Kristof Magnusson, geboren 1976, lebt in Berlin. Sein Debütroman "Zuhause" erschien 2005 © Thomas Dashuber

ZEIT ONLINE: Herr Magnusson, Ihr neues Buch dreht sich um einen weltweiten Börsencrash. Das Thema beschäftigt uns seit gut anderthalb Jahren. Wann fingen Sie an, darüber zu schreiben?

Kristof Magnusson: Viel früher! Im Januar 2008 waren die ersten 20 Seiten fertig, also Monate vor dem Crash von Lehman Brothers.

ZEIT ONLINE: Wie kamen Sie darauf?

Magnusson: Geahnt habe ich es nicht. Die Finanzwelt interessiert mich einfach seit meiner Jugend. Mit 14 steckte ich meine 400 DM Konfirmationsgeld in Aktien von Kali und Salz, einem Düngemittelkonzern. Später kamen noch BASF-Aktien dazu. Damit reich zu werden, hat mich nie interessiert. Nach dem Abitur wollte ich nach New York, da brauchte ich das Geld.

ZEIT ONLINE: Woher kam denn das Interesse für Aktien?

Magnusson: Ich mochte Friedhelm Busch, der moderierte damals die Telebörse im Kabelfernsehen. Ich fand es wahnsinnig spannend, wie kursierende Geschichten zu Kursausschlägen führten. Etwa als bekannt wurde, dass der Basketballer Magic Johnson HIV-infiziert ist: Da schnellten die Aktien der Kondomhersteller nach oben. Das fand ich völlig verrückt.

ZEIT ONLINE: Die Psychologie des Marktes.

Magnusson: Ja, die Zukunft der Aktie steckt in ihrer Geschichte, und die muss erzählt werden. Mich fasziniert die Verbindung zwischen Geld und Narration. Schon dieser Satz, der in der Branche oft fällt: "Die Story der Aktie ist intakt!" Ich habe mich immer gefragt, wieso es so wenig Romane darüber gibt. Geld beschäftigt uns ja alle. Da geht es um Träume, Macht, Liebe.

ZEIT ONLINE: Als der Autor in Ihrem Buch ein Foto von einem Börsenmakler in der Zeitung sieht, kommt ihm die Idee zu seinem nächsten Roman. In deutschen Zeitungen sah man das Motiv auch dauernd.

Magnusson: Ja, immer verzweifelte Spekulanten vor fallenden Aktienkurven. Viele davon habe ich mir ausgeschnitten, ein paar hingen an meinem Kühlschrank. Sie helfen, Abstraktes zu visualisieren, mich haben sie inspiriert.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie noch recherchiert?

Magnusson: Ich habe einen charmanten Brief an die Pressestellen der Banken geschrieben. Ich erklärte, dass ich gerne mit echten Bankern sprechen möchte und es mir nicht ums Klischee geht.

ZEIT ONLINE: Haben Sie auch erwähnt, dass Sie in dem Roman die Weltfinanz gegen die Wand fahren lassen?

Magnusson: Wohlweislich nicht. Ich besuchte in Frankfurt diese riesigen Händlersäle, unterhielt mich mit einzelnen Tradern über ihre Arbeit. Ich hatte ja wirklich keine Ahnung, etwa wie die Syntax der Transaktionen lautet, wie die Order formuliert werden. Ein Klischee stimmt übrigens tatsächlich: Der Junkfood-Konsum ist immens.

ZEIT ONLINE: Wie bei Ihrem Protagonisten, der dauernd Schokoriegel in sich reinstopft. Wie tickt denn nun so ein Börsianer?

Magnusson: Sie haben ein Bewusstsein für Mechanismen, über die wir kaum nachdenken. Wir halten etwa Preise eher für statisch, es erscheint uns zahlenmäßig fassbar, rational und vernünftig. Für die ist das alles flexibel, gestaltbar.