Benjamin von Stuckrad-Barre Und sonst so, Deutschland?Seite 2/2

Der große Reporter Ryszard Kapuscinski schrieb einst: "Schreiben heißt soviel wie auswählen und verschweigen." Benjamin von Stuckrad-Barres Texte tun das Gegenteil. Sie verschweigen kaum etwas, sie ufern aus, kalauern, formulieren herum, wuchern und bilden dergestalt den Lärm und das Gequatsche ab, das dem Autor so begegnet ist. Oft gelingen ihm dabei pointierte soziokulturelle Annäherungen. Sitzt Stuckrad-Barre auf einer Party des Google-Konzerns herum, kommt so etwas heraus:

"Wer mal zu Besuch bei einer Sekte war, kennt diese beängstigende, psychologisch geschulte Art, mit Besuchern umzugehen, egal wie irr klingen mag, was die so sagen, immer wird erstmal genickt und das Gesagte für 'interessant' befunden. Und immer fällt diesen Leuten noch eine Ergänzung ein, die das Gespräch voranbringt, das irr Gesagte aber miteinbezieht: Dann werde mich bestimmt interessieren, schließt der Google-Mann an, wie viele verschiedene Schreibweisen von Britney Spears schon bei Google eingetippt worden sind. Aber ja, das will man wissen! Tja – 786. Bridnej Schbiehrß? Zum Beispiel."

Viele Seiten vorher fragt er, nachdem er alle Debattierkniffe von Michael Naumann, ehedem Hamburger Bürgermeisterkandidat, aufgezählt hat: "Und sonst so?" Ja: Und sonst so, Politik, Volk, Deutschland? Dieser Frage folgend könnten viele der Szenen gelesen werden. Bei anderen stellt sich hingegen eine weitere. Warum nur? Warum braucht es eine minutiöse Analyse von Udo Lindenbergs aktuellem Album? Warum sehen wir dem Autor beim verschwafelten Plattenkaufen zu? Warum beim Zahnarztbesuch? Warum lässt er seitenlang Grönemeyer gegen Westernhagen antreten? Diese Episoden sind entbehrlich, oder wie der Autor sagen würde, die "egalsten" Texte in dieser ansonsten höchst unterhaltsamen Inventur deutscher Verhältnisse.

 
Leser-Kommentare
  1. Den Typen gibt's noch!?!?! [Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Diskussion. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  2. Bitte bemühen Sie sich um die Erkenntnis, dass die Drogensucht des Herrn v. Stuckrad-Barre einer Tatsache entsprach.

    Vielleicht hilft ja, zu recherchieren, liebe ZeOn.

  3. 3. unfug

    B. Stuckrad-Barre ist ein denkbar langweiliger Autor. Er hat keinerlei Witz oder gar Ironie, seine Betrachtungen sind planlos und gehen meist weit am eigentlichen Geschehen vorbei. Kein Wunder, dass so einer für den Springer-Verlag arbeitet, wenn man es denn Arbeit nennen möchte. Phantasielosigkeit im fortgeschrittenen Stadium trifft es wohl besser.

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    für Ihren Kommentar. Dachte schon, ich sei der einzige, dem dieses Artikelchen hier aufgefallen ist.

    B. v. S.-B. hat nicht mehr Zeug, als zu einem drittklassigem Autor, dessen "Werke" ausschließlich bei spätpupertierenden Abiturientinnen, die nach einer Abwechlsung von der energiezehrenden Prüfungsvorbereitungszeit suchen, Begeisterung auszulösen vermag. Blanke Berieselung, nichts weiter. Dass er damit einfach nur schnell reich werden wollte, ist so offensichtlich. Das wirkt so abstoßend...

    für Ihren Kommentar. Dachte schon, ich sei der einzige, dem dieses Artikelchen hier aufgefallen ist.

    B. v. S.-B. hat nicht mehr Zeug, als zu einem drittklassigem Autor, dessen "Werke" ausschließlich bei spätpupertierenden Abiturientinnen, die nach einer Abwechlsung von der energiezehrenden Prüfungsvorbereitungszeit suchen, Begeisterung auszulösen vermag. Blanke Berieselung, nichts weiter. Dass er damit einfach nur schnell reich werden wollte, ist so offensichtlich. Das wirkt so abstoßend...

