Vampirromane Die Blöde und das Biest

Überall Vampire! Seit "Twilight" sind Blutsaugerromanzen besser und bunter geworden. Einzig das Frauenbild bleibt einfältig. Ein Überblick über neue Vampir-Serien.

Stephenie Meyers "New Moon": links der Vampir, rechts das Mädchen

Stephenie Meyers "New Moon": links der Vampir, rechts das Mädchen

Vor knapp zehn Jahren ging Buffy Summers tanzen: Sie war gerade Anfang 20 und noch nicht lange wieder von den Toten auferstanden. Die junge Vampir-Jägerin hatte sich geopfert, um die Welt zu retten. Erst Monate später erweckte ein Zauber sie zum Leben. Es war kein gutes Jahr: Ihr Freund war fort, ihre Mutter tot. Überall lagen unbezahlte Rechnungen. Das Studium hatte sie auch abgebrochen. Als sie sich alleine durch die Friedhofserde gewühlt hatte. "Ist das die Hölle?" Nur der Vampir Spike verstand Buffys Geworfenheit und ihren plötzlichen Weltekel. Seit Jahren hatte Buffy gegen ihn gekämpft. Jetzt aber trafen sie sich heimlich: In einer Disko trat er aus dem Schatten und hob ihren Rock. Die beiden hatten freudlosen und stummen Sex, hoch über der Tanzfläche.

Ein Tiefpunkt für die Heldin, aber ein Höhepunkt der Serie: Buffy und Spike, der Vampir und die Jägerin, das ist eines besten Sinnbilder für die Dynamik einer schlechten Beziehung. Vielen Fans wurde Spike, weißblond, spöttisch und kühl, trotzdem schnell zum romantischen Helden: "Muss ich mich selbst aufgeben, um den Vampir zu lieben?" "Bin ich kaputt, weil ich die Nähe eines Mannes suche, der mich zerstören will?" Die Serie löste diese Frage, indem Spike fortging, Buffy verließ, Sühne tat, sich eine eigene Seele erkämpfte und ihr schließlich auf Augenhöhe neu begegnen konnte. Ein guter erster Schritt, um die Vampir-Machos komplexer und klüger zu machen.

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Doch seitdem werden nicht sehr oft die Blutsauger facettenreicher, sondern die Menschenmädchen dümmer: 2005 startete Stephenie Meyers Romanserie Twilight und nudelte den ganzen Konflikt noch einmal durch, ebenso drängend, aber viel zuckriger und jugendfrei erzählt. In vier Romanen schwärmt die Schülerin Bella gegen ihre Vernunft für den Vampir Edward. Ein ganzes Genre Jungmädchenschmöker folgte Meyers Romanen auf die Bestsellerlisten. Mit Buffys Pop-Feminismus haben diese Bücher manches gemeinsam. Aber es gibt auch große Unterschiede.

Diese sogenannten Paranormal Romances folgen einer klaren Formel: Sie spielen fast immer in der Gegenwart und auf dem platten Land. Eine oft unerfahrene, etwas naive Ich-Erzählerin trifft einen wortkargen und klassisch maskulinen Mann. Obwohl die Frau erzählt, steht dieser Mann im Rampenlicht: Er ist ein Werwolf oder ein Vampir und hat gelernt, wie man mit schierer Willenskraft, Lebenserfahrung und Klasse den Blutdurst und die sexuellen Atavismen bremst.

Die Frau ist unbeherrschter. Sie handelt kopflos und sie weiß nicht, was sie will. Erst, wenn sie von ihm lernt, sich selbst zu zügeln, verdient sie damit seine Liebe: In keinem anderen Genre gibt es so viele Trainingsstunden, Tests, Prüfungen und Pygmalion-Momente. Ohne den fremden Mann als Spiegel und Selbstversicherung erkennen diese Frauen weder sich selbst noch sind sie in der Lage, ihr Potenzial zu nutzen.

Leser-Kommentare
  1. Der Autor sollte auch mal einen Blick auf die britische Serie "Being Human" werfen, die ganz ohne anhimmelndes Frauchen auskommt.

  2. ... "Menschenmädchen" im Film, so die Zielgruppe.

  3. Das ist ja gerade der Widerspruch mit dem eine junge Frau zurechtkommen muss: Sie kann viel wertvoller sein als z.B. Spike, ... aber nur wenn Sie seine Prüfungen und Tests besteht, hat Sie selber den Eindruck, nicht nur wegen Ihrer Äußerlichkeiten gemocht zu werden. Da "fühlt" es sich plötzlich "richtig" an mit diesem Kerl...

