"Island ist ein optimistisches und tatkräftiges Land"
Magnusson: Im Boom war es normal, alle fünf Jahre zu renovieren. Eine Freundin versuchte vor ein paar Jahren vergeblich, ihre gebrauchte Küche zu verschenken. Die Welt schaute damals auf Island, man dachte dort: Wir sind endlich mal wer. Freilich war keiner geneigt, das Ganze zu hinterfragen. Aber ein Punkt ist mir in diesem Zusammenhang sehr wichtig.
ZEIT ONLINE: Was denn?
Magnusson: Risikofreude gehörte in Island immer schon dazu, Sicherheitsdenken weniger. Ein risikoscheuer Menschenschlag wäre ja nie auf die Idee gekommen, in einem offenen Boot auf eine entlegene Insel zu schippern, der wäre in Norwegen geblieben. Island ist eben ein enorm optimistisches und tatkräftiges Land.
Magnusson: Gleich auf dem Rückweg von den USA. Es war verrückt: Bei Ikea waren alle Töpfe ausverkauft, nirgends gab es Kochlöffel – die brauchten alle für die Demonstrationen. Man muss wissen: Vorher gab es keine Arbeitslosigkeit, auf einmal waren es sieben Prozent. An der Oberfläche ist alles normal, keiner hortet Dosengemüse. Aber sie sind vorsichtig geworden, verreisen nicht mehr, die Währung ist nur noch halb so viel wert, dafür gehen sie mehr aus. Bis heute weiß keiner so genau, wie viel Schulden er genau hat. Das macht die Situation so unheimlich. Aber ich bin optimistisch. Sie haben den Fischfang, billige Energien und den Tourismus. Alles strömt ja jetzt nach Island.
ZEIT ONLINE: Wenn das nicht der ideale Schauplatz für eine Geschichte über die Finanzkrise ist!
Magnusson: Theoretisch. Aber ich will nicht der Islandonkel werden. Im Buch fliegt jemand drüber, das reicht.
Das Gespräch führte Anne Haeming
- Datum 13.01.2010 - 17:48 Uhr
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