Tipps von David Hugendick
Tipps von David Hugendick
Weihnachten, das Fest der Geschenke – aber auch des Redens und Innehaltens. Zwei Bücher hierzu, das erste ist ein schmales Bändchen, reclamgelb für die Gesellschaft um Ente oder Gans, zum gemeinsamen Lesen und Nachspielen. Scharen Sie sich um Eugène Ionescos Die kahle Sängerin, das erste Stück des Dramatikers, der uns das absurde Theater schenkte. In Deutschland spielt es kaum ein Theater mehr, das ist schade. Deshalb führen Sie es auf! Plappern Sie los wie Mr. Smith und reden Sie einmal richtig aneinander vorbei. Sagen Sie Sätze wie: "Ich erwarte den Aquädukt zu Besuch in meiner Mühle." Lassen Sie sich antworten: "Touchiere nicht meine Niere!" Noch einer, weil's so schön ist: "Die Männer sind doch alle gleich. Den ganzen Tag haben sie die Zigarette im Mund, oder sie pudern sich und schminken sich die Lippen fünfzigmal, wenn sie sich nicht gerade betrinken."
Eugène Ionesco: Die kahle Sängerin. Reclam, Stuttgart 1986, 2 Euro
Dann ziehen Sie sich zurück mit dem zweiten Buch, Sie verpassen den ersten Weihnachtstag, nur dann und wann kommt aus Ihrem Mund: Bin auf Seite 489, im Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche. David Foster Wallace' Unendlicher Spaß, das weitverschwafelte Opus des jung verstorbenen Schriftstellers wird Ihnen die Zeit zwischen den Jahren versüßen, ernüchtern, verstören und erhellen. Tausendfünfhundertsiebenundvierzig Seiten unendlicher Ernst, der erheitert, erschüttert und fordert mit Wortschöpfungen und nimmerendenden Tennisspielen, grellem Spott und Sarkasmus. Ein Rausch, dann ist Silvester. Noch ein paar Hundert Seiten liegen vor Ihnen.
David Foster Wallace: Unendlicher Spaß. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, 1547 Seiten, 39,90 Euro






Komisch, wenn ich ein Buch lesen will, dann weiß ich natürlich, welches. Da brauch ich keine Nachhilfe.
Zumal man, wie in der Popmusik, bei solchen Tipps besser das Gegenteil tun (resp. kaufen und lesen/hören) sollte. Millionenfach bewiesen: Journalisten oder gar Kritiker sind doch die letzten, die wissen, was "gut" ist.
Oder ist das - wie in der SZ - nur 'ne Klickstrecke?
"Aus dem amerikanischen Englisch" - wenn ich sowas schon sehe; SO EINER will mir erzählen, was ich lesen soll? Der soll mal lieber einen Ami fragen, welche Sprache er spricht und in welcher Sprache er schreibt.
Dann probieren Sie doch einmal den Ionesco, und sie wird vielleicht verfliegen...
Dann probieren Sie doch einmal den Ionesco, und sie wird vielleicht verfliegen...
Dann probieren Sie doch einmal den Ionesco, und sie wird vielleicht verfliegen...
... DIE HERDMANNS KOMMEN!
- das ist mein weihnachtlicher Lesetipp.
Der ganze Stadtteil ist sich einig: Die Kinder der Herdmanns sind die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Sie lügen, klauen, rauchen Zigarren (auch die Mädchen), bringen die Nachbarn zur Verzweiflung und können ein Klassenzimmer mit Hilfe ihrer halbwilden Katze in der Rekordzeit von drei Minuten völlig leerfegen. Jetzt haben sie es sogar (mit recht zweifelhaften Methoden) geschafft, sämtliche Hauptrollen in dem Krippenspiel zu bekommen, das zu Weihnachten aufgeführt werden soll. Natürlich erwartet jeder das schlimmste Krippenspiel aller Zeiten... aber...
Ein wunderbar rührendes und humorvolles Weihnachtsbüchlein für Klein (und Groß!), bezüglich dessen ich nicht umhin kann, es voll Freude jedes Jahr um diese Zeit immer wieder aufs Neue zu lesen.
Ich denke, es schadet nicht, wenn Journalisten aus freien Stücken Literatur-Tipps zum Besten geben (und diese nicht als Werbeeinschaltung gekauft wurden). Und der Briefwechsel von Bernhard tät mich schon reizen, wär das Buch nicht gar soo teuer. Na, in einem Jahr ist ja wieder Weihnachten.
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