    • Pyr
    • 28.01.2010 um 10:17 Uhr

    Vielen Dank, das war Information über das Genre wie Gesellschaftskritik zugleich. :)

  4. Herr Mesch vergisst leider einige nicht weniger erfolgreiche Vampir-Serien, die junge Frauen als Hauptperson haben. Natürlich spielt auch hier die Zerrissenheit der weiblichen Hauptperson als Vampirin oder Halbvampirin im Verhältnis zum menschlichen Geschlecht eine wichtige Rolle, gesteht ihnen aber auch eine Handlungsfreiheit zu, die ihre Einschränkung durch emotionale Beschränktheit ausgleicht. Also nach dem Motto, dass die moderne junge Frau sich in der Liebe verlieren kann, aber dennoch Verantwortung in und für die Gesellschaft übernehmen kann.
    Beispiele hierfür sind: Blue Bloods, wo die Hauptdarstellerin, genauso wie in House of Night zur Weltenretterin aufsteigt (bei der ersten Serie mit einer Liebe gegen das Establishment in der zweiten mit polygamen Beziehungen). Was natürlich nichts über die Qualität der Serien aussagt (grandios schlecht in Qualität und Handlungsstrang).
    Nicht Vampir aber auch paranormal Romance ist Rachel Vincent 'Werecats' Serie. Wo es sich um Werkatzen handelt, also Werwölfe auf Katzenformat. Auch hier ist die Hauptperson weiblich und in dieser Serie (so platt sie auch sonst sein mag) geht es um den Kampf gegen das Patriarchat - also ganz entgegen der Meinung des Artikels. Vergewaltigung, Zwangsprostitution, Entmündigung und sexuelle Diskriminierung - spielt alles eine Rolle und wird thematisiert. Qualitativ besser als Blue Bloods und House of Night, aber natürlich auch kein Günter Grass.

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    Wenn ich bei House of Nights über Polygamie schreibe, meine ich natürlich Polyandrie (nur leider wehrt sich die Hauptdarstellerin nicht wirklich gegen das Konzept der Monogamie, sondern kommt damit einfach nicht klar, aus Unentschlossenheit).
    Zweitens geht die Kritik an der Serie 'Vampire Academy' an der Linie des Artikels vorbei. So platt die Bücher auch sein mögen. Das Frauenbild ist doch ein anderes, als das in Twilight. In Vampire Academies nehmen sich die Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand (gegen Heiratsabsprachen, jenseits von Prostitution, die auch ein Thema ist). Sie werden als weitgehend selbstbestimmte Akteurinnen dargestellt, die sich nicht von ihrem Geschlecht in ihrer Handlung beeinflussen lassen, sondern die Geschlechter sind wesentlich gleichgestellt.
    Von daher, egal wie blass die Serie sonst ist, passt sie nicht in eine Kritik des Frauenbildes in den Vampirserien hinein.

    Wenn ich bei House of Nights über Polygamie schreibe, meine ich natürlich Polyandrie (nur leider wehrt sich die Hauptdarstellerin nicht wirklich gegen das Konzept der Monogamie, sondern kommt damit einfach nicht klar, aus Unentschlossenheit).
    Zweitens geht die Kritik an der Serie 'Vampire Academy' an der Linie des Artikels vorbei. So platt die Bücher auch sein mögen. Das Frauenbild ist doch ein anderes, als das in Twilight. In Vampire Academies nehmen sich die Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand (gegen Heiratsabsprachen, jenseits von Prostitution, die auch ein Thema ist). Sie werden als weitgehend selbstbestimmte Akteurinnen dargestellt, die sich nicht von ihrem Geschlecht in ihrer Handlung beeinflussen lassen, sondern die Geschlechter sind wesentlich gleichgestellt.
    Von daher, egal wie blass die Serie sonst ist, passt sie nicht in eine Kritik des Frauenbildes in den Vampirserien hinein.

  5. Wenn ich bei House of Nights über Polygamie schreibe, meine ich natürlich Polyandrie (nur leider wehrt sich die Hauptdarstellerin nicht wirklich gegen das Konzept der Monogamie, sondern kommt damit einfach nicht klar, aus Unentschlossenheit).
    Zweitens geht die Kritik an der Serie 'Vampire Academy' an der Linie des Artikels vorbei. So platt die Bücher auch sein mögen. Das Frauenbild ist doch ein anderes, als das in Twilight. In Vampire Academies nehmen sich die Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand (gegen Heiratsabsprachen, jenseits von Prostitution, die auch ein Thema ist). Sie werden als weitgehend selbstbestimmte Akteurinnen dargestellt, die sich nicht von ihrem Geschlecht in ihrer Handlung beeinflussen lassen, sondern die Geschlechter sind wesentlich gleichgestellt.
    Von daher, egal wie blass die Serie sonst ist, passt sie nicht in eine Kritik des Frauenbildes in den Vampirserien hinein.

