Lyrik von Ron Winkler Sloterdijk, obdachlos
Poesie, in der es kracht, knallt und aus voller Kanne Sinnlichkeit regnet: Der Berliner Dichter Ron Winkler hat eine Lyrikrakete gebaut.
© Juliane Henrich

Ron Winkler, geboren 1973 in Jena, lebt in Berlin
Vom weitverzweigten Metropolengedicht über atmosphärische Skizzen und Momentaufnahmen bis zu überraschenden Zweizeilern birgt der Band von Ron Winkler einen in der Lyrik ungewohnten Abwechslungsreichtum, der zu einer extremen Lesegeschwindigkeit führt: Man will sich die Gedichte einverleiben. Und zwar schnell! Ein großer Rausch.
Ron Winkler, 1973 geboren, ist ein Sprachraumforscher des 21. Jahrhunderts und als solcher einer der wenigen, die diese Bezeichnung auch verdienen. Die unglaubliche Leichtigkeit und Frische, die man schon bei seinem ersten Gedichtband Vereinzelt Passanten (2004) feststellte, setzt sich in seinem neuen Buch fort. Winkler arbeitet mit einer zielgenauen Sicherheit für eine ungewöhnliche Homogenität, die Technizismen, Fachsprachen, Versatzstücke aus der Medienwelt und zeitgenössische Sprechweisen in einen elegant fließenden Mix bringt. In Fragmentierte Gewässer (2007) ließ der Autor Grundelemente der Poesie wie Landschafts- und Naturgewalt-Bilder an wissenschaftlichen und technischen Begriffswelten zerschellen. Und auch als Herausgeber einiger Anthologien mit Dichtern seiner Generation hat Winkler Trends gesetzt. In Frenetische Stille übertrifft er die Erwartungen.
Da ist die Rede von "obdachlosen Sloterdijks", "fiction victims" und davon, "dass man nach hundert Vorlesungen im Sozialamt einen Besuch gratis erhält". Es finden sich wunderbare Zeilen, die die Stimmung dieser Tage auf den Punkt bringen: "Wir spürten die Mischung aus Revolte und Parkplatz." Oder: "Ich bin dir noch in jedes Nichts gern gefolgt." Es geht "um das Glück in mobilen Großstädten, bewohnt von statischen Ichs".
Winkler wirft "die Einrichtung Sonne" und "das Esoteriksignal Mond" an das Himmelszelt seines Bildschirmschoners. Der Band zeigt mehr als einen Weltverlust einen Vorrangigkeitsverlust auf: Demokratie den Signalen! Auch Gott erscheint gelegentlich und taucht unter ("die Zeit, in der Gott ein Beruf war", "Gottfäller zogen an uns vorbei, wie Spams"). Zeilen wie "Asphaltinhos und Asphaltinhas, die uns Ichs anboten, die sie selbst nicht besaßen" weisen in die Richtung einer post-postmoderner Ich-Auslagerung. Aus den Körpern in die Welt?
Wenn schon der Sinn in diesen Zeiten dünn gesät ist, dann aber sollte es aus voller Kanne Sinnlichkeit regnen. Und das tut es! Auch Peter Glaser hätte seinen Spaß an diesen Gedichten. Es sind viele abgefahrene Bilder, die Winkler zum Leuchten bringt. Und es sind auch solche dabei, die vor entpsychologisierten Ebenen spielen … "man sollte hier fäulnis üben".
