Der Roman "Axolotl Roadkill" Der Lurch kommt durch
Neues von Helene Hegemann: Das Hamburger Thalia-Theater erwägt, ihr Romandebüt auf die Bühne zu bringen. Ein Amphibien-Abenteuer.
Das waren goldene Schlussworte. "Lange schallt’s im Walde noch: Salamander lebe hoch!" Das waren noch Abenteuer – als Lurchi und seine Freunde Hopps, Mäusepiep und Unkerich mit gutem deutschen Schuhwerk durch die Welt marschierten und den Bösen die Amphibienstirn boten. Lurchi wurde zwar wiederbelebt, aber im Zeitalter der Turnschuhe hat es der treuherzige gelbschwarze Kerl schwer: ein Opfer der Globalisierung.
Ein mexikanischer Verwandter hat ihm nun den Rang abgelaufen. Er hört auf den schönen Namen Axolotl und scheint sich auch in natura zum Bestseller zu entwickeln. Der Erfolg eines gewissen Romans werde "sehr förderlich für den Absatz" der mittelamerikanischen Schwanzlurche sein, erklärte der Präsident des Zentralverbands Zoologischer Fachbetrieb in Deutschland. Auch sonst gibt es Neuigkeiten von der Helene-Hegemann-Front. Offensichtlich arbeitet die 18-Jährige an einem neuen Film, während das Hamburger Thalia Theater über eine Bühnenfassung von Axolotl Roadkill nachdenkt. Ist auch logisch, denn damit kehrt der nachtaktive mexikanische Schwanzlurch in den dampfenden Sumpf der Theaterkantinen und Premierenfeiern zurück, in dem er groß geworden ist. Klauen und Verklappen gehört dort ebenso zum Handwerk wie all das Teufelszeug des Regietheaters. Und irgendwie hängt ja auch die Kehlmann-Debatte des letzten Sommers mit der winterlichen Hegemann-Debatte unseres Missvergnügens zusammen. Es war Kehlmanns Held Alexander von Humboldt – dies nur nebenbei –, der von einer Amerika-Expedition das erste Axolotl-Pärchen nach Europa mitbrachte.
Klar, der Lurch ist durch, man hat das Thema satt. Aber Lurche lieben die Metamorphose und verstehen es, ihren Fressfeinden zu entschlüpfen. Nächste Woche ist Buchmesse in Leipzig, da wird das literarische Getier wieder wieseln und wuseln. Als kleine Handreichung für den Messedschungel sei an den Nobelpreisträger T. S. Eliot erinnert, der einst folgendes Axolotl-Axiom aufstellte: "Unreife Dichter imitieren; reife Dichter stehlen; schlechte Dichter zerstören, was sie sich unter den Nagel reißen, und gute Dichter machen etwas Besseres oder wenigstens etwas anderes daraus."
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 10.03.2010)
- Datum 10.03.2010 - 12:10 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 32
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






VORSICHT SPOILER:
Man weiß im Roman gar nicht, was am Schluss mit dem Axolotl passiert ist. Wenn er wenigstens an einer Wand zerquetscht worden wäre oder so, oder sein Lächeln wiedergefunden hätte, aber nein, nichts, es ist einfach zu Ende das Buch, ohne dass man weiß, was mit dem Tierchen passiert ist. Für mich die größte Enttäuschung bei diesem Roman.
Bitte machen Sie weiter! Ach, in Sachen Helene Hegemann freu ich mich ja schon so über die Berichte zu:
Hochzeit
Baby
Scheidung
Drogenexzesse
Romanverfilmung
Erschienene Autobiographie
...
*Ironie off*
ist doch Standard, diese schriftstellerische Niveau habe ich bei "open mic" Leseabenden an Donnerstag Abenden in der Provinz gefunden und ihr schreibt sie groß, indem ihr ihr ein Drittel eurer Onlineausgabe widmet, das ist fragwürdig. Das Eliot Zitat kann nicht ihren Diebstahl entschuldigen, ich könnte dagegen aus den 10 Geboten zitieren oder aus dem gesunden Menschenverstand beides hat sicher mehr Relevanz als eine Gemütsregung von Eliot.