    Antwort auf "zumindest mal halb"
    • WuDang
    • 28.01.2010 um 11:43 Uhr
    7. Also

    die beschriebene Sexscene mit S.M.Gellar entspricht ja wohl eher den feuchten Träumen des Autors als der Serie. Auch, dass sich Buffy abmühen müsste, mit Spike auf Augenhöhe zu gelangen ist Quatsch. In der Serie, die jahrelang gelaufen ist und auf DVD erschienen, ist Buffy durchwegs die überlegene, wenn auch zuweilen verzweifelte Heldin und Spike ein hilfloser Trottel, der erst ganz zum Schluss die Gelegenheit zur Sühne für sein lausiges, böses Leben in der Selbstopferung sieht. Passt aber zu den Artikeln betreffs Avatar.
    Eine neiderboste selbsternannte intellektuelle Elite zieht gegen eine erfolgreiche Popkultur vom Leder, ohne eine Ahnung zu haben, um was es da eigentlich geht. Natürlich darf ein Hinweis auf diesen völlig schwachsinnigen Goethe-Bestseller "Werther" nicht fehlen, um die akademische Kultur des Autors zu unterstreichen. Bei der er bleiben sollte. Einem Joss Whedon ist er nicht gewachsen.

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    Freier Autor
    • smesch
    • 28.01.2010 um 12:04 Uhr

    Ich schrieb, in ANDEREN Reihen müssen sich die Mädchen abmühen, um auf Augenhöhe des Vampirs zu kommen.

    Aber bei Buffy ist tatsächlich das Mädchen die Starke und der Vampir in der Bringschuld: Lesen Sie noch mal nach - wir beide sehen das gleich.

    Zu "Twilight" und "Werther": Szenen wie neblige Wiese, gespickt mit blauen Blumen... das sind (visuelle) Zitate und der Tonfall aus der Romantik. Eine deutliche (und wohl: bewusste) Traditionslinie.

    Ernsthaft: Wenn heute eine "Werther"-Verfilmung anstünde... ich würde die "Twilight"-Regisseurin anrufen. Und könnte sicher sein, dass sie das gut macht.

    Freier Autor
    • smesch
    • 28.01.2010 um 12:04 Uhr

    Ich schrieb, in ANDEREN Reihen müssen sich die Mädchen abmühen, um auf Augenhöhe des Vampirs zu kommen.

    Aber bei Buffy ist tatsächlich das Mädchen die Starke und der Vampir in der Bringschuld: Lesen Sie noch mal nach - wir beide sehen das gleich.

    Zu "Twilight" und "Werther": Szenen wie neblige Wiese, gespickt mit blauen Blumen... das sind (visuelle) Zitate und der Tonfall aus der Romantik. Eine deutliche (und wohl: bewusste) Traditionslinie.

    Ernsthaft: Wenn heute eine "Werther"-Verfilmung anstünde... ich würde die "Twilight"-Regisseurin anrufen. Und könnte sicher sein, dass sie das gut macht.

  6. Freier Autor
    • smesch
    • 28.01.2010 um 12:04 Uhr

    Ich schrieb, in ANDEREN Reihen müssen sich die Mädchen abmühen, um auf Augenhöhe des Vampirs zu kommen.

    Aber bei Buffy ist tatsächlich das Mädchen die Starke und der Vampir in der Bringschuld: Lesen Sie noch mal nach - wir beide sehen das gleich.

    Zu "Twilight" und "Werther": Szenen wie neblige Wiese, gespickt mit blauen Blumen... das sind (visuelle) Zitate und der Tonfall aus der Romantik. Eine deutliche (und wohl: bewusste) Traditionslinie.

    Ernsthaft: Wenn heute eine "Werther"-Verfilmung anstünde... ich würde die "Twilight"-Regisseurin anrufen. Und könnte sicher sein, dass sie das gut macht.

    Antwort auf "Also"
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    • WuDang
    • 28.01.2010 um 12:23 Uhr

    stimmt.

    • WuDang
    • 28.01.2010 um 12:23 Uhr

    stimmt.

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