Spanische Medien berichteten unter Berufung auf die Familie, der Autor sei nach einer "ruhigen Nacht" verstorben. José Saramago war gesundheitlich angeschlagen und musste in den vergangenen Jahren mehrmals länger ins Krankenhaus. Nach portugiesischen Medienangaben starb er im Alter von 87 Jahren auf der spanischen Insel Lanzarote. Er lebte seit Jahren auf der Kanaren-Insel. Saramago hatte 1998 den Literaturnobelpreis bekommen.

Als José Saramago einmal nach dem Grund für sein düsteres Weltbild gefragt wurde, antwortete er mit derselben Ironie, die sich in vielen seiner Bücher findet: "Ich bin kein Pessimist, sondern bloß ein gut informierter Optimist." Ernst fuhr er fort: "Wir stecken alle in der Scheiße. Optimist kann eigentlich nur sein, wer gefühllos, dumm oder Millionär ist." Die Welt sei eine Hölle: "Millionen Menschen werden geboren, um zu leiden. Kümmern tut dies kaum jemanden."

Der überzeugte Kommunist Saramago meldete sich auch zur aktuellen Politik oft zu Wort – und eckte dabei nicht selten an. Bei einem Besuch in Ramallah etwa verglich er die israelische Besetzung der palästinensischen Autonomiegebiete mit den Gräueln der Nazis in Auschwitz und Buchenwald. "Die Israelis haben Palästina in ein Konzentrationslager verwandelt." Trotz heftiger Proteste nahm er seine Vorwürfe nicht zurück.

In seiner Heimat sorgte der Schriftsteller mit einem provokanten Vorschlag ebenfalls für Aufregung. Er regte an, Portugal solle territorialer Bestandteil des großen Nachbarn Spaniens werden. Um die Empfindlichkeiten und den Stolz der Portugiesen nicht zu verletzen, könne sich der neue Staat "Iberia" nennen. In Portugal brachte Saramago dies den Vorwurf des Vaterlandsverrats ein – zumal er selbst jahrelang Wahlspanier war: Er lebte mit seiner spanischen Frau, der Übersetzerin Pilar del Río, seit 1993 auf Lanzarote.

Dorthin war er aus Protest gegen die damalige konservative Regierung seines Landes ausgewandert. Diese hatte seinen siebten Roman, Das Evangelium nach Jesus Christus , 1992 wegen angeblicher Verletzung religiöser Gefühle von der Vorschlagsliste für den Europäischen Literaturpreis streichen lassen – der bekennende Atheist Saramago hatte den Gottessohn als Jüngling dargestellt, der auch an seinem eigenen Glauben zweifeln kann.

"Wenn so etwas zu Zeiten der Salazar-Diktatur geschehen wäre, hätte ich es ja noch verstehen können. In einer Demokratie aber empfand ich diese Zensur beschämend", sagte der aus armen Verhältnissen stammende Autor, der 1998 als erster Portugiese den Literaturnobelpreis erhielt. Inzwischen ist er einer der weltweit meist gelesenen Autoren portugiesischer Sprache.

Saramago wurde 1922 in der Ortschaft Azinhaga nahe Lissabon als Sohn eines Landarbeiters und späteren Polizisten geboren. Nach dem vorzeitigen Schulabgang wurde er Maschinenschlosser, arbeitete später als technischer Zeichner, Angestellter in der Sozialbehörde, in einem Verlag und als Journalist. Erst mit etwa 40 Jahren fand er zur Schriftstellerei. 1966 erschien unter dem Titel Os poemas possiveis ( Die möglichen Gedichte ) sein erstes Buch. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit Romanen wie Hoffnung im Alentejo (1980),  Das Memorial (1982) oder Das Todesjahr des Ricardo Reis (1984), die durch eine bildhafte und nahezu barocke Sprache beeindrucken. Im kommenden Herbst sollte sein neues Werk Die Reise des Elefanten in Deutschland erscheinen.

In Portugal hatte er zuletzt unter dem Titel Die kleinen Memoiren eine Art Autobiografie herausgebracht, die mit seinem 15. Lebensjahr endet. "Diese Zeit hat mich am meisten geprägt, im Grunde bin ich ein Bauersjunge geblieben", sagte er. In dem Buch erfährt der Leser auch, dass Saramago eigentlich José de Sousa heißt. Sein richtiger Familienname ging beim Eintrag ins Geburtenregister "verloren", weil der zuständige Beamte betrunken war. Er trug den Kosenamen ein, mit dem die Familie in ihrem Dorf bekannt war. Der Fehler kam erst Jahre später bei der Einschulung heraus und war nicht mehr rückgängig zu machen. Auf Deutsch erschien von Saramago 2007  Eine Zeit ohne Tod , ein skurril-philosophischer Roman über eine Gesellschaft, in der niemand stirbt.