Ozzy Osbournes Autobiografie "Ich hasste die Schule"
In seiner Autobiografie "Ozzy" beschreibt der britische Sänger seine Jugendträume vom Rockstar-Dasein und den Schock des Berühmtwerdens. Ein Ausschnitt

Ozzy Osbournes Biografie "Ozzy"
Die Schule hasste ich. Ich hasste sie sehr. Ich kann mich noch an meinen ersten Tag in der Grundschule in Aston erinnern: Sie mussten mich am Genick packen und in die Prince Albert Juniors reinschleppen, so sehr bockte und schrie ich. In der Schule gab es nur eines, auf das ich mich freute: Die Glocke, die um vier Uhr nachmittags zum Schulschluss läutete.
Ich konnte nicht richtig lesen, weshalb ich keine guten Noten bekam. In meinem Kopf blieb nichts hängen, und ich begriff einfach nicht, warum mein Hirn so ein nutzloser Pudding war. Was in den Büchern stand, hätte ebenso gut in Chinesisch geschrieben sein können. Ich hatte das Gefühl, zu nichts zu taugen, ein geborener Verlierer zu sein. Ich war schon über dreißig, als ich herausfand, dass ich unter Dyslexie und einer Aufmerksamkeitsstörung (ADS) litt. Damals wusste man noch nichts von diesen Dingen. In meiner Klasse gab es vierzig Kinder, und wenn man etwas nicht kapierte, bekam man keine Hilfe von den Lehrern – sie ließen dich einfach herumhocken. Und genau das tat ich. Wenn etwas von mir verlangt wurde – zum Beispiel, wenn ich etwas laut vorlesen musste –, versuchte ich, die Klasse wenigstens zu unterhalten. Ich dachte mir alle möglichen Verrücktheiten aus, um die anderen Kinder zum Lachen zu bringen.
Das einzig Gute an Dyslexie ist, dass wir Dyslexiker normalerweise sehr kreativ sind – zumindest wurde mir das gesagt. Unsere Gedanken gehen ungewöhnliche Wege. Aber man wird abgestempelt, weil man nicht wie normale Leute lesen kann. Ich wünschte, ich hätte eine gute Bildung bekommen.
Ich finde Bücher großartig, wirklich. Es ist etwas Wunderbares, in einem Buch zu versinken. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit dazu haben. Mir ist es nur ein paarmal in meinem Leben gelungen, ein Buch von Anfang bis Ende zu lesen. Alle Jubeljahre lässt das Monster in meinem Kopf ein wenig locker, und ich versuche, so viele Bücher wie möglich zu verschlingen, denn wenn die Bestie wieder zupackt, ist es wieder genau wie früher: Ich sitze da und starre auf chinesische Schriftzeichen.
Seit ich mich erinnern kann, wurde ich in der Schule nur "Ozzy" gerufen. Ich habe keine Ahnung, wer auf diese großartige Idee kam oder wann oder warum. Man könnte vermuten, dass es eine Abkürzung für "Osbourne" war. Jedenfalls passte der Name zu meiner Clown-Persönlichkeit. Als ich den Namen erst einmal weg hatte, blieb nur meine Familie bei John. Mittlerweile reagiere ich überhaupt nicht mehr auf meinen Geburtsnamen. Wenn jemand ruft: "Vorsicht, John! Da drüben!", schaue ich nicht einmal auf.
Nach der Prince Albert Juniors setzte ich meine Bildungslaufbahn an der Birchfield Road Secondary Modern in Perry Bar fort. Dort hatten sie eine Uniform. Es bestand kein Uniformzwang, aber die meisten Kinder trugen sie, darunter auch mein kleiner Bruder, der Saubermann Paul. Er erschien jeden Tag in Blazer, grauer Flanellhose und Hemd mit Krawatte. Ich lief in Gummistiefeln, Jeans und stinkigen alten Pullovern herum. Mr. Oldham, der Direktor, hielt mir jedes Mal, wenn ich ihm unter die Augen kam, einen Vortrag. "John Osbourne, wasch dich mal!", rief er durch den Gang. "Du bist eine Schande! Warum kannst du nicht wie dein Bruder sein?"
Mr. Oldham hatte nur einmal ein freundliches Wort für mich übrig, und zwar, als ich ihm verriet, dass einer meiner Kameraden Spülmittel ins Aquarium geschüttet hatte, um den Schulfisch ins Jenseits zu befördern. Er lobte mich sogar in der Schülerversammlung dafür: "Dank John Osbourne konnten wir den Übeltäter fassen, der für diese niederträchtige Tat verantwortlich war." Mr. Oldham konnte ja nicht wissen, dass ich derjenige war, der versucht hatte, dem Schulfisch den Garaus zu machen – bevor mich auf halbem Weg der Mut verließ. Ich wusste, dass sie mich für den Schaum im Aquarium verantwortlich machen würden. Das lag daran, dass sie mich für alles verantwortlich machten. Also dachte ich mir, wenn ich vorher jemand anderen denunziere, komme ich vielleicht ungestraft davon. Und so war es auch.
- Datum 16.06.2010 - 14:16 Uhr
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