Lit. Cologne Starke schwache FrauenSeite 2/2

Ähnlich wie Catherine Millet, die wenige Tage zuvor, ebenfalls vor ausverkauftem Haus über ihre krankhafte Eifersucht zum gleichnamigen Buch sprach. Als Selbstlüge entlarvte sie hier ihre vermeintliche sexuelle Freiheit, denn vor der rasenden triebhaften Eifersucht, die sie als "erniedrigend" empfand, war sie nicht gefeit. Gelungen war dieser Abend vor allem, da Millet viel zu Wort kam, weniger las, sondern redete: Etwa auch über den "Wahnsinn" ihrer Mutter, deren Neurosen sie nun auch punktuell in sich gespürt habe – dadurch wurde das Ganze eine sehr persönliche Veranstaltung einer imposanten Intellektuellen, die so privat über ihre schwachen Momente sprach.

Zur Lit.Cologne kamen im vergangenen Jahr mehr als 65.000 Besucher, sie ist eine Mischung aus Massenevent mit Literaturstars einerseits und anspruchsvollen Themenabenden andererseits: Lesungen bestehen idealerweise nicht nur aus dem Vorlesen, sondern auch aus gut moderierten, langen Gesprächen. Außerdem gibt es Veranstaltungen, die sich eines ungewöhnlichen Themas literarisch annehmen. So zum Beispiel diesmal den Herrenmagazinen der fünfziger Jahre, ein witziges, erfrischendes Sujet. Jedoch gab der Abend mit Götz Alsmann außer ein paar hübschen Nacktfotos aus den Magazinen Gondel, Paprika oder Figaro nicht so viel her, wie er versprach – zu viel Klamauk, zu wenig Kulturkritik.

Bis Samstag wird allerdings noch einiges geboten, darunter weitere starke Frauen: Patti Smith stellt ihre Memoiren Just Kids vor. Alice Schwarzer, Maria Schrader und Sandra Hüller entdecken die jüdisch-französische Schriftstellerin Irène Némirovsky wieder. Eva Menasse kommt und spielt Patin für ihren Landsmann und Nachwuchsautor Clemens Berger. Margaret Atwood liest, und – wie könnte es anders sein – die gefragte Helene Hegemann, die mit zwei Kollegen (Ulrike Almut Sandig und Leif Randt) um den Silberschweinpreis konkurriert, einem Preis, der nach einer bekannten Kölner Partyreihe benannt ist.
 

 
Leser-Kommentare
  1. eigenartig, dass man das immer vorne hinschreiben muss, weil es wahrscheinlich keinem auffällt

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