Roman "Axolotl Roadkill" "Total gedankenlos und egoistisch"Seite 2/2

Der Ullstein-Verlag muss es nun ausbaden. Beunruhigt kündigte er an, sich die Genehmigung für die Stellen nachträglich zu besorgen, die sich Hegemann leichthin aber nicht bescheiden geborgt hat. In der zweiten Auflage stünde immerhin ein Dank an den Blogger. Sollte es weitere betroffene Rechtsinhaber geben, werde man auch diese kontaktieren. Etwas naiv wirkt Hegemanns Entschuldigung, sie habe den Anspruch der Betroffenen nicht berücksichtigt, "weil mir die juristische Tragweite nicht bewusst und ich, so leid es mir tut, total gedankenlos und egoistisch war."

Bis geklärt ist, ob sich noch weitere Autoren in ihrem Roman wiederfinden, wird noch eine Weile vergehen. An der Eigenständigkeit von Hegemanns Buch darf man nun durchaus zweifeln – gleichviel, ob Helene Hegemann einen verschrobenen Werkbegriff hat oder er einfach dem Zeitgeist entspricht. Über der Rezeption ihres Romans wird möglicherweise künftig jener Fluch liegen, zu dem Egon Friedell bemerkte, er mache "jedes gestohlene Gut zu einem freudlosen Besitz". Dagegen hilft kein Hype dieser Welt.

Update: Das Blog von Deef Pirmasens ist derzeit nicht mehr erreichbar, wahrscheinlich wegen Überlastung. Siehe hier.

 
Leser-Kommentare
    • jknabe
    • 08.02.2010 um 15:28 Uhr

    Mich wundert, dass Verlage nicht längst automatische Suchprogramme benutzen, um abgeschriebene Textstellen aufzuspüren. An meiner Schule wird dafür http://plagiatcheck.de verwendet.

  1. War mir von Anfang an klar und jetzt lach ich mich kaputt über die ganzen SUPERINTELLEKTUELLEN.

    Jubel Jubel, aber ne Kopie nicht unterscheiden können.

    Jetzt lese ich die schönsten Ausreden für den Klau!

  2. feilgeboten werden ist grundsätzlich zu warnen.

  3. Laut Bernd Eichinger ist ein Film den niemand sieht kein Film. Genau so könnte man es auch in diesem Fall betrachten. Hätte die Hegemann die Sätze nicht leichtsinnig abgeschrieben wären sie in deen Annalen der Geschichte wieder verschwunden. Und doch ist das unverschämt eines anderes Geisteseigentum so schamlos zu stehlen. Darum lernt man früh genug in der Schule Quellenangaben zu machen. Kleiner Tipp

  4. und einen Lektor reinzulegen ist auch eine hübsche Leistung.

    DemVerleger würde ich anraten das Plagiat vom Markt zu nehmen oder zumindest, die Einnahmen in einem Vertrag einvernehmlich zwischen den beteiligten Autoren zu splitten.

    • joG
    • 08.02.2010 um 16:17 Uhr

    ...oft Gedanken wieder, die in den Foren zuerst erschienen. Da wird die Quelle auch nicht erwartet.

  5. Ich hab mal ein bisschen in den Blogs herumgestöbert. Die Ähnlichkeit der Themenwahl, die Sprache, die Ähnlichkeit. Das ist schon ein starkes Stück...

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