die ich traf, waren alles andere als froh über sie.
"Haben Sie denn noch nie vom Elend der
Deutschen am Ende des verlorenen Krieges gehört?"
Und ob. Einige aus meiner Verwandtschaft wurden nach Russland verschleppt.
Dennoch ging es den Deutsch-Rumänen besser als dem Rest der Bevölkerung im Lande.
Sie waren hoch angesehen und geachtet.
Wer unter dem Regime mehr zu leiden hatte, war die rumänische Bevölkerung und die ungarische Minderheiten.
Müller wird von vielen Siebenbürger nicht mehr verstanden. Im Gegenteil. Die Leute, auf die ich traf, waren alles andere als froh über sie.
ersparen Sie den Foristen hier das Verteilen Ihrer gezielten Falschinformationen und Ihnen selbst die Blamage vor besser informierten Mitmenschen.
@Bärlach: Belegen, nicht behaupten - und immer Rosa Luxemburgs Satz im Hinterkopf haben ...
Herta Müller hat in den 70ern, als es "in" war, über den bösenbösen Papa von der Waffen-SS geschrieben, in den 90ern, als man dsa nicht mehr hören wollte, über die bösenbösen Rumänen, die den ach so unschuldigen Deutschen nach Kriegsende übel mitgespielt haben, und alles in einem Deutsch, dem man nicht im Dunkeln begegnen möchte: "Karls Sparbuch war weiß wie Schnee" ...
Das hat eine Literaturkritikerin mal in dem schönen Satz zusammengefasst: "Ihr Ruhm ist groß wie ein Rebhuhn, das in den Septembermond fliegt."
@Bärlach: Belegen, nicht behaupten - und immer Rosa Luxemburgs Satz im Hinterkopf haben ...
Herta Müller hat in den 70ern, als es "in" war, über den bösenbösen Papa von der Waffen-SS geschrieben, in den 90ern, als man dsa nicht mehr hören wollte, über die bösenbösen Rumänen, die den ach so unschuldigen Deutschen nach Kriegsende übel mitgespielt haben, und alles in einem Deutsch, dem man nicht im Dunkeln begegnen möchte: "Karls Sparbuch war weiß wie Schnee" ...
Das hat eine Literaturkritikerin mal in dem schönen Satz zusammengefasst: "Ihr Ruhm ist groß wie ein Rebhuhn, das in den Septembermond fliegt."
@Bärlach: Belegen, nicht behaupten - und immer Rosa Luxemburgs Satz im Hinterkopf haben ...
Herta Müller hat in den 70ern, als es "in" war, über den bösenbösen Papa von der Waffen-SS geschrieben, in den 90ern, als man dsa nicht mehr hören wollte, über die bösenbösen Rumänen, die den ach so unschuldigen Deutschen nach Kriegsende übel mitgespielt haben, und alles in einem Deutsch, dem man nicht im Dunkeln begegnen möchte: "Karls Sparbuch war weiß wie Schnee" ...
Das hat eine Literaturkritikerin mal in dem schönen Satz zusammengefasst: "Ihr Ruhm ist groß wie ein Rebhuhn, das in den Septembermond fliegt."
@Otto12: "Volksdeutsche" ... oh je - haben Sie je schon mal etwas über "Gesinnungsschwaben" oder "Bekenntnisdänen" gehört? ... Eben ...
Der Schäuble schafft bewußt - mit Billigung der Merkel - ein Klima von Angst und Einschüchterung. Seit 2005 hat sich die Menschenrechtslage in Deutschland - nicht zuletzt durch das BKA-Gesetz - drastisch verschlechtert, die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art werden - mit Billigung der Merkel - unverändert fortgesetzt. Hinzu kommt, dass die Merkel systematisch die Strafverfolgung der dafür verantwortlichen Rechtsbrecher hintertreibt.
In Deutschland sind die Bürgerrechte schon vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt. Die kaum überhörbare unterschwellige Botschaft dieser Auszeichnung lautet: In Deutschland herrschen schon längst Verhältnisse wie in einem Unrechtsstaat.
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