Wir hatten Goethe, wir hatten Thomas Mann, und wir haben auch heute noch gute Schriftsteller wozu also brauchen wir diese Göre, es gibt Tausende wie sie - PopLiteraten - sie ist außerdem die Tochter ihres Vaters und das macht es für mich noch schlimmer, denn wäre es nicht so, würde jeder ihre Mittelmäßigkeit zu erkennen glauben.
Wenn ich mich noch etwas mehr in Rage schreiben würde, müsste ich auch noch hinzufügen, dass mir der Anblick ihres Gesichts mittelmäßige Schmerzen bereitet, aber ich habe mich unter Kontrolle und will ja eine ZeitZensurRüge a là "Vermeiden sie persönliche Beleidigungen" vermeiden.
--wäre sie nicht im Feuilleton, sondern in einer Therapie,
Das Ganze ist eine zynische Posse, wahrscheinlich vom Vater des Topmoppels und seinem Netzwerk inszeniert.
in dem es darum geht, dass Karl Marx ein preußischer Regierungsagent war. Dafür interessiert sich leider niemand. Wieviel muss man für eine Rezension gewöhnlich zahlen?
Weiß auch nicht, was die alle mit dem jungen Moppel (danke madamef) und ihrem komischen Buch wollen. Von den Artikeln mit dem Foto der Autorin ganz zu schweigen.
Zum mexikanischen Axolotl: Er ist einfach zum Knuddeln süß,hat das perfekte Kindchenschema. Zu Helene Hegemanns Axolotl: der hat irgendwie Pech, am Ende hängt er da und man weiß nicht so recht wie, und welches Schicksal ihn bei Mifti ereilen wird. Eigentlich hab ich so was wie vorauseilendes Mitleid mit dem Tierchen, weil ich fürchte, dass er in der Toilette runtergespült wird und in den Abwasserkanälen Berlins landet, um dort von einer fetten Ratte gefressen zu werden. Zum Buch selbst: Es traf mich auch wie ein "Kugelblitz", gewissermaßen sogar wie ein "literarischer", denn es ist genial geschrieben, wobei sich "genial" keineswegs auf diesen verbalen Fäkalmassenfriedhof bezieht. Diese Mifti ist eine Art literarischer Supernova.
Ihr Kommentar ist auch so sprachlich verwirrend genug, was Ihre Intention nur um so schwerer erahnen lässt....
Da hätte es auch der Nachkorrektur nicht unbedingt bedurft... ;)
@topic: Könnten sich alle Kulturschaffenden und -Rezipierenden bitte darauf einigen, eine Generalamnesie zu erlassen und das Thema Hegemann zukünftig zu ignorieren?!?
Hegemann und Literatur allein in einem Satz stehen zu lassen bedarf einer gewissen Kühnheit...
Also ich hab den Kommentar von Amanda Donata schon auch ohne die Korrekturen verstanden. Nicht schlecht interpretiert. Und Gitta Kohl scheint die erste Person hier zu sein, die positives Feedback zu dem Roman gibt, da schau her. Ich halte dieses Buch schon auch für gut geschrieben, ein Cocktail aus Rauschzuständen, wo Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Träume zu einer chaotischen Realität verschwimmen, was das Lesen selbst zu so einer Art chaotischen Rausch macht. Ehrlich, nicht schlecht. Nur ist das nicht Massentauglich. Und da mag jemand noch so literarisch versiert und belesen sein, diese Sprache bewegt sich im Rahmen einer Generation, die weder literarisch versiert noch groß belesen ist, sondern sich eben eher in Diskotheken rumtreibt und mit Drogen auskennt. Ich bekomm also als Buchhändler von den meisten Leuten, die dieses Buch bei mir kaufen eher negatives Feedback. Schrecklich, sagen die meisten nur, schrecklich schrecklich dieser Fickundkotz-Jargon. Und am Ende bleibt im Allgemeinen diese Vulgärsprache, dieses Tabubrechen der Hauptaufhänger des Buchs. Braucht es heute wirklich immer nur solche Aufhänger? Oder vielleicht wird irgendwann mal ein Buch auf diese Art gehypet, das auch wirklich gut ist und bei dem mir meine Kunden danach sagen: Das war mal wirklich gut. Und nicht schrecklich schrecklich, auch wenn es gut geschrieben sein mag.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren