Literatur und Internet "Romantische Novellen druckt man sich aus"
Geht die Buchkultur vorbei? Lesen wir bald die dicksten Romane am Bildschirm? Der Wissenschaftler Matthias Bickenbach erklärt, warum gedruckte Literatur Bestand haben wird und im Internet eigene Form von Literatur entstehen kann.
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Man kann es stapeln, darin blättern und natürlich lesen: die Haptik des Buches ziehen viele Leser noch dem Digitalem vor
ZEIT ONLINE: Herr Bickenbach, ist die Buchkultur in naher Zukunft am Ende?
Matthias Bickenbach: Nein. Wir sind vielleicht keine reine Buchkultur mehr, trotzdem noch eine Schriftkultur. Das Internet wird ja ebenfalls mit Text befüllt. Es bringt ähnliche Möglichkeiten mit sich wie damals der Buchdruck: neue Möglichkeiten der Verbreitung. Das Netz ist durchaus ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Schriftlichkeit.
ZEIT ONLINE: Es wird oft von einer Rivalität zwischen den beiden Medien gesprochen.
Bickenbach: Das ist eine schwierige Diskussion. Es gibt Initiativen, die die klassische Autorschaft erhalten möchten.
ZEIT ONLINE: Weil diese sonst ausstirbt?
Bickenbach: Diese Gefahr liegt im Internet begründet. Schauen Sie auf die wirtschaftlichen Folgen. Kein Brockhaus mehr, Zeitungen sterben. Die Frage ist nur, wie man diese Folgen bewertet. Ob man sie begrüßt oder fürchtet. Klug scheint mir eine neutrale Position. Wir sollten erst einmal sehen, wohin es geht.
ZEIT ONLINE: Aber wird es im Internet nicht schwieriger, sich für einen Text zu entscheiden? Woher weiß man, was man lesen soll?
Matthias Bickenbach, geboren 1963, ist Dozent für Literatur- und Medienwissenschaft an der Universität Bonn. Zusammen mit Harun Maye schrieb er das Buch Metapher Internet – Literarische Bildung und Surfen im Kadmos Verlag.
ZEIT ONLINE: Doch die Textmenge ist im Netz ungleich größer.
Bickenbach: Wir müssen neue Routinen lernen. Navigare necesse est.
ZEIT ONLINE: Das schreiben Sie in Ihrem Buch. Was hat Edgar Allan Poe damit zu tun?
Bickenbach: Von ihm gibt es die berühmte Geschichte Ein Sturz in den Mahlstrom. Ein schiffbrüchiger Matrose gerät darin in einen Strudel. Er rettet sich, indem er seine Umgebung genau betrachtet und aus dem Gegebenen eine Lösung aus dem Dilemma entwickelt. Er rettet sich auf intellektuelle Weise. Diese Geschichte hat Marshal McLuhan aufgenommen als Vorbild im Umgang mit modernen Medien.
ZEIT ONLINE: Das hieße im Sinne Poes?
Bickenbach: Genau zu beobachten, was uns umgibt, und damit produktiv umzugehen. Es ist nicht mehr der "Schiffbruch mit Zuschauer", wie ihn der Philosoph Hans Blumenberg beschrieben hat. Wir sind selbst Teil davon.
Bickenbach: Unsere Kultur gibt dieses Paradigma noch vor. Das ist interessant. Es ist auch ein Grund, warum sich das eBook nicht richtig durchsetzt. Man greift lieber zu einem schmalen Büchlein zurück.
ZEIT ONLINE: Vielleicht weil wir diese Technik schon so lange kennen?
Bickenbach: Ja. Ein eBook-Reader bleibt ein technisches Gerät, das gewisse Kontexte voraussetzt wie Strom und Zugang zum digitalen Buchmarkt. Es ist eher ein zusätzliches Medium. Das macht es aber nicht schlecht.
ZEIT ONLINE: Wie lesen Sie?
Bickenbach: Ich habe die Beobachtung gemacht, dass ich romantische Novellen nicht am Bildschirm lese. Die druckt man sich höchstens aus.
ZEIT ONLINE: Ist das nicht etwas sentimental?
- Datum 07.01.2010 - 10:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Häufig fehlen die Korrekturinstanzen." Wie wahr. So wird aus dem Müller ein Anstreicher.
Lieber lyriost,
es sind beide Schreibweisen möglich. Auch Poes Erzählung bietet je nach Ausgabe beide an.
Beste Grüße,
David Hugendick
Lieber lyriost,
es sind beide Schreibweisen möglich. Auch Poes Erzählung bietet je nach Ausgabe beide an.
Beste Grüße,
David Hugendick
Lieber lyriost,
es sind beide Schreibweisen möglich. Auch Poes Erzählung bietet je nach Ausgabe beide an.
Beste Grüße,
David Hugendick
Nicht, daß ich mehr für das Netz als für Bücher wäre, beides hat siene Berechtigung und ersetzt sich nicht gegenseitig. Aber mehr Korrekturinstanzen bietet eindeutig das Internet. Man gebe einfach eine Phrase in Anführungszeichen in eine Suchmaschine ein und findet viele Meinungen und ggf. Kritik dazu. Die Zahl der verschiedenen Meinungen und Standpunkte erhöht sich mit der Umstrittenheit des Aussage. Was will man mehr?
Wenn man nicht dafür bezahlt wird, stundenlang in Unibibliotheken herumzusuchen, sehe ich das als Ersparnis an, mein Umgang mit dem Thema wird direkter.
Im übrigen sind e-books und Internet auseinander zu halten. Sie haben fast nichts gemeinsam, außer daß Text bei beiden in Datenform bereitgestellt wird.
