Zur Leipziger Buchmesse Frühlingserwachen mit Nintendo
Ein Jahr nach seiner Einführung in Deutschland steht das E-Book vor dem Durchbruch. Wie wird es das Lesen, das Schreiben und die Verlage verändern?
© Uwe Anspach dpa/lhe

Gleicher Inhalt, andere Aufmachung – das E-Book zwischen klassischen Buchformaten
Der Abschied vom Gutenberg-Zeitalter, verspricht die Werbung, wird wundervoll sein. Wir bekommen das Wertvollste von gestern, das Beste von heute – und die Zukunft sowieso. Wir werden, wie der jüngste Kinospot von Nintendo behauptet, gemütlich auf dem Sofa sitzen, unser DSi XL aufklappen und Frank Wedekinds Frühlings Erwachen lesen. Schönheitsfehler eins: Wer beschäftigt sich schon freiwillig mit einem Drama? Schönheitsfehler zwei: Wer außer dem Besitzer einer solchen Konsole und anderer geschlossener Systeme würde das Stück zusammen mit 99 weiteren Klassikern, die der Deutsche Taschenbuch Verlag elektronisch aufbereitet hat, überhaupt noch kaufen? Wedekinds gesammelte Werke sind für jeden Besitzer eines Computers, eines Kindle oder eines iPhone über das Internet-Archiv und andere Portale längst in allen gängigen Formaten kostenlos erhältlich. Schönheitsfehler drei: Wer würde auf einem zunächst fürs Spielen ausgelegten Gerät die Gelegenheit zu konzentriertem Lesen suchen?
Die Botschaft des Spots mag absurd sein. In der Suggestion, dass Erwachsene neben Gehirnjogging und Daddelei sich (und ihren Kindern) auch tiefere Inhalte vermitteln können, ist sie raffiniert. Vor allem charakterisiert sie unseren allgemeinen Umgang mit der digitalen Revolution. In dem Maß, in dem wir uns damit beruhigen, dass alles, was unseren Erfahrungsraum ausmacht, im Wesentlichen so weitergeht wie bisher, hysterisieren wir uns, mal freudig, mal ängstlich damit, dass eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Die Idee von Kontinuität konkurriert mit der des Bruchs. So kommen Bilder wie die der Bikinischönheit zustande, die mit ihrem E-Reader genussvoll am Strand liegt, während jeder vernünftige Mensch dabei den Sand leise am Display knirschen hört.
- Leipziger Buchmesse 2010
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1500 Autoren und 2100 Aussteller aus 39 Ländern haben sich für die vier Messetage vom 18. bis zum 21. März angekündigt.
Eröffnet wird die Buchmesse im Leipziger Gewandhaus mit einer Rede des in Berlin lebenden Ungarn György Dalos. Er erhält den Buchpreis zur Europäischen Verständigung für sein Werk Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa.
- Programmschwerpunkte
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Ein Fokus liegt auf der Kinder- und Jugendliteratur mit Autoren wie dem Sams-Erfinder Paul Maar und dem Fantasy-Autor Wolfgang Holbein. Etwa 1000 Schulklassen werden erwartet. Rund 400 Lesungen, Workshops und Aktionen gibt es für Kinder. Von den rund 300 Lesungen des Rahmenfestivals "Leipzig liest" findet jede zweite in einer Schule oder in einem Kindergarten statt.
Weitere Schwerpunkte gelten wie in den vergangenen Jahren den südosteuropäischen Literaturen, dem Comic und dem Hörbuch. Erstmals haben Musikverlage einen eigenen Ausstellungsbereich.
- Verleihung
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Am Donnerstagnachmittag wird der Leipziger Buchpreis vergeben. Unter den nominierten Kandidaten in der Kategorie Belletristik befindet sich auch Helene Hegemann mit ihrem Roman Axolotl Roadkill.
Weitere Infos gibt es unter www.leipziger-buchmesse.de
Ein Jahr nach seiner Einführung auf dem deutschen Markt ist das E-Book in Deutschland noch ein Phantom. Doch seine Unsichtbarkeit täuscht. Die Branche kennt kaum ein anderes Thema. In den Verlagen tagen die Arbeitsgruppen, der stationäre Buchhandel zittert, und die Hardwareindustrie sinnt auf Konkurrenz zu Apples iPad, das als Multimediastation den Sturm entfachen könnte, auf den Sony mit seinem allein für die Textdarstellung konzipierten Reader vergeblich hoffte. Die Ahnung, dass die kognitive Wende hinter uns liegt und nur noch keinen angemessenen technologischen Ausdruck gefunden hat, treibt alle um.
Während weder das Google Book Settlement vom Tisch ist noch das iPad auf dem Markt, macht jeder seine eigene Wette auf das Kommende. Der Berliner Wissenschaftsverlag De Gruyter bietet ab sofort seine gesamte Backlist seit dem Jahr 1749 an: als E-Book zum Download oder –mit einer Lieferfrist von zehn Wochen – als Hardcover Reprint. 60.000 für die Langzeitarchivierung aufbereitete Titel sind in dieser sogenannten E-dition erhältlich.
Der bisher als reiner Publikumsverlag bekannte Berlin Verlag kündigt für den Sommer die Online-Plattform Berlin Academic an, auf der geistes- und sozialwissenschaftliche Publikationen nach dem Open-Access-Modell gratis veröffentlicht werden sollen: Die Kosten trägt nicht der Leser, sondern der Wissenschaftler oder dessen Institution. Der Verlag tritt als reiner Dienstleister auf – bei den momentan üblichen Gebühren von mehreren tausend Euro unter Umständen eine lukrative Sache. Das Berliner IT-Startup Smart Media Technologies wiederum stellt einen codierten USB-Stick vor, dessen Buch- oder Zeitschrifteninhalte an jedem beliebigen Endgerät lesbar sein sollen: ein Mittelding zwischen digitalem Datensatz und materiellem Träger, mit dem man der Piraterie ein Schnippchen schlagen will.
- Datum 17.03.2010 - 11:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Toll, da können wir ja bald auch illegal Bücher downloaden!
@ Zeit.de: E-Books gibt es schon seit über zwanzig Jahren, auch in Deutschland; dabei handelt es sich einfach um Bücher in digitalisierter Form, meistens im pdf-Format, oft gespeichert auf Rechnern und externen Festplatten.
Sie meinen wohl ganz allgemein "E-Book-Reader", mobile Geräte zum Anzeigen von E-Books, die es von Apple, Amazon u.a. gibt.
Ein Gerät, das auch tatsächlich "E-Book Reader" heißt, gibt es von Sony.
Aber zu schreiben, dass das "E-Book vor einem Jahr eingeführt wurde", ist in der Formulierung völliger Unsinn.
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