E-Books Amazons Theaterdonner

Der Online-Händler Amazon verkündet, er verkaufe mehr E-Books als gebundene Bücher. Das mag ein Erfolg sein, das Ende des gedruckten Buchs ist es noch lange nicht.

Jeff Bezos, der Chef von Amazon, präsentiert den Kindle

Jeff Bezos, der Chef von Amazon, präsentiert den Kindle

Meist waren es kurze Meldungen. Manche stellten die rhetorische Frage: Hat das Ende des gedruckten Buchs begonnen? Die Zahlen, die Amazon jüngst mit medialem Theaterdonner veröffentlichte, lassen zumindest aufhorchen. Auf 100 gebundene Bücher hat der Online-Händler in den vergangenen drei Monaten 143 digitale verkauft, im vergangenen Monat sogar 180. Gezählt wurden nur die E-Books, die auch kosten, und auf Amazon verfügbar sind – derzeit rund 630.000.

Nicht hinzugerechnet werden die sogenannten gemeinfreien Werke, deren Urheberrechte abgelaufen sind. Von ihnen gibt es in der Datenbank des Online-Händlers rund zwei Millionen, bisweilen bekommen die Kunden diese E-Books beim Kauf eines Kindle-Lesegeräts gratis dazu. Der Kindle, das ist eigentlich die Erfolgsgeschichte, die Amazon nicht müde wird zu erzählen. Seit Apples iPad vor drei Monaten die Welt verzückte, ist der Kindle billiger zu haben, beworben wird er mit dem Siegel "bestverkauftes Produkt bei Amazon". Also, die Anzeichen sind da. Was ist nun mit dem papierenen Buch, zu dessen Grab man seit einigen Jahren stets aufs Neue geführt wird?

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Erstmal: nichts. Wiewohl die Zahlen zunächst beeindruckend sind – vom Niedergang des gedruckten Buchs, wie ihn die New York Times schon ahnt, kann keine Rede sein. Dass Amazon digitale Bücher mittlerweile besser verkauft als gebundene, hat andere Gründe. Dazu lohnt der Blick auf die Bestsellerlisten des Händlers. Während sich bei den herkömmlichen Büchern unter den ersten zwanzig nahezu ausnahmslos Neuerscheinungen der vergangenen Monate finden, liest sich die Rangliste der E-Books schnell wie eine gehobene Gemischtwarenauslage der Weltliteratur: Pride & Prejudice steht neben Sherlock Holmes , Anna Karenina neben Alice im Wunderland . Gute Bücher, zweifellos. Allerdings in diesen Ausgaben auch weit billiger als die Neuerscheinungen.

Das legt nahe, dass sich hier die Neugier eines Kindle-Käufers spiegelt, der sein neues Gerät mit günstigen Büchern belädt, um es erst einmal auszuprobieren. Der Anstieg der E-Book-Verkäufe korreliert interessanterweise mit der Vergünstigung des Kindles. Verlässlich werden die Zahlen erst, wenn sich das Kaufverhalten normalisiert hat. Zumal Amazon auch vom Hype um das iPad profitiert: Mit entsprechenden Programmen sind die Bücher für den Kindle auch auf Apples Gerät lesbar. Runterladen indes kann man sie nur bei Amazon selbst.

Außerdem: Das E-Book verdrängt das gedruckte Buch auch bei Amazon noch lange nicht. Der Online-Händler hat nämlich zuletzt nicht nur mehr E-Books verkauft, sondern auch mehr Hardcover. Die Taschenbuchverkäufe sind noch immer weitaus höher als die Digitalen. Ohnehin mag Amazon zwar der größte Online-Buchhändler sein, aussagekräftig sind aber nur die Zahlen des gesamten Buchhandels. Amazons Anziehungskraft auf sogenannte "Early Adopter" neuer Lesetechnologien ist nach Ansicht des Wall Street Journal stärker als anderswo. Die Erfolgsmeldung des Konzerns könnte man auch als Akt der Selbstbehauptung sehen gegen eine stärker werdende Konkurrenz: Apples Steve Jobs hat jüngst verkündet, der iBook-Store habe mittlerweile 20 Prozent Anteil am Markt. Selbst das hat das gedruckte Buch bislang nicht erschüttert.
 

 
Leser-Kommentare
  1. ... ist es vollkommen wurscht wie die Leute lesen.
    Hauptsache sie lesen :-)

    • ben_
    • 20.07.2010 um 21:56 Uhr

    Ich muss auch sagen … wenn mich mein subjektives Käufergefühl nicht trügt, erscheinen Hardcover inzwischen nur noch in dreistelligen Auflagen und vermutlich sogar parallel zur Softcover-Auflage. Wenn es von einem Buch denn überhaupt nicht eine Hardcover Version gibt. Davon mehr zu verkaufen, ist wohl kaum etwas womit man werben sollte.

    Das ist so, als würde Toyota damit werben, mehr Autos als Maybach verkauft zu haben.

  2. Nur um zu erleben wie mir Amazon meine Bücher wieder löscht, nur weil sich ein paar Copyright-Na*is nicht über die Verteilung ihrer Pfründe einigen konnten?

