Die junge Überraschungsautorin Helene Hegemann hat in Berlin ihren 18. Geburtstag gefeiert © Jens Schlueter/AFP/Getty Images

In Bayern werden Politiker schon seit Generationen danach beurteilt, wie viel Maß Bier sie vertragen. Ähnlich ist es mit Helene Hegemann. Egal, ob die zur Stimme der 00er Jahre verklärte Jugendbuchautorin nun eher in der Tradition von Kathy Acker und Maurice Blanchot oder doch in derjenigen von Pro7 zu verorten ist: Was letztlich zählt, und woran Hegemann gerade nach der Airen-Affäre gemessen werden wird, ist ihre Partytauglichkeit. Gestern feierte sie ihren 18. Geburtstag in dem um ein Jahr älteren Berliner Techno-Club Tresor.

Es war zwar nicht ganz das Berghain, aber zumindest konnte es an diesem Abend an einem keinen Zweifel geben: Dass Hegemann in den Tresor reinkam. Mit ihr fanden insgesamt um die 700 geladene Gäste aus der Berliner Kunst- und Kulturszene ihren Weg durch den Schneematsch in den sonst von Brandenburgern frequentierten Technoschuppen. Gekommen waren natürlich der Hegemann-Clan, sowie Nicolette Krebitz und René Pollesch, die Musik machten, Journalisten wie Moritz von Uslar, Luzia Braun und Verena Auffermann, sowie die Crew der Berliner Internet-Seifenoper "Torstraße Intim", wo Hegeman-Vater neuerdings gewissermaßen sich selbst, den Vater, spielt.

Hatten die Gäste erst einmal nach unschönem Gedränge vor der Tür und an der Bar ihre Freibons in Freigetränke getauscht, ging es ab ins düstere Kellergewölbe des Clubs. Dieses war ganz auf den Anlass und den Geschmack des jugendbegeisterten Publikums abgestimmt. Passend zur gereichten Zuckerwatte schwebten rote, mit Helium gefüllte Luftballons mit rosa Schleifchen unter der Betondecke. Die Berliner Agentur K-MB hatte sich der Ausrichtung des Ganzen angenommen, sonst Werbepartner von Kunden wie Reebok, Mercedes-Benz oder Absolut Wodka.

Angenehm kantig setzte sich Ullstein Verlegerin Siv Bublitz von dem Ambiente ab und führte eine kleine Rechtsbelehrung in Sachen geistigem Eigentum durch. Aufgrund der unklaren Rechtslage habe man auf der verlagseigenen Homepage sämtliche Quellen von Hegemanns Buch publiziert, so Bublitz’ vorgetragener Disclaimer. Diese Liste sei auch der ab Montag erhältlichen vierten Auflage des Buches beigelegt. Auf wenig Verständnis stieß das bei den durch Rauchverbot geplagten Partygästen. Das Feedback der kaum auf Vortragslautstärke geeichten Soundanlage des Clubs tat ein Übriges.

Als Hegemann dann endlich mit den Haaren tief im Gesicht zur Lesung auftrat, brandete ein unerwartet enthusiastisches Blitzlichtgewitter auf. Bei der folgenden Lesung blieb die Jubilarin jedoch zurückhaltend und überließ die längsten Passagen der zur Unterstützung mitgekommenen Freundin und Schauspielerkollegin Laura Tonke.

Die an Carl Schmitt angelehnten Thesen des italienischen Philosophen Giorgio Agambens seien wie ein durch Konzentration verzögerter Orgasmus, intonierte Hegemann selbst ihre Teenager-Protagonistin Mifti, wodurch natürlich praktisch irgendwie die gesamte literarische Tradition des Abendlandes hinterfragt wurde: Phallozentrismus und Logozentrismus inklusive. Dass das so sehr nach Volksbühne klingt, macht die Mithilfe des Vaters wahrscheinlich, was jedoch überhaupt nicht verwerflich ist. Auch die aus Airens "Strobo" stammenden Stellen wurden kommentarlos vorgelesen. Der Blogger selbst soll sich anonym im Publikum befunden haben.

Deutlicher waren Tonlagen adoleszenter Verlorenheit, das Thema der Trauer über die tote Mutter und Äußerungen eines allgemein gehaltenen Ennui, die ja nun einmal faktisch den nur wenig originellen Kern von Axololtl Roadkill ausmachen. Gerade im Hinblick auf die autobiografische Färbung dieser Themen kann es keinen Zweifel an der Authentizität von Hegemanns Buch geben.