- Datum 24.03.2010 - 10:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 11
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danke für diesen hinweis auf das neue werk von ron winkler, klingt gut und kommt auf den ostertisch!
hatte grad den einfall sloterdijk mit sinnhaftigkeit zu assoziieren! köstlich geradezu an diesem beispiel die geistige implusion eines interlektuellen zu erleben. auf diesem level gibt man sich dann ja auch gern mal resistent und verstrickt sich in der absoluten unumstößlichkeit der eigenen wahrnehmung. zur zeit der spätrömischen dekadenz wäre der gute peter sicher ein könig des geschliffenen wortes und ein vorreiter des scharfen verstandes gewesen. tja, wie die zeiten sich ändern, lieber peter. heutzutage wirst du aufgrund deiner letzten entgleisungen vom volk und ein paar, nach deiner definition idioten und ewig gestrigen, zu deinem unverständnis geschmäht. der bleibt eigentlich nur noch der rat an dich, lieber peter, wähl fdp und ziehe dann in die schweiz! zug soll schön sein!
solch einen schlecht geschriebenen artikel hat ron winklers buch nicht verdient. es ist zu empfehlen, aber doch nicht in dieser art. ich bin entsetzt und schnaube laut auf, was so
alles unter dem deckmantel der "ZEIT" heutzutage sich verbirgt. eine katastrophe!
dem Autor ja auch bei Gelegenheit, daß es Graffiti heißen muß.
Und wenn wir schon dabei sind: "die schon einigen Abrieb haben und mit Kratzer und Graffitis übersät sind", Abrieb haben ist schwer möglich, ist es doch der Abrieb der dem Gegenstand fehlt.
Und es heißt natürlich "mit KratzerN ...übersät"
Egal, Schlamm drüber.
dem Autor ja auch bei Gelegenheit, daß es Graffiti heißen muß.
Und wenn wir schon dabei sind: "die schon einigen Abrieb haben und mit Kratzer und Graffitis übersät sind", Abrieb haben ist schwer möglich, ist es doch der Abrieb der dem Gegenstand fehlt.
Und es heißt natürlich "mit KratzerN ...übersät"
Egal, Schlamm drüber.
dem Autor ja auch bei Gelegenheit, daß es Graffiti heißen muß.
Und wenn wir schon dabei sind: "die schon einigen Abrieb haben und mit Kratzer und Graffitis übersät sind", Abrieb haben ist schwer möglich, ist es doch der Abrieb der dem Gegenstand fehlt.
Und es heißt natürlich "mit KratzerN ...übersät"
Egal, Schlamm drüber.
Das Ding is jetzt durch, wie unsere alten Seemänner sagen, de kerl hat sich lange genug herumschlawiniert und nun geht es an die Töpfchen..
"dass man nach hundert Vorlesungen im Sozialamt einen Besuch gratis erhält"
ist ein billiger Satz wie ihn eigentlich kein Dichter
schreiben sollte, aber egal. In Deutschland wird noch
aus jeder Flöte eine Pfeife gemacht und das gibt dann
hundert Punkte....HURRA
Die Sprechweise des Artikels ist da und dort vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber sie scheint dem Verfasser eben echtester Ausdruck seines emphatischen Urteils zu sein. Das kann man auch für gut befinden, dass er nun mal keine immer hochziselierte oder (in der Literaturkritik) abgegriffene Sprache wählt.
die schreibweise des artikels ist, ganz richtig, eine sprechweise. gegen diese hätte ich nicht, würde sie nicht als lyrikrezension (i.e. literaturkritik) in DIE ZEIT erscheinen, wäre es nur ein party-gespräch, ich würde mich über solch ein emphatisches schulterklopfen doch freuen, aber es kann doch nicht sein, dass alles, was ich wichtigen zeitschriften geschrieben wird gleichgemacht wird mit party-gerede!!! literaturkritik ist ein genre, es ist wichtig, dass dies mit all seinen regeln dieser kunst erhalten bleibt und es ist NICHT partygerede! es kann doch nicht sein und ich bin weiterhin schockiert, trotz der lieben sozialarbeiterischen besänftigungsmails von mädchen. danke.
die arme zeit. die arme literatur. der arme ron winkler. so viele sprachliche mängel, so eine schande.
meinen kommentar auch mit rechtschreibfehlern durchsetzt, die ich nun korrigieren würde, was aber nicht geht, daher entschuldige ich mich hierfür.
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