  4. für Ihren Kommentar. Dachte schon, ich sei der einzige, dem dieses Artikelchen hier aufgefallen ist.

    B. v. S.-B. hat nicht mehr Zeug, als zu einem drittklassigem Autor, dessen "Werke" ausschließlich bei spätpupertierenden Abiturientinnen, die nach einer Abwechlsung von der energiezehrenden Prüfungsvorbereitungszeit suchen, Begeisterung auszulösen vermag. Blanke Berieselung, nichts weiter. Dass er damit einfach nur schnell reich werden wollte, ist so offensichtlich. Das wirkt so abstoßend...

    Antwort auf "unfug"
    • hagego
    • 23.02.2010 um 14:20 Uhr

    Manchmal haben Bücher ja auch so etwas wie einen antizipatorischen Charakter.

    Gestern ist der CDU-Generalsekretär für Nordrhein-Westfalen zurückgetreten. Er soll Gespräche und Treffen zwischen dem NRW-Ministerpräsidenten Rüttgers und der Wirtschaft gegen Geld oder Spenden in Aussicht gestellt haben.

    Hendrik Wüst (CDU) übernahm damit die Verantwortung in der sog. "Sponsoring-Affäre".

    Bestätigt sich dieser Vorfall - und hat der Ministerpräsident selbst davon Kenntnis gehabt - dann allerdings wäre das ein Skandal! Man stelle sich vor: Unsere Volksvertreter - und nichts anderes sind Abgeordnete! - die also in unserem Namen Politik machen, wollen von uns auch nochmals finanziell entlohnt werden, wenn wir mit ihnen sprechen wollen. Oder umgekehrt: Die Abgeordneten, die dem Volk gegenüber "auskunftspflichtig" sind, lassen sich den "Talk mit dem gemeinen Volk" bezahlen.

    Ich spreche nicht vom Lande, wo die Bananen wachsen; ich spreche nicht von einer Bananenrepublik - ich spreche von diesem, unserem Lande!

    Wo der Boni ruft, kommt der Sony frei Haus...

  5. Ich habe jetzt schon so viele gute Rezensionen über dieses Buch gelesen und nehme mir durchaus vor es zu kaufen. Über Benjamin von Stuckrad-Barre wird immer so viel gesagt, er hat so eine Aura von Skandal, aber irgendwie kommt nie etwas Konkretes dabei raus.

    Und der Titel ist einfach köstlich. Der Spruch "Auch Deutsche unter den Opfern" ist mein kleines Pet Peeve. Jedes mal wenn ich das nach einem Unfall/Katastrophe irgendwo im Ausland höre, denke ich mir "Ui. Toll. Und wieviele aus den anderen Ländern? Ist das jetzt wichtig?". German causalities als Determinant? Und das kollektive Aufatmen wenn "Keine Deutsche unter den Opfern" sind - herrlich. Ich liebe Deutschland.

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    Ja, genial. Einfach irgendeine Leerformel aus den Nachrichten genommen, kennt jeder, weiß jeder, super. Seine nächsten Bücher heißen dann wohl "Alle Angaben ohne Gewähr", "Und nun das Wetter" oder vielleicht auch "Näheres regelt ein Bundesgesetz".

    Ja, genial. Einfach irgendeine Leerformel aus den Nachrichten genommen, kennt jeder, weiß jeder, super. Seine nächsten Bücher heißen dann wohl "Alle Angaben ohne Gewähr", "Und nun das Wetter" oder vielleicht auch "Näheres regelt ein Bundesgesetz".

  6. Was ist denn bittesehr ein "Designer..." moment, muss nochmal nachsehen: ...ein "Designer-Outlet"?

  7. Ja, genial. Einfach irgendeine Leerformel aus den Nachrichten genommen, kennt jeder, weiß jeder, super. Seine nächsten Bücher heißen dann wohl "Alle Angaben ohne Gewähr", "Und nun das Wetter" oder vielleicht auch "Näheres regelt ein Bundesgesetz".

    Antwort auf "German Causalities"

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