Arthur Rimbaud Sogar Unterwäsche gibt's von ihm
Che Guevara, James Dean, nein: Arthur Rimbaud! In Paris feiert eine Ausstellung den Dichter als Ikone des Pop. Das geht nicht immer gut.
© Paris bibliothèques

Arthur Rimbaud als knalliges Plakat des Künstlers Pedrô
"Man muss absolut modern sein." Zumindest an der Oberfläche hält sich die Ausstellung über Arthur Rimbaud an dieses berühmte Credo des französischen Dichters. Das Plakat zeigt ein knalliges Werk des Straßenkünstlers Pedrô, und auch der Titel in der Pariser Galerie des Bibliothèque s will so modern wie möglich klingen: Rimbaudmania .
Wollte man heute einen Superstar der Poesie erschaffen, man müsste eigentlich nur Arthur Rimbaud klonen. In seiner Vita steckt alles, was ein Manager sonst erst erfinden müsste: eine unglückliche Kindheit, die Familie früh vom Vater verlassen, die Mutter streng und unherzlich, frühe Ausbrüche aus dem Elternhaus, die erst in der Nationalgarde und somit im Krieg endeten. Später in der großen Stadt Paris lernte er seinen Förderer und Liebhaber Paul Verlaine kennen, der ihn eines Tages im Streit anschoss. Die ersten Gedichte verfasste Rimbaud als Teenager. Auch die letzten: Mit 19 Jahren hörte er bereits wieder zu schreiben auf und zog unter anderem als Handelsreisender durch die Welt, bis er mit 37 Jahren in Marseille an Knochenkrebs starb.
Seine kurze Schaffenszeit wirkt allerdings bis heute auf große Bereiche der Kunst. Kaum ein Dichter, der sich nicht auf Rimbaud bezieht, seine Werke wurden als Opern, Musicals, klassische Orchesterstücke vertont, und nicht wenige Rockmusiker geben ihn als Inspiration an. Jim Morisson von den Doors oder Patti Smith bekannten sich als Rimbaudmaniacs.
Auf Rimbaud zu stehen ist schick. Nicht zuletzt dank des berühmten Fotos von Etienne Carjat, das den Dichter im Alter von 17 Jahren zeigt: die Haare leicht verwuschelt, den Blick etwas ignorant in die Ferne gerichtet, einen leicht spöttischen Zug um den Mund. Ein Bild, das heute den ikonografischen Status eines Che Guevara oder eines James Dean hat.
Auch darauf bezieht sich Rimbaudmania . Auf Rimbaud zu stehen ist so schick, dass es mittlerweile bereits Unterwäsche der Marke American Apparel gibt, die der Trägerin auf winzigen Tangas immerhin genug Platz bietet, ihre "Liebe" zu Rimbaud kundzutun. Der französische Modeschöpfer Jean-Charles de Castelbajac hat das berühmte Bild auf ein Minikleid gedruckt, ein Plastikstuhl trägt Rimbauds Gesicht als Rückenlehne, selbst Telefonwertkarten zeigten ehedem das Konterfei.
Die Frage ist, ob jene, die sich einen "I love Rimbaud"-Kaffeebecher oder ein Notizbuch mit seinem Bild darauf kaufen, jemals auch nur eine Zeile aus seinen Gedichten gelesen haben. Weder Das trunkene Schiff noch Les Illuminations liest sich im Vorbeigehen, auch wenn Rimbaud eine Sprache erschaffen wollte, die "aus der Seele für die Seele" kam und "alles zusammenfassen" sollte: "Düfte, Töne, Farben."
Für Rimbaudmania wurden mehr als 350 Objekte gesammelt, die den Eindruck erwecken, die Manie hätte sich tatsächlich längst und weit über das tatsächliche Werk hinaus verselbständigt. Rimbaud wurde in Comics zitiert, in Songs von The Clash und Van Morrison. Er wurde von Picasso und Fernand Leger gemalt, die Illuminations wurden als Ballett aufgeführt. Das berühmte Foto muss bis heute herhalten, wenn es darum geht, jugendliches Rebellentum in einem einzigen Bild auszudrücken.
- Datum 20.05.2010 - 15:13 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...mohnumschäumt,
Einsame Wege will ich gehn.
Ich fühle kühl die Halme wehn,
Wie Mohn schäumt auch mein Herz und träumt."
Ja, die Rimbaudmania ist nicht verwunderlich, hat der gute Arthur doch beileibe genügend des typischen Idolpotentials aufzuweisen: Den erwähnten relativ frühen Tod, den Habitus des (leidenden) Künstlers und Rebellen, das obligatorische Unglück in der Liebe,...
Gerne wird einer solchen Künstlerpersönlichkeit auch ein gewisser Idealismus angedichtet.
Rimbauds Siechtum der letzten Jahre scheint weniger verdrängt zu werden als sein charakterlicher Verfall. Daß er zwischen 1885 und '87 in Abessinien mit Waffen (ja, zur Kriegsführung) gehandelt hat, ist rein marketingtechnisch gesehen eher wenig interessant.
Bevor er schließlich beinamputiert und von Sinnkrisen gebeutelt an Krebs starb, soll er noch erkannt haben, "daß Kunst eine Dummheit ist".
Sein Werk mag ich trotzdem; auf die POP-ARThur-Unterhosen kann ich verzichten.
Zu den interessanteren Produkten der "Marke" Rimbaud zählen die in diesem Artikel nicht spezifisch erwähnten musikalischen Adaptionen seiner Poesie, wie etwa das von Hector Zazou produzierte und 1994 erschienene Album "Sahara Blue" und das 2004 veröffentlichte Doppel-CD Album "The Art Rimbaud Project" der Künstlergruppe Isch Art, mit Songs basierend auf Englischen und Deutschen (Paul Zech) Übersetzungen von Rimbaud Gedichten, wie auch auf einigen Französischen Originaltexten.
http://www.myspace.com/th...
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