Helene Hegemann Futter für die infantile GesellschaftSeite 2/2

Die zum Teil verklärenden Porträts und den immensen Erfolg vor Augen, muss man sich gleichwohl um sie eigentlich eher Sorgen machen, so wie sie von ausgehungerten Adoleszenten beäugt, seziert und gefressen wird. Wird sie, wenn man sie mit Titeln wie "Wunderkind" schmückt und dauernd als Tochter des "legendären" Superintellektuellen Carl Hegemann darstellt, überhaupt selbst als Person ernst genug genommen?

Hegemann ist eine besondere junge Frau, sie hat Glück gehabt, in einer avantgardistischen postmodernen Kulturszene aufgewachsen zu sein, und sie hat den Mut und die jugendliche Unverblümtheit, genau dieses Glück, ihr Talent und ihr Wissen entsprechend zu nutzen. Bei vielem ist Hegemann aber noch auf der Suche, stilistisch, inhaltlich. Wenn sie sich jetzt ihre jugendliche Chuzpe, ihren analytischen Blick bewahrt und sich nicht von der orgiastischen Begeisterung beirren lässt, dann wird man von ihr sicher noch einiges Gutes hören – und diejenigen, deren juvenile Sehnsucht sie dann trifft, werden es ihr danken.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Auf Axolotl, aber auch auf Menschen bezogen, fasst der Begriff der "Neotenie" das Phänomen meiner Meinung nach deutlich besser, als der Begriff "Infantilisiert".

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    eine user mit dem nickname "goebbelsS" (mit extra SS) wird hoffentlich bald gelöscht!

    vielen dank

    [Vielen Dank für diesen Hinweis. / Die Redaktion as]

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    • anyweb
    • 05.02.2010 um 19:45 Uhr

    nach dem anfänglich hype, der mittlerweile auch schon seit einer woche abgeklungen ist kommt jetzt die "nüchterne" einschätzung zu tage. spontane ausrufe zur emotionalen wucht des buches machen literarischer einordnung platz.
    dass das buch den zeitgeist trifft und unsere in der jugend verhaftete gesellschaft entblöst ist kein neuer gedanke.
    der kommentar liest sich vielmehr so, als wollten sie die wirre diskussion zusammenfassen und allen aufgegriffenen themen auf einen schlag "herr" werden. bevor ein solcher versuch gelingen kann müssen jedoch mehr als zwei wochen vergehen.

    • Puella
    • 05.02.2010 um 19:50 Uhr

    Schon wieder ein Artikel über Hegemann. "Die Zeit" trägt doch selbst zum hier kritisierten "Hype" bei.

    • xpeten
    • 05.02.2010 um 20:52 Uhr

    Wer kritiert hier? Ein Hype um gute Literatur muss nicht kritisiert werden, mit anderen Worten: Hype wem Hype gebührt!

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    • Puella
    • 05.02.2010 um 23:21 Uhr

    Ach...man kann's auch übertreiben.Vorschußlorbeeren.

    • Puella
    • 05.02.2010 um 23:21 Uhr

    Ach...man kann's auch übertreiben.Vorschußlorbeeren.

  2. ich den ganzen Dreck lesen müsst, dann müsst ich ja auch Harry Schwachsinn lesen, nein Danke! Von dem Hype bekommt anscheinend auch nur ein illustrer Kreis etwas mit. Die Zeit wird zeigen ob es sich hier tatsächlich um ein Stück Literatur handelt, bis dahin ist mir meine Zeit zu schade jeden Hype zu untersuchen/mitzumachen, ich bin schließlich keine 16 jährige Teengöre.Aber wems schmeckt ne?!

    • hagego
    • 05.02.2010 um 23:05 Uhr

    Mann, oh, Mann!

    Kehlmann war gestern! Hegemann ist heute! Und morgen? Hat das ZEIT-Feuilleton schon mal etwas von Jan-Peter Breukenbach gehört? Nee? Schade!

    Dieser gerade 16 Jahre alt gewordene Schüler aus Bietigheim (30 km von Stuttgart entfernt) beendet zur Zeit seinen ersten Roman. Er wird im Herbst bei Diogenes erscheinen. Der Titel, noch als Arbeitstitel 'unterwegs': "Netz, Strümpfe und andere Kleinigkeiten. Aufzeichnungen eines gelangweilten Schülers."

    Breukenbach, dessen Vater Uni-Professor in Freiburg ist, hat mir die ersten 22 Seiten seines Roman-Fragments zugeschickt. Mit der Bitte, mich selbst darüber zu äußern, aber vor allem, 'irgendwie' einen Kontakt zu Florian Illies oder David Hugendick oder vielleicht sogar zur feauilletonistischen Kultfigur Fritz J. Raddatz herzustellen.

    Breukenbach hat eindeutig meinen Einfluss in der ZEIT-Online-Community überschätzt. Ich aber kann seine ersten Zeilen, inzwischen kenne ich weitere Seiten, gar nicht unterschätzen!

    Inzwischen hat er für seine Kurzgeschichte "Das Maul, der Esel und meine verliebte Schwester" den "Young View"-Preis des "New Yorker" erhalten. Er setzte sich unter 491 Einsendungen durch, musste englisch, so weit es ging, amerikanisches Englisch, schreiben.

    Kehlmann hat seinen Weg schon gemacht. Es wäre vermessen, dies abzustreiten. Der Hegemann-Hype läuft noch - schwer zu sagen, wie es mit dem "Wunderkind" weitergeht. Aber von Jan-Peter Breukenbach - da bin ich mir sicher - werden wir noch viel hören.

    • Puella
    • 05.02.2010 um 23:21 Uhr

    Ach...man kann's auch übertreiben.Vorschußlorbeeren.

    • hagego
    • 05.02.2010 um 23:58 Uhr

    (Ergänzung zum Kommentar 6)

    Amelie Fried hat sich soeben sehr treffend über das Buch und die "Person Hegemann" in "Die Vorleser" im ZDF gäußert. Sie sprach davon, dass man ihrer Ansicht nach, Helene Hegemann geradezu vor dem "Hype Hegemann", also sozusagen vor sich selbst, schützen müsse. Das sehe ich auch so. Und habe dies mit meinen recht albernen Zeilen im Kommentar 6 versucht. "Ablenkung" - das war auch mein Stichwort, als ich die vielen, zumeist guten, manchmal viel zu guten Kritiken gelesen und gehört habe.

    Ich habe das ja schon mal an anderer Stelle erwähnt. Es muss furchtbar sein, wenn du als Schriftsteller deinem Erstlingswerk später im Leben nur noch hinterher läufst. Und diesen allerersten Erfolg (= Hype) wohl nie mehr erreichst. Nie mehr erreichen kannst.

    Die Zeiten ändern sich. Die Schriftstellerin, mit inzwischen ganz anderen Erfahrungen, ändert sich und schliesslich ändern sich auch die Leserinnen und Leser. Ja, sogar die Lesegewohnheiten ändern sich.

    - - -

    Die Sendung "Die Vorleser" mit Amelie Fried und Ijoma Mangold gefällt mir nach wie vor. Ich merke das schlichtweg daran, dass ich denke, wenn sich beide von den Zuschauern verabschieden; schade, es könnte ruhig noch etwas weitergehen! Lediglich das Kumpanen-Du stört mich. Nicht, dass ich gegen das Duzen wäre, aber in der Sendung wäre die Netzer-Delling-Variante besser: "Dass hätten Sie kaum besser sagen können, Herr Delling, wenn es nicht grundweg verkehrt wäre!"

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    Leser strahlen. Leserinnen auch.

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