Arthur Rimbaud Sogar Unterwäsche gibt's von ihmSeite 2/2
Aus allen Ecken der Ausstellung tönt Sprache und Musik, leider zu viel Sprache, und einander zu einer Kakofonie überschneidende Musik. Hier kommt Benjamin Brittens Interpretation aus den Lautsprechern, und nur wenige Schritte weiter ein Song von Van Morrison. Da lesen dreißig unterschiedliche Personen vom Bäcker bis zum Pariser Bürgermeister aus Rimbauds Gedichten und Briefen, am anderen Ende des Raumes trägt Klaus Kinski vor. Die Galerie des Bibliothèques Ville de Paris ist leider nicht groß genug, um die Tonquellen voneinander zu trennen.

Auch auf einem Tanga ist Platz für Dichtung
Obwohl Rimbaud jede Form der künstlerischen Interpretation seiner Werke unterstützt hat, wird auch in der Ausstellung kurz überlegt, ob er denn mit all diesen Auswüchsen glücklich gewesen wäre. Unzählige Bücher, die sich entweder auf seinen Namen ( Miss Rimbaud , Terrine Rimbaud , Une saison Rimbaud ) oder auf das berühmte Foto stützen, werden gezeigt. Sogar einen Rimbaud in Kreuzstichtechnik, von einem Herzen eingerahmt, gibt es zu sehen, gleich gegenüber eines riesigen Teppichs, auf dem man Rimbauds Überzeugung " Il faut être résolument moderne " mit Füßen treten könnte, hinge er nicht an der Wand.
Biegt man von diesem letzten Saal mit all seinem Kitsch und seinen Klamotten anstatt nach links, in Richtung Ausgang, nach rechts, steht man wieder am Beginn, bei einigen der wenigen erhaltenen Original-Handschriften des Dichters. Rimbaud selbst hat nie Kopien der Manuskripte angefertigt, die er an Magazine oder Verleger schickte. Seinem Freund Verlaine sind viele Texte zu verdanken, der sie – verliebt – abgeschrieben hat. In diesen in kleiner, sauberer Handschrift verfassten Worten steckt die Kraft, die so viele Menschen noch Jahrhunderte später inspiriert. Leider eben auch zu Schrott.
Die Ausstellung
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Rimbaudmania
"
ist vom 7. Mai bis zum 1. August 2010 in der Galerie
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des Bibliothèques
"
in Paris zu sehen.
- Datum 20.05.2010 - 15:13 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...mohnumschäumt,
Einsame Wege will ich gehn.
Ich fühle kühl die Halme wehn,
Wie Mohn schäumt auch mein Herz und träumt."
Ja, die Rimbaudmania ist nicht verwunderlich, hat der gute Arthur doch beileibe genügend des typischen Idolpotentials aufzuweisen: Den erwähnten relativ frühen Tod, den Habitus des (leidenden) Künstlers und Rebellen, das obligatorische Unglück in der Liebe,...
Gerne wird einer solchen Künstlerpersönlichkeit auch ein gewisser Idealismus angedichtet.
Rimbauds Siechtum der letzten Jahre scheint weniger verdrängt zu werden als sein charakterlicher Verfall. Daß er zwischen 1885 und '87 in Abessinien mit Waffen (ja, zur Kriegsführung) gehandelt hat, ist rein marketingtechnisch gesehen eher wenig interessant.
Bevor er schließlich beinamputiert und von Sinnkrisen gebeutelt an Krebs starb, soll er noch erkannt haben, "daß Kunst eine Dummheit ist".
Sein Werk mag ich trotzdem; auf die POP-ARThur-Unterhosen kann ich verzichten.
Zu den interessanteren Produkten der "Marke" Rimbaud zählen die in diesem Artikel nicht spezifisch erwähnten musikalischen Adaptionen seiner Poesie, wie etwa das von Hector Zazou produzierte und 1994 erschienene Album "Sahara Blue" und das 2004 veröffentlichte Doppel-CD Album "The Art Rimbaud Project" der Künstlergruppe Isch Art, mit Songs basierend auf Englischen und Deutschen (Paul Zech) Übersetzungen von Rimbaud Gedichten, wie auch auf einigen Französischen Originaltexten.
http://www.myspace.com/th...
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