    Ich bleibe beim gedruckten Buch. Bis es soweit ist, dass man meine Tür aufbricht, um mir die Bücher aus dem Regal zu holen, wird es - hoffentlich - noch sehr lange dauern.

  3. Und ich spreche dabei nur und ausschließlich von meinen Vorteilen.

    Nämlich die, die ich durch den Kauf eines E-Books aufgebe.
    Ich bin an eine Plattform gebunden - Kindle - I-Pod - PC - Adobe-Reader - was auch immer, ich kann mit dem "E-Buch" nicht machen was ich will und ich kann es noch nicht einmal verkaufen oder etwas daraus kopieren. Oh! Und oft genug sind E-Books auf wundersame Weise *TEURER* oder zumindestens gleich teuer als das reelle Hardcover. (Vom "kopiergeschütztsein" will ich nicht anfangen.)

    Das sollte mir mal einer von diesem Amazonianern erläutern.

    Ich kenne nur einen Vorteil bei E-Books. Der ist, das ich jederzeit ein Buch kaufen kann und es keine nennenswerte, zeitfressende Logistik braucht.

    Das jedoch ist nur ein Scheinargument für mich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Talor
    • 20.07.2010 um 22:22 Uhr

    ..einen weiteren Vorteil. Urheberrechtsverletzungen gestalten sich nun erheblich einfacher! ;)

    Entscheidend ist doch erstmal: "Warum lese ich ein Buch?"
    Ich lese ein Buch, weil mich der Inhalt interessiert -
    nicht wegen der Haptik und auch nicht weil ich damit
    angeben will zwei Zimmer voll mit Büchern zu haben.

    Und damit kommen die Vorteile der E-Book Reader ins Spiel:

    Mein Gerät wiegt 100g und ich habe es eigentlich immer
    dabei. Das bedeutet z.B. das ich meine gesamte Buchsammlung
    immer mit in den Urlaub nehmen kann, egal wie ich Reise.

    Ich kann mir die Schriftgröße und Schriftart, die ich
    haben will einstellen. Klingt unnötig, aber viele
    Taschenbücher haben nur 8pt. Mit 11pt ermüden die
    Augen aber viel langsamer.

    Ein E-Book läßt sich viel angenehmer lesen, da man nicht
    auf eine Bindung Rücksicht nehmen muss. Ich finde bei
    Taschenbüchern immer die ersten und letzten 50 Seiten
    super nervig zu halten.

    Ich lese Bücher meistens in der Originalsprache des Autors,
    wenn ich sie kann. In einem E-Book kann man ein Lexikon
    einbinden und sich z.B. schnell die Übersetzung eines Wortes
    anzeigen lassen.

    • Talor
    • 20.07.2010 um 22:22 Uhr

    ..einen weiteren Vorteil. Urheberrechtsverletzungen gestalten sich nun erheblich einfacher! ;)

    Entscheidend ist doch erstmal: "Warum lese ich ein Buch?"
    Ich lese ein Buch, weil mich der Inhalt interessiert -
    nicht wegen der Haptik und auch nicht weil ich damit
    angeben will zwei Zimmer voll mit Büchern zu haben.

    Und damit kommen die Vorteile der E-Book Reader ins Spiel:

    Mein Gerät wiegt 100g und ich habe es eigentlich immer
    dabei. Das bedeutet z.B. das ich meine gesamte Buchsammlung
    immer mit in den Urlaub nehmen kann, egal wie ich Reise.

    Ich kann mir die Schriftgröße und Schriftart, die ich
    haben will einstellen. Klingt unnötig, aber viele
    Taschenbücher haben nur 8pt. Mit 11pt ermüden die
    Augen aber viel langsamer.

    Ein E-Book läßt sich viel angenehmer lesen, da man nicht
    auf eine Bindung Rücksicht nehmen muss. Ich finde bei
    Taschenbüchern immer die ersten und letzten 50 Seiten
    super nervig zu halten.

    Ich lese Bücher meistens in der Originalsprache des Autors,
    wenn ich sie kann. In einem E-Book kann man ein Lexikon
    einbinden und sich z.B. schnell die Übersetzung eines Wortes
    anzeigen lassen.

    • Talor
    • 20.07.2010 um 22:22 Uhr

    ..einen weiteren Vorteil. Urheberrechtsverletzungen gestalten sich nun erheblich einfacher! ;)

  4. ", das Ende des gedruckten Buchs ist es noch lange nicht."

    Das Wörtchen "noch" beeinhaltet, die allgemeine Einschränkung.

    Früher oder später wird es keine Bücher mehr geben. Der Weg geht sogar von der geschriebenen Schrift weg ausschließlich zu digitalen Medien - aber zum Glück noch "lange" nicht ;-)

    • astein
    • 20.07.2010 um 23:40 Uhr

    Ich denke es lohnt darauf hinzuweisen, dass Amazon ausschliesslich von Hardcover-Büchern spricht. Die Zahl der verkauften Taschenbüchern wird doch noch weit über der Zahl der verkauften Ebooks liegen.

    Dies sollte vielleicht auch im Artikel klarer herausgestellt werden, es kommt ein falscher Eindruck auf.

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