Lieber Herr Hugendick, erstaunlich nur, daß mein Duden (24. Auflage) den "Malstrom" ebensowenig kennt wie die Duden-Online-Suche. Was logisch ist, denn im Mahlstrom wird alles zermahlen, nicht neu gestrichen. Manchmal ist das schlecht (malus), aber nicht immer. ;-)
Lieber lyriost, das ist tatsächlich interessant. Eine Online-Suche zeigt beide Schreibweisen. Aber wir werden es gleich der 24. Auflage des Duden und wahrscheinlich der populären Schreibweise angleichen.
Mit besten Grüßen,
D. Hugendick
Lieber lyriost, das ist tatsächlich interessant. Eine Online-Suche zeigt beide Schreibweisen. Aber wir werden es gleich der 24. Auflage des Duden und wahrscheinlich der populären Schreibweise angleichen.
Mit besten Grüßen,
D. Hugendick
Lieber lyriost, das ist tatsächlich interessant. Eine Online-Suche zeigt beide Schreibweisen. Aber wir werden es gleich der 24. Auflage des Duden und wahrscheinlich der populären Schreibweise angleichen.
Mit besten Grüßen,
D. Hugendick
"Es ist auch ein Grund, warum sich das eBook nicht richtig durchsetzt."
Ich denke, das ist hauptsächlich eine Generationenfrage. Zukünftige Generationen werden sich fragen, was an diesen gedruckten Büchern so toll gewesen sein soll...
Ob man das Mahlen des Mahlstroms als Malheur empfindet, kommt sehr darauf an, wo sich der Beobachter befindet, innerhalb oder außerhalb.
Ich finde es immer wieder sehr bedenklich, wie Verlage, Autoren und Kritiker jeglicher Richtung immer wieder so tun, als könnten sie das Thema ebook einfach so aussitzen.
Ja, Bücher sind schöner zu lesen, fühlen sich besser an und riechen besser. Sie sind aber auch viel schwerer, umständlicher zu kaufen und dann hat man sie irgendwo herumstehen, was nicht immer nur toll ist. Ich habe in den letzten Jahren rund 200 Bücher auf einem iPod touch gelesen und es hat überhaupt nicht weh getan. Das heißt nicht, dass ich keine "richtigen" Bücher mehr lesen werde, aber ebooks haben so deutliche praktische Vorteile, dass ich nicht glaube, dass die paar Bibliophilen das Massengeschäft mit Büchern aufrechterhalten können. Und von Liebhabern werden die Verlage nicht leben können. Es wird große Veränderungen auf dem Buchmarkt geben und die Verlage werden sich bestenfalls aussuchen können, ob das Veränderungen sein werden, die sie einführen oder solche, an denen sie krepieren.
Kulturbeflissene Bauchpinselei jedenfalls wird nur der eigenen Befindlichkeit helfen und auch das nur so lange, wie man das Gewitter am Horizont noch geflissentlich ignorieren kann.
Und dass romantische Novellen irgendwie bildschirminkompatibel wären, halte ich für Blödsinn. Schon das gedruckte Buch ist ein rein technisches Produkt und dass hier bei irgendeinem technischen Verfahren zur Vervielfältigung, zum Transport und zur Darstellung von Texten plötzlich Schluß sein soll, halte ich für unbelegbar.
"Ja, Bücher sind schöner zu lesen, fühlen sich besser an und riechen besser. Sie sind aber auch viel schwerer, umständlicher zu kaufen und dann hat man sie irgendwo herumstehen, was nicht immer nur toll ist."
Sie sagen es! Nur frage ich mich, was in der Zeit des Lesens der digitalen Bücher mit Ihren Sinnen passiert ist. Haben sie auch noch in 30 Jahren das Gespür für ästethische Bücher? Wissen Sie auch noch was es bedeutet, (ein Buch) zu fühlen und zu riechen? Oder schmerzt es dann sogar schon ein Buch in die Hand zunehmen? Und was mich nochmehr interessiert, gibt es bei Ihnen Unterschiede sich eher an ein digitales oder an traditionelles Buch und seinen Inhalt zu erinnern?
Beste Grüße
"Ich habe in den letzten Jahren rund 200 Bücher auf einem iPod touch gelesen und es hat überhaupt nicht weh getan."
Sie haben auf einem gerade einmal 2 Jahre alten Produkt bis heute bereits 200 Bücher gelesen ?!? Ich hätte auch so gerne einen 500-Stundentag wie Sie!!!
"Ja, Bücher sind schöner zu lesen, fühlen sich besser an und riechen besser. Sie sind aber auch viel schwerer, umständlicher zu kaufen und dann hat man sie irgendwo herumstehen, was nicht immer nur toll ist."
Sie sagen es! Nur frage ich mich, was in der Zeit des Lesens der digitalen Bücher mit Ihren Sinnen passiert ist. Haben sie auch noch in 30 Jahren das Gespür für ästethische Bücher? Wissen Sie auch noch was es bedeutet, (ein Buch) zu fühlen und zu riechen? Oder schmerzt es dann sogar schon ein Buch in die Hand zunehmen? Und was mich nochmehr interessiert, gibt es bei Ihnen Unterschiede sich eher an ein digitales oder an traditionelles Buch und seinen Inhalt zu erinnern?
Beste Grüße
"Ich habe in den letzten Jahren rund 200 Bücher auf einem iPod touch gelesen und es hat überhaupt nicht weh getan."
Sie haben auf einem gerade einmal 2 Jahre alten Produkt bis heute bereits 200 Bücher gelesen ?!? Ich hätte auch so gerne einen 500-Stundentag wie Sie!!!
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