Familiendramen in wenigen Worten
Es dämmert die Erkenntnis, dass dem Wahnsinn mit zunehmender Lesedauer auch kategorisch nicht beizukommen ist. Stauffer schreibt sich an der Sinnlosigkeit von Vorschriften, medialen Einmischungen und der Überhöhung des Banalen entlang mitten hinein in eine Zone freien Denkens.
So schildert er ein ausgewachsenes Familiendrama in einem Mini-Absatz: "Beispiel 3.10.5 – Von dem da, sagt der Sohn. Die Mutter lacht laut und sagt: Das kann ja wohl nicht sein! Der Sohn schaut den Vater an. Der Vater schaut die Freundin des Sohnes an und fasst ihr an den Busen und sagt: Das kann ja wohl auch nicht sein! Alle lachen und stossen an."
Wer von Prosatexten gelangweilt ist, die solche Begebenheiten auf 20 bis 100 Seiten dehnen, findet bei Stauffer eindrucksvoll abgeschossene Feuerwerke, deren Knappheit und Präzision verblüfft. Dieses Buch bereitet Romanen, die versuchen, das Leben nachzubilden, ein abruptes Ende. Somit leistet Soforthilfe auch freche Literaturkritik. Der letzte Satz des Buches lautet: "Jetzt sind Sie bereit." Fragt sich nur, wozu. Um das Leben zu genießen, wie es nun mal ist? Um noch mehr von Stauffer zu lesen? Oder für ein wildes Leben jenseits aller Grenzen?
- Datum 03.12.2009 - 16:26 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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