Hörbuch "Lyrikstimmen" Singt für uns, ihr Dichter!Seite 2/2

Der ernste Höhepunkt einer bisweilen sehr lustigen Sammlung ist ein Gedicht, das im Titel nicht eine Sonate, sondern eine Fuge trägt. Paul Celan scheint im Vortrag von 1958 die Verse seines Gedichts Todesfuge in einem Crescendo von zwei Minuten und neunundvierzig Sekunden erst zu gebären. Die schwarze Milch der Frühe, der Meister aus Deutschland, sein blaues Auge, Margarete und Sulamith, die blitzenden Sterne. Viel ist diskutiert worden über den Widerstreit von Schrecken und Schönheit in diesem Text. Celan bringt beides zusammen. Er artikuliert einen Widerspruch und artikuliert sich widersprüchlich. Weich und hart. Leise und laut. Wütend und sanft. Auch Paul Celans Vortrag erinnert an Musik.

Deswegen ist den Lyrikstimmen Großartiges gelungen. Lyrik, das war doch die Gattung, deren Name von der Lyra stammt, diesem antiken Zupfinstrument. Texte, die sich singen lassen, genau die hat der Hörverlag zusammengetragen. Bevor Menschen Literatur aufgeschrieben haben, haben sie Verse aufgesagt und vorgesungen. Das tun die Dichter für uns wieder. Gottfried Benn, Karl Kraus, Ingeborg Bachmann, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Günter Grass, Hans Magnus Enzensberger, Michael Lentz und viele mehr. Und bei fast jedem lässt sich ein Dialekt erraten.
 

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Dank

    Ich möchte ich mich bei der Redaktion der "Zeit" für die Möglichkeit, Paul Celans beeindruckende "Todesfuge", die ich mehrmals mit meinen Studenten besprochen habe, in der Ausführung des Autors zu hören, recht herzlich bedanken.

    Sowohl das Hörbuch selbst als auch die Besprechung weiß ich als Auslandsgermanistin zu schätzen!!!

  2. Hesse oder Schwitters, Lyrik ist im Vormarsch, trotz manch Romangewitters. Wo Autoren Seiten füllen, füllt der Dichter vier und zehn Zeilen. Zeit die der modern gehetzte Mensch erübrigen kann und vielleicht findet er über Lyrik wieder den Zugang zu Shortstorys, Novellen und Romanen. Wenn uns nun die Dichter selbst noch einmal ihre Werke nahe bringen, so kann dies Ansporn sein, die Rhythmus neu zu bewerten. Doch ist dies wichtig?!? Nein, jedem sein Rhythmus gehört zu seinem Organismus und das man Dichtung spannend, bis hin zu einer Vertonung. Hofmannsthal ist durchschritten, hinauf Jugend, tut Worte neu Verkitten und nehmt die Götterdichter wie sie sind. Einmalig!

  3. (winnermobil) Wer Geld sparen will, wird auch im Internet fündig, eine weitere tolle Zusammenstellung von O-Tönen der Meister.

  4. ...hätten wir doch die Stimme von Franz Kafka...das wäre was...aber so...

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